Hallo Doc! Pen-Nadeln austauschen?

Dr. Susanne Pusarnig, Ärztin für Allgemeinmedizin,Mein Leben
Schwerpunkt Diabetes und DMP, beantwortet Patientenfragen:
Muss ich die Pen-Nadeln nach jeder Injektion auswechseln?

Liebe Frau K!
Tja. Eine gar nicht so einfache Frage. Wenn Sie in die Beschreibung Ihres Pens sehen oder in den Beipackzettel der Pen-Nadeln, dann steht da: „Bei jeder Injektion ist eine frische Nadel zu verwenden.“

Nun, das können und sollten Sie tun – wenn Sie genügend Pen-Nadeln haben. Wenn Sie nur einmal oder zweimal täglich Insulin spritzen, sollte das kein Problem sein. Sie können sich von Ihrem Arzt/von Ihrer Ärztin 100 Nadeln für 3 Monate verordnen lassen oder 200 Nadeln, falls Sie zweimal täglich spritzen.

Wenn Sie Ihren Diabetes aber nach den Prinzipien der „intensivierten Insulintherapie“ behandeln, dann spritzen Sie ja täglich einmal oder zweimal Ihr Basis-Insulin und zusätzlich schnell wirkendes Insulin zumindest vor jedem Essen. Das ergibt täglich 5 bis 8 Spritzen. Sie bräuchten also 500 bis 800 Pen-Nadeln für 3 Monate, aber zumindest in Österreich bekommen Sie diese Mengen nur schwer von der Krankenkasse bewilligt.

Deshalb verwenden die meisten Diabetiker ihre Nadeln mehrmals.
Aber zumindest täglich morgens sollten Sie Ihre Pen-Nadeln wechseln! Sowohl die auf dem Pen mit dem lang wirksamen Insulin als auch die auf dem Pen mit dem schnell wirkenden Insulin.

Wenn eine Nadel länger am Pen drauf ist, kann es sein, dass das Insulin sich an der Innenseite anlegt – die Nadel verstopft. Zuerst wird das Spritzen schwerer, Sie müssten deutlich fester drücken, damit Insulin durch die Nadel rinnt. Da kann es besonders leicht passieren, dass noch etwas Insulin nachtröpfelt, wenn Sie die Nadel aus der Haut ziehen. Und irgendwann geht dann gar kein Insulin mehr durch. Zu mir sind deshalb schon Diabetiker gekommen: „Der Pen ist ein Glumpert, der funktioniert nicht!“ Dabei war bloß die Nadel verstopft. Das wilde Draufdrücken tut dem Pen gar nicht gut! Er muss Ihnen ja Ihr Insulin ganz genau dosiert abgeben und hat eine exakte Mechanik eingebaut. Es tut ihm gut, wenn Sie ein wenig achtgeben!

Schrauben Sie die Nadel möglichst gleich nach dem Spritzen runter – nicht erst vor dem nächsten Mal. So bleibt das Insulin im Pen schön verschlossen und es kann keine Luft dazu.

Wenn Sie mehrmals täglich Insulin spritzen und deshalb Ihren Pen überallhin mitnehmen, kann es sein, dass Ihr Pen recht stark wechselnde Temperaturen aushalten muss. Wenn die Nadel drauf ist: Die Flüssigkeit im Pen dehnt sich bei Wärme ein wenig aus – ein bisschen Flüssigkeit tritt vorne durch die Nadel aus. Wenn es dann wieder kühler wird, zieht sich die Flüssigkeit wieder etwas zusammen – Luft wird angesaugt – Sie haben eine Luftblase im Pen. Das können Sie vermeiden, wenn Sie brav so oft wie möglich gleich nach dem Spritzen die Nadel abnehmen.

Es gibt Diabetiker, die eine Pen-Nadel deutlich länger verwenden – weil das Ab- und Aufschrauben lästig ist. Sie sollten das trotzdem nicht machen.

Falls Sie sich trotzdem mit einer Nadel öfter als einmal stechen: Stecken Sie den kleinen weißen Nadel-Schutz nicht noch einmal drauf! Der ist so eng, dass man damit fast immer die Nadelspitze berührt oder sogar verbiegt. Bei Nadeln mit 6 bis 8 mm Länge kann man die Schutzkappe des Pens auch bei aufgesteckter Nadel schließen. Bei längeren Nadeln geht das aber nicht.

Den wichtigsten Grund, Nadeln oft zu wechseln, habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben:
Die Nadeln sind sehr dünn, sie sind mit einem ganz feinen Schutz-Überzug überzogen. Wenn eine Nadel mehrmals verwendet wird, wird sie schnell stumpf und der dünne Überzug am Schaft der Nadel fasert sich auf … Sie stechen sich dann sozusagen mit einem „Kaktus“ – und tun sich mehr weh als eigentlich nötig.

Also: Die Nadel so oft wie möglich wechseln!

Susanne Pusarnig