Erfahrungsbericht

Handball

 

Mein Name ist Anatol, ich bin 18 Jahre alt und bin seit April 2014 Diabetiker. Natürlich war es für mich anfangs ein großer Schock, zu erfahren, dass ich von nun an vor jeder Mahlzeit Insulin spritzen muss und das für den Rest meines Lebens, doch meiner Ansicht nach ist Diabetes Typ 1 eine Erkrankung, mit der man mittlerweile sehr gut leben kann.

Um Ihnen meine Erfahrungen schildern zu können, müssen Sie wissen, dass ich seit ich 10 Jahre alt bin, Handball spiele. Eine meiner größten Sorgen war natürlich, wie sich Diabetes auf den Sport auswirkt. Was ich feststellen durfte ist, dass sich Sport in jeder Hinsicht positiv auf Diabetes auswirkt. Vor allem Ausdauersport hilft dem Körper, den Blutzuckerspiegel besser zu kontrollieren.

Ein gravierendes Beispiel hierfür war für mich eine Handballreise nach Schweden, die, wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, zum größten Teil den Sport im Fokus hatte. In der gesamten Woche musste ich, außer dem täglich um 22 Uhr fälligen Basisinsulin, kein einziges Mal spritzen, da sich mein Blutzuckerspiegel für die gesamte Woche im Zielbereich befand. Fairerweise muss man dazusagen, dass ich mich zu dieser Zeit noch in meiner ”Honeymoon-Phase” befand, also der Zeit unmittelbar nach der Diagnose, in der der Körper selbst noch etwas Insulin produziert. Dennoch lässt sich als Fazit feststellen, dass Sport einen enormen Teil dazu beiträgt, die Werte im gewünschten Bereich zu halten.

Da Sport, ähnlich wie Insulin, den Blutzucker senkt, ist es natürlich wichtig, mit dem richtigen Blutzuckerwert in die Aktivität zu starten. Ich versuche diesbezüglich vor einem Training beziehungsweise einem Match meinen Wert zwischen 200 und 250 zu bringen, was theoretisch ein hoher Wert ist, in Betracht auf den Sport allerdings vom Körper durchaus toleriert wird und sogar nötig ist, um die erwünschte Leistung zu erzielen. Eine Banane vor dem Sport und eventuell Traubenzucker währenddessen legen einen guten Grundstein.

sensorEin weiteres nennenswertes Ereignis in Bezug auf meine Erfahrungen mit Diabetes ist mein Umstieg auf eine kontinuierliche Messung meines Blutzuckers seit April 2017. Statt sich in den Finger zu stechen, um den Blutzuckerspiegel zu messen, haftet ein etwa 3,5 cm großer Sensor auf der Rückseite des Oberarms, welcher im Minutentakt die Werte aktualisiert. Mit Hilfe eines Messgerätes, das nur an den Sensor gehalten werden muss, erfährt man neben dem aktuellen Blutzuckerwert, ob der Wert steigt oder fällt, sowie den Verlauf der letzten Stunden. Mittlerweile kann man Sensoren bereits mit NFC-fähigen Mobiltelefonen auslesen, was einen zusätzlichen Vorteil bringt, denn wer von uns ist schon ohne Handy unterwegs? Der Sensor wird alle 2 Wochen gewechselt und im besten Fall abwechselnd am linken und rechten Arm angebracht. Allerdings spart man sich das Stechen in den Finger nicht gänzlich, da ich die Sensormessung sporadisch mit einer „klassischen” Blutzuckermessung gegenchecke.

In den meisten Fällen haftet der Sensor sehr gut für die Lebensdauer von 2 Wochen, allerdings habe ich auch schon die Erfahrung machen müssen, dass er sich zu früh gelöst hat – entweder, weil beim Beachvolleyballspielen Sand zwischen Arm und Sensor gelangt ist, oder weil der Sensor aus Versehen von einem Gegenspieler während eines Handballmatches heruntergerissen wurde. Um solche Vorfälle zu vermeiden, trage ich mittlerweile in gefährdeten Situationen einen Strumpf um den Arm, sodass der Sensor davor geschützt wird, sich zu lösen.

Natürlich gehe ich, wie die meisten Teenager in meinem Alter, hin und wieder gerne etwas trinken. Was den Konsum von Alkohol angeht, muss man als Diabetikerin oder Diabetiker allerdings umso besser aufpassen. Verschiedene Getränke wirken sich verschieden auf den Blutzuckerspiegel aus. Alkohol an sich senkt den Blutzuckerspiegel, nur ist dieser ja meist in Form von Mischgetränken zu konsumieren. Die Erfahrung, die ich in Bezug auf das Trinken von Alkohol gemacht habe, ist, dass während des Abends der Blutzucker teilweise sehr stark steigt, beeinflusst durch Orangensaft oder ähnliche Mischgetränke. Während der Nacht allerdings wirkt sich der Alkohol dann immer mehr auf den Blutzuckerspiegel aus, sodass ich öfters mit einer Hypoglykämie aufwache. Dementsprechend rate ich von Getränken wie „Wodka Red Bull” oder „Rum-Cola” ab und empfehle regelmäßiges Blutzuckermessen während des Abends.

Zusammenfassend lässt sich für mich sagen, dass Diabetes eine Erkrankung ist, die mich nur gering einschränkt. Natürlich muss man seinen Lebensstil anpassen, aber im Endeffekt lebt man dadurch um einiges gesünder. Mein Appell an alle Diabetikerinnen und Diabetiker in meinem Alter: viel Sport machen und brav Blutzucker messen.