Hallo Doc! Welche Impfungen empfehlen Sie für Diabetiker? Fortsetzung unseres Themas aus der Sommerausgabe.

Dr. Susanne Pusarnig, Ärztin für Allgemeinmedizin, Mein Leben Schwerpunkt Diabetes und DMP, beantwortet Patientenfragen:

 

Influenza – die Impfung gegen

die „echte Virusgrippe“

Sie wird Personen mit einer chronischen Erkrankung (Diabetes!) ausdrücklich empfohlen. Jedes Jahr im Spätherbst VOR Beginn der Grippesaison!

Sie wissen sicher: Influenza hat NICHTS, GAR NICHTS mit dem zu tun, was man in Österreich so einfach dahingesagt „Grippe“ nennt: Schnupfen, Halsweh, Fieber, Husten. Das sind „banale“ Virusinfekte – eine „echte“ Grippe ist ganz was anderes: Es beginnt fast immer damit, dass man sich schlagartig schwer krank fühlt. Beispiel: Jemand fährt mit der Straßenbahn von der Arbeit nach Hause, fühlt sich in der Bim schon ein bisschen „komisch“, beim Heimkommen sind schon starke Schmerzen im Rücken und in den Gelenken da, und schon beginnt der Schüttelfrost, und es wirft ihn ins Bett. Dann meist hohes bis sehr hohes Fieber, oft über 40 Grad. Und man fühlt sich richtig, richtig krank. Schnupfen, Halsweh oder Husten kommen, wenn überhaupt, meist erst in den nächsten Tagen dazu, sie sind meist NICHT von Anfang an dabei. Jeder, der es selbst erlebt, weiß sofort: „Das ist was anderes als die üblichen Wintererkältungen!“

Weitere mögliche Beschwerden einer echten Virusgrippe sind starke bis stärkste Kopfschmerzen, Halsschmerzen, schmerzhafter Husten, aber auch manchmal Durchfall, Übelkeit, Erbrechen. An der echten Virusgrippe kann man sterben! Besonders gefährlich für Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Und es sterben auch wirklich viele Menschen daran, pro Jahr sind das in Österreich knapp 1.000 Menschen … Im Letzen Winter auch wieder im unmittelbaren Umfeld der Ordination der Zuckertante, leider … bitte nehmen Sie das ernst! Sie brauchen die Impfung wirklich jedes Jahr, denn das Virus verändert sich von Jahr zu Jahr, und der Impfstoff wird immer wieder neu produziert. Der von heuer wirkt nächstes Jahr nicht mehr! Wenn Sie es einmal verschlampt haben, dann ist es auch noch sinnvoll, zu impfen, wenn die Grippewelle schon da ist – solange Sie noch nicht krank sind. Dass die Grippe in Österreich angekommen ist, das merken Sie schon, denn dann sind alle Nachrichten voll mit den Berichten über die Grippe, und dann fällt es Ihnen sicher ein: „Mist, ich hab meine Impfung vergessen!“ Dann bitte schnell noch nachholen!

Die Zuckertante hatte selbst als junge Studentin einmal das „Vergnügen“ … selten hab ich mich so krank gefühlt, ich konnte tagelang nicht mein Zimmer verlassen und war wirklich froh, es überstanden zu haben. Das möchte ich nicht noch einmal erleben. Seither ist die Impfung natürlich Pflicht, schon deswegen, damit ich nicht unbemerkt die Viren an andere Menschen weitergebe.

Pneumokokken

empfohlen ab dem 50. Lebensjahr. Diabetiker gehören zur Hochrisikogruppe! Es gibt 2 Impfstoffe, einen gegen 13 verschiedene Pneumokokkenstämme und einen gegen 23. Immerhin. Denn man kennt bis jetzt über 90 verschiedene Pneumokokken! Man beginnt mit der Impfung gegen 13 Pneumokokkenstämme (PNC13), der Impfstoff heißt z. B. Prevenar 13. Und dann nach einem Jahr die Impfung mit dem Impfstoff gegen 23 Stämme (PPV23). Der heißt z. B. Pneumovax 23.

Pneumokokken verursachen schwere Entzündungen in den Atemwegen und in der Lunge, also schwere, lebensgefährliche Lungenentzündungen. Im Moment beobachten die Forscher, wie sich die Anzahl der Lungenentzündungen durch Pneumokokken entwickelt, es gibt derzeit keine Empfehlung, die Impfung zu wiederholen. Das kann sich aber in den nächsten Jahren ändern.

Masern, Mumps, Röteln,

Varizellen (Windpocken)

werden oft schon im Kindesalter bzw. in der Schule geimpft – UNBEDINGT wichtig für junge Frauen, die schwanger werden wollen!

Herpes Zoster, die Impfung gegen Gürtelrose

empfohlen für alle Personen ab dem 50. Lebensjahr, die früher einmal „Feuchtblattern“ (Windpocken, Varizellen) hatten. Auch Personen, die bereits einmal einen Herpes Zoster hatten, können geimpft werden – aber erst 6–12 Monate nach der Erkrankung. Das Virus, das Varizellen und Herpes Zoster auslöst, ist dasselbe. Wenn man eine der beiden Erkrankungen hatte, bleibt das Virus lebenslang im Körper. Es kann jederzeit wieder reaktiviert werden, meist bei Personen über 50 Jahren. Dann löst es eine Gürtelrose aus – eines der Probleme ist, dass auch bei guter Behandlung der Gürtelrose häufig starke, unangenehme Schmerzen zurückbleiben, dort, wo die Bläschen waren. Die Impfung kann das Auftreten der Gürtelrose um die Hälfte und das Entstehen von Schmerzen nach der Gürtelrose immerhin um zwei Drittel verringern.

HPV – humane Papillomaviren

Wären alle sexuell aktiven Menschen dagegen geimpft, würde die Häufigkeit von Gebärmutterkarzinomen um 70 % zurückgehen! Allgemein empfohlen für Kinder zwischen 9 und 12 Jahren. Wenn man die Impfung noch nicht bekommen hat, ist sie für jeden und jede empfohlen, der oder die sexuell aktiv ist. Weil auch Männer an dieser Infektion erkranken können, wird die Impfung auch für Buben, für sexuell aktive Männer und für homosexuelle Männer empfohlen!

Herzlichst Ihre Susanne Pusarnig