Die Fast-Food Falle

Burger, Pommes und Co sind für jeden Menschen ungesund, ganz gleich, welchen Lebensstil jemand pflegt. Vor allem aber dann, wenn sie zur Grundlage unserer Ernährung werden. Dass Fast Food allerdings auch das Immunsystem verändert und es durch langfristige Umprogrammierung unserer Gene auch „aggressiver” macht, ist neu! Forscher der Universität Bonn, Deutschland, veröffentlichten dazu in der renommierten Fachzeitschrift „Cell” im Jänner 2018 eine aufrüttelnde Studie.

Fast Food ist ein Problem unserer schnelllebigen Gesellschaft. Nahezu jedes Kind und jeder Erwachsene bekommt es in irgendeiner Form gelegentlich auf den Teller, doch ein nicht zu vernachlässigender Teil der westlichen Bevölkerung ernährt sich hauptsächlich davon. Die Zusammensetzung dieser Speisen ist haarsträubend: große Mengen Fett, Kohlenhydrate, raffinierter Zucker und Salz, aber dafür keine Vitamine oder Ballaststoffe. Das Blatt Salat oder die kleine Tomate am Burger machen dabei auch nicht mehr viel gut. Viele versteckte Transfette – oder gar in Palmöl gebratene Pommes – runden die Speisen dann noch ab. Transfette sind ungesättigte Fettsäuren, die bei der industriellen Herstellung von Nahrung durch unvollständige Härtung von Pflanzenölen entstehen. Die Margarine ist dafür das bekannteste Beispiel. Diese Fette haben keinen positiven Effekt auf den Organismus, sondern führen zu erhöhten LDL- („schlechtes“ Cholesterin) und gesenkten HDL- („gutes“ Cholesterin) Spiegeln im Körper. Das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch für Insulinresistenzen steigt mit zunehmenden Verzehr deutlich an. Zusätzlich kann die hohe Natriumzufuhr durch stark gesalzene Lebensmittel auf Dauer zu Bluthochdruck führen. Der Einfluss von zu viel Zucker ist hinlänglich bekannt. Das Risiko für Übergewicht und Insulinresistenzen steigt drastisch an – und dazu kommen auch noch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wissenschaftler der Universität Bonn haben nun herausgefunden, dass regelmäßiger Fast-Food-Verzehr beträchtliche negative Wirkungen auf unser Immunsystem hat. Im Magen-Darm-Trakt sind besonders viele Zellen des angeborenen Immunsystems angesiedelt, da dort eine wichtige Kontaktstelle für potenziell gefährliche Stoffe besteht. Eine Studie an Mäusen, die für einen Monat auf eine „westliche“ Diät gesetzt wurden, hat nun gezeigt, dass sich nach und nach im ganzen Körper Entzündungen ausgebreitet haben. Fast so, als würde man an einem starken Bakterienbefall erkranken. Die Zahl der im Blutsystem zirkulierenden Immunzellen hat beträchtlich zugenommen. Nach Umstellen der Ernährung zurück zu artgerechter Diät sind zwar die Entzündungen verschwunden, allerdings blieben Veränderungen im Erbgut nachweislich zurück. Nach Untersuchung der Immunzellen kam erschreckenderweise zum Vorschein, dass sich die Genexpression, also wie unser Erbgut (Gene) „abgelesen“ und verarbeitet wird, komplett verändert hat. Wenn man die DNA einer Zelle ausrollt, bekommt man einen etwa 2 m langen Faden, der aber stark gefaltet sein muss, um in so kleinen Zellkernen Platz zu finden. Die Faltung und wie gut einzelne Segmente des Erbgutes für die Ablesemaschinerie zugänglich sind, wird stark reguliert. Durch veränderte Nahrung können sich Markierungen (die sogenannte Epigenetik) ändern und dadurch eben auch das Ableseverhalten unserer Zellen negativ beeinflussen. Das hat weitreichende Folgen, denn ein epigenetisches Muster bleibt den Zellen dauerhaft erhalten. Betroffen waren vor allem die Gene, die für die Zellvermehrung und -reifung zuständig waren; eben genau diese, wie man sie auch von Tumorzellen kennt. 

Erst kürzlich konnte gezeigt werden, dass auch die angeborene Immunabwehr ein „Gedächtnis“ hat. Das System bleibt nach einer Entzündung in Alarmbereitschaft und kann schneller und aggressiver auf einen neuerlichen Reiz antworten. Weiters hat man im Blut auch die Präsenz vieler Inflammasome festgestellt. Das sind Sensoren des angeborenen Immunsystems, welche gefährliche Stoffe erkennen und hochentzündliche Botenstoffe freisetzen. Bestimmte Bestandteile unserer Fast-Food-Nahrung sind in der Lage, so eine Reaktion, die eigentlich von Bakterienbefall bekannt ist, hervorzurufen. Laut den Wissenschaftlern ist dieses Inflammasom in der Lage, diese epigenetischen Änderungen in den Zellen hervorzurufen. 

Warum aber besteht diese Angst vor durch Fast Food ausgelöste Entzündungsreaktionen? Diese können die Entstehung von Gefäßkrankheiten, aber auch das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, drastisch beschleunigen. Durch anhaltende Entzündungen wandern ständig neue Immunzellen in die Gefäße ein und verstärken so in Kombination mit Lipiden die Ausbildung und Vergrößerung von arteriosklerotischen Plaques. Einseitige Ernährung in Kombination mit wenig Bewegung, Rauchen oder vielleicht sogar schon einem bestehenden erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes macht das Ganze zu einer tickenden Zeitbombe. Mit einem regelmäßigen Fast-Food-Konsum steigt auch das Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.

Chronische nichtinfektiöse Entzündungsreaktionen gehören mittlerweile zur Haupttodesursache in westlichen Ländern. Man hat viel zu lange verabsäumt, Kindern und jungen Erwachsenen frühzeitig gesunde Ernährung beizubringen. In den Schulkantinen finden sich Pommes, Burger oder Schnitzelsemmeln, und der Softdrink darf nicht fehlen. Diese Studie hat aber deutlich gezeigt, was mit einer einseitigen Ernährung angerichtet wird und dass wir uns so bereits eine Generation von „Kranken“ heranzüchten. Hier muss mehr in Sachen Prävention getan werden, um den Menschen einen gesunden Lebensstil wieder schmackhaft zu machen und eine Trendwende hervorzurufen. Auch wenn die Aufschreie groß sind („Von einem Burger bekomm ich so was sicher nicht!“ oder „Man kann mir nicht verbieten, was ich esse!“) bleibt trotzdem die Frage, wie in Zukunft unser bereits überlastetes Gesundheitssystem damit umgehen wird.