Diabetes & Rauchen - Österreich im Spitzenfeld

Foto Kitzler PeterIn der DELPHI-Studie 2013 ( A. Uhl et al.) erklären etwa 70% der ÖsterreicherInnen gelegentlich zu rauchen. 70-80% der Raucher und Raucherinnen entwickeln eine Nikotinabhängigkeit, d.h. dass es etwa 33% aktivrauchende ÖsterreicherInnen gibt. Besonders hoch ist in der Anteil der  Raucher bei den Jugendlichen, und somit liegt Österreich innerhalb der  OECD-Länder im absoluten Spitzenfeld.

Mindestens 50% der Raucher und Raucherinnen erleiden eine tabakassoziierte Organerkrankung mit vorzeitigem Tod. 50 % der älteren Raucher und Raucherinnen entwickeln eine chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und 15% erkranken am Bronchuskarzinom, das zu 90% auf den Konsum von Zigaretten zurückzuführen ist. Jährlich sterben 12000 bis 14000 ÖsterreicherInnen an den Folgen des Tabakkonsums. Herzinfarkt, Bauchaortenaneurysma, Raucherbein werden mit dem Zigarettenrauchen in Verbindung gebracht. Es sind die vielfältigen schädlichen Inhaltsstoffe im Tabakrauch, die diese Vielzahl an Erkrankungen auslösen.  Natürlich spielt  auch die Menge und die Zeit der konsumierten Zigaretten eine Rolle.

Nikotinabhängigkeit

Nikotin macht abhängig und erschwert das Loskommen von der Nikotinsucht. Nikotin ist ein Alkaloid und hat zwei Gesichter. Je nach Stimmungslage und Dosis wirkt Nikotin aktivierend und stimulierend oder beruhigend und entspannend. Die Nikotinaufnahme erfolgt über die Schleimhäute von Mund und Lunge und gelangt in 7-10 Sekunden ins Gehirn. Egal ob man Tabak kaut, als Zigarette, Wasserpfeife oder mittels e-Zigarette zuführt. Die gefährlichste Mischung ist der Rauch der konventionellen Zigarette, da hier auch noch die Feinstaubbelastung besonders hoch ist, mit all den kanzerogenen Stoffen, aber auch bei den e-Zigaretten ist diese Belastung nicht unerheblich. Es ist daher ein Märchen oder guter Werbetrick, dass die e-Zigaretten oder das Shisharauchen weniger gesundheitsschädlich sei, lediglich das Tabakkauen führt zu keiner Schädigung der Umwelt, d.h. durch Passivrauchen.

Nutzen Kostenrisiko

Interessanterweise zeigt auch die volkswirtschaftliche Bilanz des Tabakrauchens in Österreich, dass die gesellschaftlichen Kosten, die sogenannten Einnahmen durch die Tabaksteuer, um ca. 530 Millionen € übersteigen, also ein Defizit sind.

Diabetes Typ2 und Rauchen sind zwei nicht zu unterschätzende Epidemien. Übergewicht und Bewegungsmangel und die Folgen der Insulinresistenz führen zum DM2. Derzeit sprechen wir von mehr als 600 000 diagnostizierten TYP 2 Diabetikern in Österreich, einer Lebensstilerkrankung. Seit 1997 weiß man aber auch, dass Rauchen zu einer Insulinresistenz führt und daher ein 3,27 fach höheres Risiko für die Entstehung eines DM2 besteht. Rauchen ist daher ein nicht zu unterschätzender Auslöser für DM2. Das Verhältnis Bauch zu Hüftumfang ist am höchsten bei den Rauchern und direkt assoziiert mit der Anzahl der im Leben gerauchten Zigaretten.  Professor Danne, ein weltbekannter Diabetesexperte hat das treffend ausgedrückt: „Rauchen ist das moderne Sitzen“

Schon diagnostizierte Diabetiker (TYP1 und TYP2) haben auf Grund erhöhter Blutzuckerspiegel ein an sich schon erhöhtes Risiko für KHK, PAVK, zerebrale Durchblutungsstörung und Nephropathie. Sowohl Aktivrauchen wie auch Passivrauchen erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Endorganschadens drastisch, auch am Gehirn. Letzteres konnte in den letzten Jahren in groß angelegten Studien bei Typ 2 Diabetikern, die mehr als 16 Zigaretten pro Tag rauchen gezeigt werden. Die kognitiven Fähigkeiten des Gehirns bei Rauchern sind drastisch schlechter als bei Nichtrauchern.

Diabetes und Rauchen ist demnach eine unheilige Allianz und sollte zum Rauchstopp führen. Dazu gibt es Raucherambulanzen und Entwöhnungsprogramme, die den Diabetiker mit einem Speziallistenteam helfen können. Entsprechende unterstützende Maßnahmen in medikamentöser Hinsicht sind hilfreich. Die Entscheidung mit dem Rauchen aufzuhören und dann durchzuhalten bedarf eines starken Willens. Ein generelles Rauchverbot an Schulen öffentlichen Institutionen und eine Verteuerung der Zigaretten würde helfen, wie schon in vielen Ländern seit Jahren praktiziert.

Die Gefährlichkeit des Passivrauchens ist enorm. Die WHO schätzt, dass ca. 600 000 Todesfälle pro Jahr auf das Konto vom Passivrauchen kommen. Das deutsche Krebsforschungsinstitut formuliert es derart: „ Tabakrauchen in Innenräumen ist keine Belästigung, sondern eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolge!“

Wenn ich diesen Satz wörtlich nehme und die verunglückten Maßnahmen der österreichischen Politik zum Schutz der Nichtraucher miteinbeziehe, müsste ich folgern, dass man eine Gesundheitsgefährdung mit Todesfolgen bewusst in Kauf nimmt.

Zum Schluss möchte ich an alle rauchenden Diabetiker (TYP1 und TYP2) appellieren  im Sinne von Lebenserwartung und Lebensqualität den inneren Schweinhund zu überwinden und gegen die Nikotinsucht anzukämpfen.

„Werden Sie in allen Belangen rauchfrei – aktiv und passiv!“

Dr. Peter Kitzler
Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
Sportarzt
Ärztlicher Beirat Bodymed Österreich
Literatur beim Verfasser