Die optimale Fußpflege bei Diabetes

Die Fußpflegerin hat bei meiner Mutter (78 Jahre, seit 22 Jahren Diabetes Typ 2) sehr trockene Hautstellen an den Füßen festgestellt. Sie empfahl uns, keine normale Feuchtigkeitscreme mehr dafür zu verwenden. Was hilft hier?

 

Die Füße von Diabetikern sind um ein Vielfaches anfälliger für Verletzungen, die sich in weiterer Folge zu Geschwüren entwickeln, als Nicht-Diabetiker. Durch die diabetische Polyneuropathie (Störung durch Schädigung der Nerven) und die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, Durchblutungsstörung in den Extremitäten) steigt das Risiko ein Diabetisches Fußsyndrom (DFS) zu entwickeln. Je länger man mit der Diagnose Diabetes lebt, umso wahrscheinlicher ist es zumindest einmal an einem DFS zu erkranken.

 

Bei der Entstehung des DFS spielen mehrere Faktoren zusammen, einerseits ist das Gefühls- und Schmerzempfinden in den Beinen und Füßen durch die eingeschränkte Nervenfunktion herabgesetzt, andererseits funktionieren Wundheilung und Immunabwehr langsamer und unvollständig aufgrund der verminderten Durchblutung. Weiters ist die Schweißproduktion bei Diabetikern beeinträchtigt, was zu trockenen, rissigen Beinen und Füßen führt. Hierdurch wird die Entstehung kleiner Verletzungen und Wunden begünstigt. Aus eigentlich banalen Verletzungen können so, durch einwandernde Keime, schwerwiegende Geschwüre entstehen, die im schlimmsten Fall zur Amputation einzelner Zehen, des Fußes oder sogar des gesamten Beins führen. Um dem DFS vorzubeugen ist akribische Fußpflege unerlässlich!

 

Die richtige Fußpflege beginnt bereits bei der Auswahl der passenden Schuhe und Socken. Diese dürfen weder drücken oder zu eng sein noch die Haut an den Füßen durch raue Nähte reizen. Hier gibt es spezielle Produkte für Diabetiker! Auch die regelmäßige Kontrolle auf z.B. Steinchen, die durch die verminderte Druckempfindlichkeit nicht gespürt werden, ist wichtig um Druckstellen vorzubeugen.

 

Ein wesentlicher Teil der Fußpflege ist die korrekte Einstellung des Blutzuckerspiegels, denn damit lassen sich Folgeerscheinungen wie die eingangs erwähnte Polyneuropathie und die periphere arterielle Verschlusskrankheit in Schach halten.

 

Regelmäßige Fußmassagen mit den Händen oder einem Fußmassageroller helfen die Durchblutung zu fördern und Muskelschwäche vorzubeugen.

 

Die Füße sollten nur mit milden, rückfettenden Waschlotionen oder –ölen gewaschen werden – keinesfalls mit zu heißem Wasser und nicht länger als 5 Minuten. Dies führt, abgesehen von Verbrühungsgefahr (Wärme wird schlechter wahrgenommen!), zu einer stärkeren Austrocknung der Haut durch die Schädigung des Säureschutzmantels und der Aufweichung der Hornhaut. Bakterien und andere Keime können hier leichter eindringen! Die Füße sollten trocken getupft und nicht gerubbelt werden und vor allem die Zehenzwischenräume müssen vorsichtig zur Gänze getrocknet werden. Gerade hier ist Gefahr für die Entstehung von Pilzinfektionen am Größten.

 

Hornhaut darf nicht mit Metallhobeln, -feilen oder –raspeln entfernt werden, auch hier ist die Verletzungsgefahr zu groß. Am besten eignen sich Bimssteine oder Peelinghandschuhe. Die Zehennägel nach Möglichkeit eher feilen als schneiden, wobei die Form der Nägel eckig sein sollte, da runde Zehennägel leichter einwachsen.

 

Zur täglichen Fußpflege gehört auch die richtige Pflege (Creme, Balsam, Salbe, Schaum, etc.), welche auf jeden Fall rückfettende und feuchtigkeitsspeichernde Wirkstoffe enthalten sollte: Harnstoff bildet ein Feuchtigkeitsdepot in der Haut, Dexpanthenol beruhigt und wirkt reizlindernd, Glycerin zieht Feuchtigkeit an und verankert sie in der Haut, pflanzliche Öle (z. B. Jojoba- oder Avocadoöl) wirken rückfettend. Hier gibt es eine große Auswahl speziell für Diabetiker. In der Apotheke ihres Vertrauens werden sie hierzu fachkundig beraten.

 

Abschließend sollte es zur täglichen Angewohnheit werden Füße und Beine im Zuge der Reinigung und Pflege auf Schwielen, Druckstellen, trockene Stellen und generelle Veränderungen zu kontrollieren. Bei Unsicherheiten oder Fragen helfen Podologen, Diabetes Ambulanzen und natürlich Arzt und Apotheker zuverlässig weiter!