Häufige Nebenwirkungen von oralen Antidiabetika

Einige Nebenwirkungen lassen sich schon durch die korrekte Einnahme der Medikamente vermeiden.

Nebenwirkungen bei Antidiabetika

Informieren Sie sich immer bei Ihrem Arzt oder Apotheker, zu welcher Tageszeit ein Medikament eingenommen werden soll, ob es zu einer Mahlzeit oder nüchtern eingenommen werden soll, und ob es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann.Jedes Medikament, das eine positive Wirkung auf den Körper hat, hat zugleich auch Nebenwirkungen. Grundsätzlich kann man sagen, dass kein heute verwendeter Arzneistoff gänzlich nebenwirkungsfrei ist. In vielen Fällen spürt man die Nebenwirkungen eines Medikaments nicht sofort, sondern vielleicht erst Jahre später. In anderen Fällen setzen die unerwünschten Wirkungen sofort ein und führen oftmals zum frühzeitigen Absetzen eines Medikaments. Dies trifft natürlich nicht nur auf die oralen Diabetesmedikamente zu, sondern gilt ganz allgemein für alle Wirkstoffe.

Wenn man von Nebenwirkungen spricht, so muss man diese in zwei Gruppen unterteilen:

  • für den Arzneistoff typische und dosisabhängige Nebenwirkungen
  • dosisunabhängige Nebenwirkungen, zum Beispiel Überempfindlichkeitsreaktionen

Wie oft verschiedene Nebenwirkungen eines bestimmten Medikaments auftreten, ist in der Packungsbeilage aufgelistet. Hier werden die Nebenwirkungen in Kategorien von „sehr häufig (< 10 % der Behandelten)“ bis hin zu „sehr selten (< 0,01 % der Behandelten)“ angegeben.

Nicht immer sind Nebenwirkungen unerwünscht, in manchen Fällen macht man sich die Nebenwirkungen zunutze, wie z. B. bei Diphenhydramin, einem Antiallergikum, das neben seiner juckreizstillenden Wirkung auch schlaffördernd wirkt. Dies kommt den Patienten bei einer abendlichen Einnahme natürlich zugute. Ein anderes Beispiel ist der Arzneistoff Sildenafil (Viagra®), dieser wurde ursprünglich als Blutdrucksenker entwickelt. Schnell hat man allerdings erkannt, dass die häufigste Nebenwirkung der eigentlichen Wirkung weit überlegen ist. Heute wird Sildenafil gegen erektile Dysfunktion eingesetzt und ist nicht mehr als Blutdrucksenker zugelassen.

Die häufigste Nebenwirkung der oralen Antidiabetika ist Hypoglykämie.

Dies bedeutet, dass der Blutzuckerspiegel auf unter 60 mg/dl fällt. Bei einem sehr hohen Ausgangsblutzuckerwert kann es auch vorkommen, dass man schon bei 100 mg/dl erste Symptome einer drohenden Hypoglykämie wahrnimmt. Sobald der Blutzucker allerdings mittels Medikamenten eingestellt ist, verschwinden die Symptome nach ein paar Tagen. Erste Anzeichen einer Unterzuckerung sind Blässe, Heißhunger oder Übelkeit, kalter Schweiß, Zittern und Herzklopfen bis hin zu Bewusstlosigkeit. Die erste Maßnahme bei einem drohenden „Hypo“ ist das schnelle Verabreichen von Zucker, z. B. in Form von Fruchtsaft, Traubenzucker oder bestimmter Zuckergele aus der Apotheke. Diabetiker sollten deshalb immer Traubenzucker oder etwas vergleichbar Zuckerhaltiges dabeihaben. Gerade zu Beginn einer medikamentösen Therapie können Hypoglykämien ein großes Problem darstellen, und das Finden der richtigen Dosis nimmt einige Tage bis Wochen in Anspruch.

Biguanide/Metformin:

Das in Österreich am häufigsten verschriebene orale Antidiabetikum ist Metformin, welches zur Klasse der Biguanide gehört. Metformin hemmt die Bildung von Glukose (Zucker) in der Leber und fördert gleichzeitig die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in die Muskelzellen, wodurch der Blutzuckerspiegel sinkt. Im Vergleich mit anderen Antidiabetika kommt es bei Metformin-Einnahme zu keinen Hypoglykämien und ebenso zu keiner unerwünschten Gewichtszunahme.

Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen hier vor allem gastrointestinale Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und eventuell Erbrechen. Weiters kommt es bei fast 20 % der Patienten zu leichten bis schweren Durchfällen. Diese Nebenwirkungen sind dosisabhängig und treten in den meisten Fällen nur zu Beginn der Behandlung auf. Durch eine langsame, schrittweise Erhöhung der Dosierung – auch „einschleichende Dosierung“ genannt – und das Aufteilen der Dosis auf mehrere kleinere Tagesportionen wird den unerwünschten Wirkungen vorgebeugt.

Sulfonylharnstoffe:

Eine andere Arzneistoffgruppe zur Therapie von Diabetes mellitus sind die Sulfonylharnstoffe (Gliclazid etc.), welche die körpereigene Insulinausschüttung anregen. Bei dieser Wirkstoffklasse konnte eine Wirkungsminderung nach jahrelanger Therapie beobachtet werden. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehört in jedem Fall die Hypoglykämie. Ebenso wie bei Metformin, sind auch hier wieder Bauchschmerzen, Übelkeit und Verstopfung bzw. Durchfall möglich. Werden die Sulfonylharnstoffe allerdings gleichzeitig mit den Mahlzeiten eingenommen, so bessern sich die gastrointestinalen Beschwerden. Nebenwirkungen wie eine Erhöhung der Leberenzyme, Hepatitis oder Anämien kommen bei Sulfonylharnstoffen sehr selten vor. Eine Gewichtszunahme unter Sulfonylharnstofftherapie ist grundsätzlich möglich, bei Gliclazid hingegen, dem häufigsten Vertreter dieser Klasse, gibt es keinen dokumentierten Fall hierzu.

Pioglitazon:

Pioglitazon ist der letzte noch im Handel erhältliche Vertreter der Glitazone. Der Arzneistoff fördert die Aufnahme von Zucker aus dem Blut in das Gewebe und wirkt so blutzuckersenkend. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Gelenk- und Muskelschmerzen, Verdauungsstörungen, Gewichtszunahme, häufig auftretende Infektionen der oberen Atemwege, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Müdigkeit und Schlaflosigkeit. Einige Fälle von Blasenkrebs stehen auch in Zusammenhang mit der Einnahme von Pioglitazon. Aufgrund dieser zahlreichen Nebenwirkungen ist die Behandlungsdauer in vielen Fällen auf zwei Jahre begrenzt.

Inkretin-Mimetika:

Eine ganz neue Wirkstoffklasse in der Behandlung des Typ-2-Diabetes sind die sogenannten Inkretin-Mimetika (Liraglutid, Dulaglutid …). Diese ahmen die körpereigenen Inkretine nach, welche blutzuckersenkend wirken. Inkretine fördern die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse und erhöhen die Zuckeraufnahme ins Gewebe. Zusätzlich tritt das Sättigungsgefühl bei Mahlzeiten schneller ein, und eine Gewichtsreduktion wird unterstützt. Die Gefahr der Hypoglykämien ist sehr gering, da Inkretin-Mimetika nur wirken, wenn der Blutzuckerspiegel normal oder erhöht ist. Auch hier zählen Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen zu den häufigsten Nebenwirkungen. Eine seltene, aber sehr schwerwiegende Nebenwirkung dieser Substanzklasse ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).

Autorin:
Mag. Karoline Sindelar

Apothekerin in Wien