Hallo Doc! Wie messe ich meinen Blutzucker richtig?

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Pah. Das ist doch ganz einfach. Oder? Naja. Man kann auch dabei einiges falsch – und sich damit das Diabetikerleben (noch) schwerer – machen:

1. Ganz vorne in die Fingerkuppe stechen

Autsch! Das tut weh. Tut mehr weh, als es eigentlich sollte. Denn dort, an der Fingerspitze, sitzen die meisten feinen Nervenenden. Weil wir mit den Fingerspitzen viel spüren, sehr genau spüren können. Wenn Sie da immer wieder reinstechen, zerstören Sie mit der Zeit das feine Gespür. Etwas später sieht man es auch, an den Fingerkuppen sind viele ganz kleine dunkle Pünktchen, die Haut wird rau. Das muss nicht sein! Also: Immer schön seitlich in den Finger stechen! Oder in den Handballen, das ist der weiche Hügel unterm Daumen. Das ist ungewohnt, funktioniert aber und tut dort nur ganz wenig weh.

2. Den Finger „melken”

Nicht drücken, nicht quetschen! Da kommt Gewebewasser mit und mischt sich mit dem Blut – das kann einen falschen Zuckerwert ergeben. Wenn ein Finger gar kein Blut hergeben will, bleibt nichts anderes übrig, als noch einmal zu stechen – vielleicht würde ja auch eine frische Nadel helfen? 

3. Fast nie die Nadel in der Stechhilfe wechseln

Oder einmal pro Woche oder so … die Nadel zu wechseln ist lästig. Aber das Gefühl, wenn eine ganz neue Nadel durch die Haut flutscht, sodass man es kaum spürt … unvergleichlich! Die Nadeln sind so dünn, so fein, dass sie sehr schnell stumpf werden, dass sich die äußere Schicht auffasert, und dann zerstört man beim Stich mehr Gewebe als nötig. Das sind Einmalprodukte, die sind nur dafür gemacht, dass man sie ein einziges Mal verwendet. Dazu sind sie optimiert: Bei dem einen Stich so wenig Gewebe zu verletzen wie nur möglich. Jeder weitere Stich mit derselben Nadel ist schon gegen ihre Bestimmung! Sicher ist es lästig: Kappe runter, Nadel raus, neue Nadel rein, die alte Nadel in einem Nadelbehälter entsorgen. Man kann es zur Gewohnheit machen, wenigstens gleich morgens, wenn man den Nüchternblutzucker misst. Nach ein paar Tagen geht das wie von selbst. 

4. Immer denselben Finger nehmen

Oder zwei oder drei Finger zu ”Stechfingern” erklären. Der Mensch hat 10 Finger, damit er 20 Plätze zum Zuckermessen hat! An den Fingerkanten vorne, seitlich des Fingernagels und etwas unterhalb davon, außen und innen. Abwechslung muss sein – und es ist SEHR schlau, auch mit der ”anderen” Hand stechen zu lernen. Mit der, mit der man ungeschickt ist … Deshalb: Von Anfang an in alle Finger stechen. Da gibt’s keine Ausnahme! Und so kann sich jeder einzelne Finger besser erholen.

5. Zweimal denselben Blutstropfen messen

Zweimal mit zwei verschiedenen Geräten messen … das bringt nur Verwirrung. Unsere kleinen Messgeräte sind nicht so genau, wie wir das gerne hätten! Der ”richtige” Blutzucker kann ”in Wirklichkeit” um bis zu 1/6 höher oder tiefer liegen als der, den das Gerät anzeigt. Das heißt: Wenn das Messgerät 200 anzeigt, kann der Blutzucker ”in Wirklichkeit” auch 180 sein. Oder 223. Um diese möglichen Abweichungen kommt man ohnehin nicht herum. Wenn man mit 2 verschiedenen Geräten misst, kann es ja sein, dass das eine Gerät ”eher hoch”, das andere ”eher tief” misst. Die Werte vom zweiten schwanken ja genauso wie die vom ersten Messgerät. Also: Das addiert sich. Und dann kann 190 auf einem Messgerät und 230 auf einem anderen bedeuten, dass beide Messgeräte innerhalb der Schwankung liegen und beide ”recht haben”. Besser ist es, immer dasselbe Messgerät zu nehmen und sich nach dessen Werten zu richten. Die kleinen Blutzuckermessgeräte sind kleine Wunder, die das Leben mit Diabetes so sehr erleichtern. Sie möchten aber gut behandelt und vor allem auch verstanden werden. Ihre Messwerte geben Auskunft, wie hoch der Blutzucker jetzt in diesem Augenblick in etwa ist. Und das reicht, damit man sich mit der Behandlung danach richtet!