Hypo bei der Schularbeit!

Rechtsanwalt Mag. Karlheinz Amann beantwortet in MEIN LEBEN Leserfragen:

Frage: Unsere Tochter hatte während ihrer letzten Mathematikschularbeit einen Unterzucker von 58. Ihrem Lehrer ist offenbar aufgefallen, dass etwas nicht in Ordnung ist, denn er ist während der Schularbeit zu ihr gekommen und hat ihr geraten, den Blutzucker zu messen. Was sie dann auch tat und eine schnelle BE zu sich nahm. Leider wirkte diese nicht so schnell und sie konnte sich nicht mehr konzentrieren.
Sie ist nun sehr verzweifelt, weil sie einfach nicht rechnen „konnte“. Sie hat dies auch ihrem Lehrer mitgeteilt. Die Schularbeit hat sie weder fertig gerechnet, noch sind auch die vorhergehenden Nummern alle richtig, wobei sie sehr gut vorbereitet war und das auch Dinge sind, die sie „normalerweise“ sehr gut kann. Wir sind uns nun nicht sicher, was der Lehrer machen wird. Darf die Schularbeit benotet werden?

Zunächst ist festzuhalten, dass es im vorliegenden Fall einen Paragraphen, der die Nichtbewertung“ einer Schularbeit explizit regelt, nicht gibt.

Allerdings hat gem. § 18 (1) Schulunterrichtsgesetz die Beurteilung der Leistungen der Schüler in den einzelnen Unterrichtsgegenständen durch Feststellung der Mitarbeit im Unterricht sowie durch besondere, in die Unterrichtsarbeit eingeordneten mündlichen, schriftlichen und praktischen oder nach anderen Arbeitsformen ausgerichteten Leistungsfeststellungen zu erfolgen. D.h. die Benotung richtet sich nicht ausschließlich nach den Noten der Schularbeiten.

§ 20 (2) Schulunterrichtsgesetz wiederum sieht vor, dass wenn bei längerem Fernbleiben des Schülers vom Unterricht und in ähnlichen Ausnahmefällen auf Grund der nach § 18 (1) Schulunterrichtsgesetz gewonnenen Beurteilung eine sichere Beurteilung für die ganze Schulstufe sich nicht treffen lässt, eine Prüfung durchzuführen ist, von der der Schüler zwei Wochen vorher zu verständigen ist (sog. Feststellungsprüfung).

Gem. § 7 (9) Leistungsbeurteilungsverordnung hat ein Schüler, der in einem Unterrichtsgegenstand mehr als die Hälfte der Schularbeiten im Semester versäumt hat, eine Schularbeit nachzuholen. In der Oberstufe der allgemeinbildenden höheren Schule, der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik und der Bildungsanstalt für Sozialpädagogik sind jedoch, sofern im Semester mehr Schularbeiten als eine vorgesehen sind, so viele versäumte Schularbeiten nachzuholen, dass pro Semester zumindest zwei Schularbeiten erbracht werden.

Wenn ihre Tochter, wie Sie sagen, „normalerweise“ in Mathematik sehr gut ist, sie daher eine gute Mitarbeit hat und auch die Schularbeiten, wenn sie keine Unterzuckerung hat, gut sind, wäre die Schularbeit einfach unbewertet zu lassen. Die Beurteilung der Leistung hat in diesem Fall gem. § 18 (1) Schulunterrichtsgesetz anhand der Mitarbeit im Unterricht sowie der restlichen Schularbeiten zu erfolgen.

Wenn durch die Nichtbewertung dieser Schularbeit die erforderliche Anzahl von Schularbeiten gem. § 7 (9) Leistungsbeurteilungsverordnung nicht erricht wird, d.h. Ihre Tochter entsprechend der Schule und Schulstufe bei Außerachtlassung der Schularbeit nicht mehr ausreichend Schularbeiten im Semester geschrieben hat, wäre die Schularbeit nachzuholen.

Sollte die Schularbeit nicht nach § 7 (9) Leistungsbeurteilungsverordnung zu wiederholen sein, dem Lehrer hingegen eine sichere Beurteilung ohne dieser Schularbeit nicht möglich sein, hätte er eine Feststellungsprüfung nach § 20 (2) SchUG durchzuführen. 

Zum Autor: Mag. Karlheinz Amann war von 1998 bis 2006 zunächst als juristischer Mitarbeiter und ab 2001 als Rechtsanwaltsanwärter in der Kanzlei Deinhofer-Petri-Wallner beschäftigt. Einen Teil seiner Gerichtspraxis hat er beim Arbeits- und Sozialgericht Wien verbracht. Seit dem Jahr 2006 ist er als selbständiger Rechtsanwalt in Wien unter anderem mit den Schwerpunkten Patientenrecht, Sozial- und Sozialversicherungsrecht tätig.