Fruchtzucker – Gesundheitsrisiko für Diabetiker?

Obst beinhaltet neben zahlreichen Vitaminen, alice_klatzer_lr
Mineralstoffen und Ballaststoffen auch einen
großen Anteil an Fruchtzucker.
Ein altes Sprichwort sagt: An apple a day keeps the doctor away! (Ein Apfel täglich hält den Arzt fern). Was hält uns also davon ab, aus einem Apfel täglich fünf zu machen?

Die Fruchtzuckermenge kann je nach Reifegrad und Obstsorte variieren. Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, ist ein Einfachzucker. Er wird ohne lange Verdauungsarbeit im Darm aufgenommen und geht somit schnell ins Blut über.

Eine wichtige Eigenschaft des Fruchtzuckers ist, dass er insulinunabhängig verstoffwechselt werden kann. Diese Eigenschaft hat ihn jahrelang bei der Herstellung von Diabetikerlebensmitteln besonders beliebt gemacht. Er wurde in zahlreichen Süßspeisen, Getränken, Marmeladen und Backwaren als Zuckerersatz eingesetzt. Da diese Lebensmittel als besonders gesund galten, wurden meist große Mengen an diesen Süßwaren konsumiert, auch von Nichtdiabetikern. Diese speziellen Diabetikerlebensmittel werden jedoch nicht mehr hergestellt, da man heute weiß, dass gerade Fruchtzucker eine bedeutende Rolle für die Lebergesundheit spielt. Denn ein Überschuss an Fruchtzucker wird in der Leber zu Fettsäuren umgewandelt, und diese Fettsäuren lagern sich bevorzugt im Bauchfett und in der Leber selbst ab. Das viszerale Bauchfett ist besonders gefährlich für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Herzinfarkt, Arteriosklerose und sogar die Entstehung verschiedener Krebserkrankungen werden mit dem „ungesunden“ Bauchfett in Verbindung gebracht. Die Speicherung von überschüssigem Fruchtzucker in der Leber in Form von Fett kann zur Entwicklung einer „nichtalkoholischen Fettlebererkrankung“ führen. Diese ist die häufigste chronische Lebererkrankung weltweit. Besonders oft wird sie bei übergewichtigen Menschen und Diabetikern beobachtet. Gerade für Diabetiker bedeutet dies ein zusätzliches Gesundheitsrisiko! Denn die nichtalkoholische Fettleber kann im Laufe der Jahre zu starker Leberschädigung, zur Leberzirrhose und zum Leberkrebs führen.

Fruktose spielt neben der Lebergesundheit auch bei der Gichterkrankung eine große Rolle. Studien zeigen, dass eine hohe Fruktoseaufnahme das Gichtrisiko signifikant steigern kann. Denn beim Fruktoseabbau fallen viele Purine an, die in weiterer Folge zur Harnsäure abgebaut werden. Weiters wird die Harnsäure durch Fruchtzucker schlechter über die Niere ausgeschieden.

Ein weiterer Nebeneffekt von erhöhter Fruktoseaufnahme kann die Fruktosemalabsorption sein. Viele Menschen sind nicht in der Lage, das große Angebot an Fruktose ausreichend zu verdauen. Als Folge treten Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen auf. Die wichtigste Behandlung dieser Verdauungsstörung ist es, den Fruktosegehalt in der Ernährung so gering wie möglich zu halten.

Fruktose wird zwar nicht mehr in Diabetikerlebensmitteln eingesetzt, doch hat die Industrie diesen billigen Zucker längst für sich entdeckt. Besonders häufig wird er in Fertiggerichten, Müslimischungen, Süßigkeiten, Fruchtjoghurts, Smoothies und Wellnessgetränken eingesetzt. In den USA wird fast ausschließlich mit Fruktosesirup gesüßt – es verwundert also nicht, dass in diesem Land besonders viele übergewichtige Menschen leben.

Doch was ist nun gesund? Wie viel Fruktose darf täglich gegessen werden?

Wichtiges vorweg: Fruktose ist prinzipiell nicht ungesund, doch die Dosis macht es aus. Wer sich an die Regeln der gesunden Ernährung laut der Ernährungspyramide des Gesundheitsministeriums hält, macht alles richtig. Obst darf auf keinen Fall vom Speiseplan gestrichen werden, täglich sollen 2 faustgroße Stück Obst verzehrt werden. Selten ist verdünnter Obstsaft erlaubt. Gerade Diabetiker sollten auch Wellnessgetränke, Obst-Smoothies, Fruchtjoghurts oder Süßigkeiten meiden. Zum Backen können kleine Mengen des herkömmlichen Haushaltszuckers verwendet werden. Der Zuckergehalt in Backwaren kann ohne Weiteres um ein Drittel reduziert werden, ohne Einbußen im Geschmack. Zum Süßen von Getränken sollten Diabetiker, statt zu normalem Haushaltszucker oder Fruchtzucker, zu künstlichem Süßstoff oder Stevia als gesündere Alternativen greifen, auch Birkenzucker oder Kokosblütenzucker können empfohlen werden.

Alice Klatzer

Diätologin im LKH Villach und freiberufliche Diätologin