Nierenerkrankungen – viel zu spät erkannt!

Tausende sind betroffen, ohne es zu wissen!
400.000 Österreicher sind von einer Nierenerkrankung betroffen. Die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie (ÖGN) rechnet überdies mit zwei Millionen Risikopatienten. Vor allem Menschen mit Diabetes, Hypertonie oder Adipositas sind gefährdet. Chronische Krankheiten mit entsprechender Medikation belasten die Nieren zusätzlich. Für den Herzinfarkt gelten chronische Nierenerkrankungen als einer der höchsten Risikofaktoren.

Da Diabetes und Nierenerkrankungen eng zusammenhängen und u.a. hohe Blutzuckerwerte langfristig zu Nierenversagen führen, sollen besonders ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes mehr auf ihre Nieren achten. Weil jedoch Nierenerkrankungen oft über Jahre symptomlos verlaufen, werden sie häufig erst dann erkannt, wenn die Schädigung bereits fortgeschritten ist.

Die Niere als Hochleistungsorgan und Schwerstarbeiter filtert das Blut, sorgt für die Ausscheidung von Giftstoffen, sorgt für den Wasserhaushalt (stellt den Blutdruck ein) und den Elektrolythaushalt, produziert Hormone (z.B. zur Bildung roter Blutkörperchen) und regelt den Vitamin D-Stoffwechsel.

Nierenärzte fordern Programm zur Früherkennung

Da eine frühzeitige Diagnose von Nierenschädigungen und -erkrankungen nur möglich ist, wenn Risikopatienten regelmäßig untersucht werden, fordert die ÖGN ein frühzeitiges Screening bei Patienten mit Diabetes, Hypertonie, Adipositas und bei Nierenerkrankungen in der Familie. Außerdem sollten die Nierenparameter GFR (glomeruläre Filtrationsrate = Filterleistung der Niere) und Albumin/Proteinurie (Eiweißausscheidungen im Harn) auch in die Gesundenuntersuchungen aufgenommen werden.

Derzeit werden Patienten häufig erst mit stark reduzierter Nierenfunktion „entdeckt“ und es kann zu diesem Zeitpunkt oft nur mehr eine sofortige Nieren-Ersatz-Therapie (NET) eingeleitet werden, das bedeutet Dialyse oder Nierentransplantation. Optimal wäre in dieser Situation, wenn der Patient für eine Nierentransplantation geeignet ist und sogar ein freiwilliger Lebendspender zur Verfügung steht. Dies ist leider meist nicht der Fall, die Patienten müssen dann über Wochen oder noch länger dialysiert werden.

NEU: Versorgungskonzept „Niere 60/20“

Dieses Projekt wurde von der ÖGN initiiert und setzt vor allem auf Prävention. Für Diabetiker ist es darüber hinaus eine sinnvolle Ergänzung zum DMP „Therapie Aktiv“, dem seit sieben Jahren und nun endlich in allen Bundesländern angebotenen Diabetes-Betreuungsprogramm. Während bei „Therapie Aktiv“ heuer der 50.000ste Patient eingeschrieben wurde und sich in der wissenschaftlichen Evaluierung bereits deutliche Verbesserungen für die Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zeigen, wird das Versorgungskonzept „Niere 60/20“ derzeit nur in der Steiermark angeboten. Nach erfolgter Evaluierung soll das Nierenversorgungskonzept dann ebenfalls flächendeckend in ganz Österreich etabliert werden.

Mit „Niere 60/20“ sollen Nierenschäden, sowie Herz-Kreislauferkrankungen früh erkannt werden: Allgemeinmediziner sollen ihre Patienten bei Nierenproblemen zum Nieren-Facharzt überweisen. Ist die Nierenleistung auf 60 GFR gesunken, sind durch den Nephrologen Maßnahmen zu ergreifen, um die weitere Verschlechterung hintanzuhalten. Bei einer Nierenleistungsreduktion auf 20 GFR sind die Patienten über die Möglichkeiten der Nieren-Ersatz-Therapie vom Nephrologen ausführlich zu informieren.

Das Versorgungskonzept „Niere 60/20“ soll die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Mit „Niere 60/20“ werden nicht nur Menschen identifiziert, die ein hohes Risiko einer Nierenerkrankung haben, sondern auch jene mit Risiko für Schlaganfall und/oder Herzinfarkt.