Hallo Doc! Heute beantwortet die Zuckertante keine Fragen, denn: Es gibt etwas zu feiern! Gratulation, lieber Libre!

Ein Jahr bist Du „alt“ geworden … in Österreich. Naja, inkognito warst Du ja schon einige Zeit früher bei uns unterwegs, aber so richtig bekannt wurdest Du vor einem Jahr, damals, als die Krankenkassen sich geeinigt haben, Dich manchen Diabetikern als guten Begleiter zu erlauben – und zwar den Diabetikern, die vor jedem Essen ihren Zucker messen, die sich dann ausrechnen, wie viele Broteinheiten sie essen werden und wie viel Insulin sie für genau dieses Essen und für genau diesen Zuckerspiegel brauchen. Die spritzen ihr Insulin zu jedem Essen entweder mit Pens, oder sie haben eine Insulinpumpe. 

Natürlich ist das nicht lustig, sich mehrmals am Tag in den Finger stechen zu müssen, um den Blutzucker zu messen. Und dazwischen einfach nicht zu wissen, was der liebe Blutzucker grad so treibt – läuft er brav dahin oder fährt er Achterbahn … viele Diabetiker waren schon immer neugierig, wollten ihrem Zucker auf die Schliche kommen und ihn heimlich beobachten … Da bist Du grad recht gekommen, lieber Libre!

Du wohnst jetzt bei vielen Diabetikern, was sag ich, Du klebst geradezu an ihnen! Am Arm, so außen oben … 
Manche haben Dich so gerne, dass sie Dich mit Stickern verzieren, mit Blümchen drauf, mit lustigen Clownsgesichtern – auch Piratenflaggen und Totenköpfe wurden schon gesichtet … ob Dir das alles gefällt? Für manches bist Du doch noch zu jung! Aber Du siehst daran, wie sehr sie Dich mögen, das ist doch auch schön, nicht wahr? 

Mehrmals am Tag kümmern sich Deine Diabetiker um Dich, manche ganz oft, manche eher selten … Du magst das, wenn Du das leise „Piep“ vom Lesegerät hörst. Da weißt Du, Du arbeitest nicht umsonst, jetzt zeigt das Lesegerät dem Diabetiker, wie hoch der Zuckergehalt in seiner Gewebsflüssigkeit grad ist. 

Du bist sicher immer neugierig, was Dein Diabetiker jetzt macht: Lacht er zufrieden leise vor sich hin oder wird er nervös und beginnt nach seinem Insulinpen zu kramen, wenn Du einen hohen Wert geliefert hast, oder läuft er zur Süßigkeitenlade, um einen tiefen Wert zu „bekämpfen“? Spannend. 

Manchmal wirst Du auch so richtig beschimpft: „Blöder Zucker! Blöder Libre! Was SOLL das schon wieder?!?“ – Ach, wie oft möchtest Du Deinem Herrchen dann sagen: „ICH kann nichts dafür … wie wär’s denn, wenn Du Dir jetzt aufschreibst, was Du in den letzten Stunden gegessen, gemacht hast … und wenn Du das an Deinen Doktor schickst oder zur nächsten Besprechung mitnimmst?“ – Aber leider … Herrchen und Frauchen hören manchmal so gar nicht auf Dich … das macht Dich ganz traurig. 

Lustig kann’s aber auch sein. Etwa dann, wenn Du mit einem Kind am Spielplatz rumtollen darfst, und wenn die Mama oder der Papa Dich zärtlich streicheln, weil sie Dir so dankbar sind, dass sie nur kurz zur Sandkiste zu kommen und Dich zu „scannen“ brauchen, um zu wissen, wie es ihrem Kleinen mit dem Blutzucker geht … Und wenn die sich nachts an Euer Bett schleichen und heimlich scannen, so dass Dein Kind gar nicht aufwacht – das macht Dich richtig stolz!

Und nun darfst Du manchmal sogar jungen Frauen helfen, die ein Baby erwarten! Das ist immer aufregend, und Du wirst selbst ganz nervös, wenn der junge Papa während der Geburt dauernd von Dir die Werte wissen will!

Einmal, da bist Du ganz still geworden: Da hat ein über 80-jähriger Diabetiker erzählt, was es für ihn bedeutet, dass Du jetzt bei ihm wohnst. Von der Zeit ganz ohne Messgeräte hat er erzählt, und wie kompliziert auch lange danach noch alles war … 

Du magst es, wenn Du Dich an Deinen Besitzer gewöhnen kannst. Du bist aber auch dazu bereit, nur kurz einem neugierigen Diabetiker zu helfen. Da gibt’s nämlich Leute, die brauchen noch kein Insulin zu spritzen, oder sie spritzen nicht für jedes Essen extra … Die müssen richtig Geld auf den Tisch legen, um Deine Dienste nutzen zu können. Die müssen Dich bezahlen, und manchmal leisten die sich das, oft nur einmal, für die 14 Tage, denn so lange kannst Du ja arbeiten und brav Werte anzeigen. 14 Tage lang den Zucker beobachten … das kann was, da lernen auch Typ-2-Diabetiker, wie sich ihr Blutzucker verhält, nach dem Essen, bei Aufregungen, beim Sport. Die sind Dir auch nach so kurzer Bekanntschaft dankbar, und sind froh, dass sie sich das leisten konnten. Bei der Zuckertante ist’s sogar so, dass die dann nur den Sensor bezahlen müssen, weil sie ihnen das Lesegerät borgt, das brauchen sie ja nachher nicht mehr. 

Was Du gar nicht magst: immer nur mit Deinem Herrchen oder Frauchen reden. Du fühlst Dich viel wohler, wenn Deine Ergebnisse zusammen mit einem Diabetes-Doktor besprochen werden. Weil die viele von Deinen Geschwistern kennen und weil die schon so viele Kurven gesehen haben von den Zuckerwerten – die kennen sich super aus damit und sehen Trends und Fehler in den Einstellungen, die Deine Diabetiker sonst oft ratlos zurücklassen. Du LIEBST solche Termine beim Arzt! 

Aber bei allem Lob muss auch gesagt werden: Manchmal bist Du trotzig oder spinnst rum. Eben wie ein Einjähriger! Da scannt Dich Dein Diabetiker, und dann hörst Du: „HÄH? Das kann aber jetzt nicht stimmen!“ und einen genervten Seufzer, und gleich darauf gibt’s einen Pieks in den Finger: „Na eben … SO ist der Zuckerwert!“ 

Manchmal kannst Du gar nichts dafür, wenn das Zucker-Meßgerät beim „blutigen“ Messen andere Werte zeigt, als Du sie hast: Da denkt Dein Diabetiker zum Beispiel nicht daran, dass Du halt einige Zeit brauchst, um Dich an ihn zu gewöhnen … Bei komplizierteren Typen kann das schon einmal einen Tag lang dauern oder sogar ein bisschen länger – in dieser ersten Zeit ist’s schon gut, wenn Dein Diabetiker sich zusätzlich noch in den Finger sticht.

Manchmal hast Du auch das Gefühl: „Die verstehen mich einfach nicht!“ Wenn sich der Zuckerspiegel im Blut grad schnell ändert, rauf oder runter … ja wie sollst Du denn da nachkommen? Es dauert ein Weilchen, bis der Zucker auch in Deiner Nähe, im Gewebe, angekommen ist! Wie lange das dauert? Leider kannst Du das nicht genau sagen, das hängt von vielen Faktoren ab, so 10 – 15 Minuten sind’s aber meistens. 

Was Dich richtig ärgert, ist, dass manche Diabetiker ihrem Zuckermessgerät mehr trauen als Dir! Was soll das denn bitteschön? Nobody is perfect! Die kleinen Mess-Dingerchens zum blutigen Messen können sich irren – und Du auch. Jeder so um 10–15 %! Zusammen sind das 30 % Abweichung – also sind z. B. die Werte 100 und 125 oder auch 200 und 240 nicht wirklich „verschieden“! Ach, wenn das doch alle Diabetiker wüßten!
Und manche machen Dir das Leben einfach schwer. Etwa, weil sie so wenig trinken, dass Dein Messfaden gar nicht genug Flüssigkeit um sich rum hat – da wird’s schwierig, richtige Werte abzuliefern! 

Aber ehrlicherweise musst Du schon auch zugeben, dass – selten aber doch – manche Deiner Geschwister einfach spinnen. Und tatsächlich unerklärliche Werte liefern. Wenn das passiert, dann können Herrchen oder Frauchen ja bei Deinen Eltern anrufen, in der Firma, die Dich erzeugt hat. Da sitzen Mitarbeiter, die sich damit super gut auskennen und die weiterhelfen … manchmal wird dann einer von Euch still und heimlich gegen einen neuen ausgetauscht und gut isses … 

Du bemühst Dich ja … aber Du brauchst schon auch die Aufmerksamkeit und das Mitdenken von Deinem Diabetiker. Das beginnt schon, wenn Ihr Euch trefft: Du fühlst Dich viel wohler auf seiner Haut, wenn er brav die Alkohol-Tüchlein zum Desinfizieren verwendet, dann einige Minuten gewartet und Dich richtig gut hingesetzt hat. Dann bleibst Du meist auch gerne die 14 Tage auf ihm kleben … 

Du gehst mit unter die Dusche, kurzes Schwimmen macht Dir nichts. Aber in der Sauna oder im Bad und auch bei schweißtreibenden Arbeiten oder beim Sport magst Du gerne ein bißchen mehr Sicherheit um Dich rum … so ein lustiges buntes Tape, wie man’s immer bei den Sportlern im Fernsehen sieht, das gefällt Dir. Oder eine Schiedsrichter-Binde bei Buben, oder ein umgenähtes elastisches Haarband bei Mädchen oder eine elastische Stulpe … Deine Freunde und Freundinnen haben sich da schon so allerhand einfallen lassen. Manches ist ja echt witzig …

Sagst Du uns noch einen Geheimtipp? Für Leute, die irgendwie Probleme haben mit Dir? „Aber gerne! Bevor Ihr Euch fürchterlich aufregt über mich – weil die Werte anscheinend nicht passen oder weil Ihr meint, dass ich mich zu schnell von Euch löse: Da gibt’s eine super Facebook-Gruppe, die ‚Libre-Anwender Deutschland‘, die sammeln in einer großen Datei alle Tipps und Tricks!“ 
Wow, Du bist ja ganz modern! Und wenn jemand nicht auf Facebook ist? „Dann fragt Euren Diabetes-Doktor – oder bittet jemanden, Euch diese Tipps auszudrucken!“
Oh, danke lieber Libre! Ich wünsch Dir viele weitere Jahre, dass Du vielleicht noch erwachsener wirst und ganz viel Stabilität! 

Deine Zuckertante