Hallo Doc! Welche Impfungen empfehlen Sie für Diabetiker?

Dr. Susanne Pusarnig, Ärztin für Allgemeinmedizin, Mein Leben Schwerpunkt Diabetes und DMP, beantwortet Patientenfragen:

Welche Impfungen empfehlen Sie für Diabetiker?

Liebe  Frau S.,

danke für diese Frage! Impfungen sind gerade bei Diabetes ein wichtiges Thema. Noch genauer als ganz gesunde
Menschen sollten Diabetiker darauf achten, dass ihre Impfungen immer aktuell sind. Man sollte einfach keine schweren Erkrankungen riskieren, als Diabetiker schon gar nicht … Dazu kommt noch, dass Diabetiker ein höheres Risiko haben, zum Beispiel an Lungenentzündung oder Grippe zu erkranken. Und jede schwere Erkrankung kann ja den Blutzucker ganz gehörig durcheinanderbringen! Dann liegt man krank und matt im Bett und muss sich zusätzlich noch Sorgen um die Zucker-
werte machen – also was man da vermeiden kann, das sollte man auch vermeiden!

Aber schön der Reihe nach:

Ich gehe davon aus, dass sich Ihre Frage auf die „Routine“-Impfungen im Erwachsenenalter bezieht. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie als Kind alle nötigen Impfungen bekommen haben, sollten Sie mit Ihrem Impfpass – oder was davon übrig ist – zum Arzt gehen und das einmal in Ruhe besprechen. Bitte sagen Sie Ihren
Wunsch aber schon vorab der Sprechstundenhilfe, wenn Sie den Termin vereinbaren. Denn Impfpässe sind oft ein „Rätselbuch“, und Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird ein wenig Zeit brauchen, um verblasste Stempel, unleserliche Etiketten oder nicht mehr aktuelle Namen von Impfpräparaten zu entschlüsseln – so was ist in der normalen Hektik eines ganz normalen Ordinationstages eine echte Belastung und braucht viel zu viel Zeit. Besser,
die Ordinationshilfe gibt Ihnen einen Extratermin, wo dann genau dafür Zeit ist. Oder noch besser – Sie machen das im Rahmen einer Gesundenuntersuchung. Da ist ja auch immer das Besprechen Ihres „Impfstatus“ dabei.

Also, wir nehmen einmal an, da ist alles klar, Sie haben die Kinderimpfungen und fragen sich nun, welche Impfungen Sie im Erwachsenenalter brauchen. Die beste Informationsquelle dafür ist der aktuelle „Österreichische Impfplan“, den Sie hier im Internet finden:

www.bmgf.gv.at/home/Impfplan

Zu den einzelnen Impfungen:

1. Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten 

(Pertussis), Kinderlähmung (Poliomyelitis): 

die „Vierer-Impfung“, in der Apotheke zu kaufen unter den Namen „Boostrix Polio“ oder „Repevax“: alle
10 Jahre, ab dem 60. Geburtstag alle 5 Jahre. Wichtig! Nicht nur wegen des Schutzes gegen Tetanus! Diese Impfungen sollten Sie auf jeden Fall bekommen – und es ist ja nur 1 Spritze. Leider ist der Impfstoff nicht immer verfügbar. Entweder hat Ihr Arzt ihn, oder Sie bestellen einen in der Apotheke, damit Sie eine Spritze bekommen, wenn der Impfstoff wieder einmal lieferbar ist. Die Zuckertante findet es etwas erschreckend, dass es immer
wieder heißt: „Impfstoffe derzeit nicht erhältlich“. Trotzdem: Bleiben Sie dran, es lohnt sich!

Wenn Sie sich verletzen und im Krankenhaus landen, werden Sie auf jeden Fall gefragt, ob Sie eine Tetanusimpfung nachweisen können. Da ist es gut, wenn man den kleinen Impfpass dabeihat. Tetanus ist zwar extrem selten – zum Glück! –, aber er ist nun einmal eine äußerst gefährliche Erkrankung, die man keinesfalls riskieren sollte. Auch die Impfung gegen Polio, die Kinderlähmung, ist sehr sinnvoll: Die letzten Fälle in Österreich gab es 1980! Das ist noch nicht so „ewig lange“ her. Und wie wir aus anderen Ländern wissen, kann Polio zurückkommen – je mehr Menschen dagegen geimpft sind, desto schlechter kann sich das Virus ausbreiten.

2. FSME, die „Zecken“-Impfung, also die Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis: 

nach der Grundimmunisierung mit 3 Spritzen, dann alle 5 Jahre, nach dem 60. Geburtstag alle 3 Jahre. Wichtig ist es, dass man sicher weiß, dass man die ersten Impfungen bekommen hat, zumindest die ersten zwei im Abstand von 1 bis 3 Monaten. Wenn man diese einmal hat: Falls später einmal ein Abstand zu groß geworden ist, reicht es trotzdem, wenn man mit nur einer Impfung auffrischt – man hat dann wieder den Schutz für 5 Jahre (ab dem 60. Lebensjahr für 3 Jahre). Vor dem Beginn der großen Impfaktion war die FSME in Österreich die häufigste Virusinfektionskrankheit mit Hirnhaut- bzw. Gehirnentzündung (Enzephalitis). Damals gab es 400–700 Infektionen pro Jahr, oft mit bleibenden Schäden. Nun sind ca. 85 % der Bevölkerung geimpft, und es gibt jedes Jahr nicht einmal mehr 50 Krankheitsfälle – ein riesiger Erfolg! Die Impfung schützt zu 95–99 % – praktisch alle Erkrankungen treten bei Personen auf, die keinen ausreichenden Impfschutz haben. Die Viren werden nicht nur von Zecken übertragen, sondern auch von anderen kleinen Insekten – und sie sind nicht nur im Wald zu finden, sondern im ganz normalen Gras am Straßenrand oder im Park … die Viren können also jeden erwischen!

3. Hepatitis A und B:

Wenn Sie noch keine Hepatitisimpfung hatten, ist es sinnvoll, den Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und B zu nehmen (z. B. Twinrix). Die 2. und 3. Impfung werden im Abstand von 1 bzw. 6 Monaten nach der ersten gegeben. Für Risikopersonen ist eine Kontrolle im Labor sinnvoll, ob noch ein Impfschutz gegen Hepatitis B besteht, aber erst 5 Jahre nach den Impfungen.

Und wenn Sie eine schöne Reise planen, in Gegenden weit, weit weg – oder auch nur ins südliche Europa (Hepatitis!), dann brauchen Sie vielleicht Reiseimpfungen. Bei Fernreisen können die fast so viel kosten wie ein schöner langer Flug – informieren Sie sich rechtzeitig und kalkulieren Sie diese Kosten ein! Und wenn Sie schon so viel Geld für Reiseimpfungen ausgegeben haben, dann sollten Sie diese doch auch „ausnützen“ – und in den nächsten Jahren gleich wieder weit weg fahren! Man kann ja schon mal mit Katalogen oder vor dem Internet träumen …

Herzlichst Ihre Susanne Pusarnig