Superfoods aus der Region

Heimische Nahrungsmittel mit hohem Nährstoffgehalt

Das Versprechen in verschiedensten Magazinen, Foren und sozialen Medien, durch spezielle Lebensmittel angeblich attraktiv, schlank und leistungsfähiger zu werden, klingt vielversprechend und verlockend. Die so genannten „Superfoods“ sollen genau das garantieren. Die Suche nach dem Begriff im Internet ergibt an die 124 Mio. Treffer. Das Interesse daran scheint also enorm zu sein.

Doch was sind Superfoods eigentlich? Halten sie, was sie versprechen? Und gibt es auch regionale Alternativen?

Es gibt noch keine offizielle Definition für die Bezeichnung „Superfoods“. Dennoch definiert das Wörterbuch des Oxford English Dictionary den Begriff als „nährstoffreiches Lebensmittel, das als besonders förderlich für die Gesundheit und Wohlbefinden erachtet wird.“ Das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel (EUFIC) zählt „Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Lebensmittel haben“, zu den Superfoods. Es sind also meist pflanzliche Lebensmittel, die von Natur aus einen hohen Gehalt an Mikronährstoffen, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen aufweisen und somit eine hohe Nährstoffdichte garantieren.

Neben der gesundheitsfördernden Eigenschaft von Superfoods, scheinen sich auch die Geschichten von seltenen Pflanzen von fernen Orten,
alten Völkern und traditioneller Heil-
kunde gut vermarkten zu lassen, um hohe Preise zu rechtfertigen. Dabei gilt es aber, auch umweltbezogene Aspekte wie lange Transportwege zu bedenken. Anfänglich reich an wertvollen Inhaltstoffen, büßen die teilweise zu früh geernteten oder stark verarbeiteten Lebensmittel durch den langen Transport und die Lagerung auch schnell ihre Nährstoffvielfalt ein. Es ist daher zu hinterfragen, wie viele der beworbenen Inhaltsstoffe tatsächlich beim Endverbraucher ankommen.

Aus ökologischer Sichtweise und bezüglich der Frischequalität, sind Produkte aus regionalem und saisonalem Anbau jenen aus fernen Ländern vorzuziehen.

Wer auf eine ausgewogene Lebensmittelauswahl achtet und auf die heimische Palette an Nahrungsmitteln zurückgreift, kann getrost auf Chiasamen, Gojibeeren und Co. verzichten, denn die Auswahl an regionalen und saisonalen „Superfoods“ in Österreich ist groß. Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von sämtlichen Obst- und Gemüsesorten, Hülsenfrüchten, Kräutern, Vollkorngetreideprodukten, Nüssen,
Samen und daraus hergestellten pflanzlichen Ölen sind mehr als vergleichbar.

Österreichisches Superfood im Vergleich:

Leinsamen:
liefern in etwa gleich viel Eiweiß, Magnesium, Zink und Omega-3-
Fettsäuren sowie Ballaststoffe wie Chiasamen. In diversen Verbraucherschutzartikeln konnten bei Chiasamen Rückstände wie Mineralöle, Blei, Kadmium und Pestizide nachgewiesen werden, welche den Normwert überstiegen und als „ungenügend“ oder „mangelhaft“ bewertet wurden.

Beeren:
Die heimische Heidelbeere ist genauso gesund wie die Gojibeere. Beide Beerensorten zeichnen sich durch einen hohen Anteil an B-Vitaminen, Vitamin A, C, und E sowie Kalium und Eisen aus. Heidelbeeren können auch im Winter als Tiefkühlware genossen werden, dabei bleiben die Vitamine und Mineralstoffe erhalten. Im Gegensatz dazu verliert die Gojibeere in der getrockneten Form viele Nährstoffe. Alle weiteren Beerenarten wie Brombeeren, Holunderbeeren, Kirschen, Weintrauben oder auch Rotkraut enthalten antioxidativ wirkende Polyphenole wie Flavonoide.

Hirse:
Mit den Nährwerten von Quinoa, eine Pflanzenart, die vorwiegend im rauen Klima des Himalaya-Gebirges wächst, kann man unsere heimische Hirse vergleichen. Auch die Zubereitungsart der beiden Getreidearten ist die gleiche.

Kren:
Der Kren, als eine scharf schmeckende Wurzel, wirkt antibiotisch und stärkt unser Immunsystem. Diese Scharfstoffe regen außerdem die Verdauung an, können freie Radikale abwehren und schützen damit unsere Zellen vor Umwelteinflüssen.

Rote Rüben:
sind reich an Mineralstoffen sowie B-Vitaminen, Vitamin C und Folsäure.

Brennnesseln:
Als Frühjahrsgemüse werden jungen Brennnesseltriebe wegen ihres hohen Gehalts an Flavonoiden, Mineralstoffen, Vitamin A und C, Eisen, aber auch wegen ihres hohen Kalziumgehalts geschätzt.

Erdäpfel:
liefern Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium und enthalten Vitamine der B-Gruppe

sowie Vitamin C. Der hohe Gehalt an Vitamin C verlieh dem Erdapfel den Namen „Zitrone des Nordens“.

Kürbiskerne:
Kürbiskerne sind reich an Mineralstoffen wie Zink und Magnesium, Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan und Phosphor. Außerdem enthalten die Kerne Vitamin E, A sowie die Vitamine B1, B2 und B6. In Kürbiskernöl findet sich Linolsäure, eine zweifach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, die als Bestandteil der Haut eine wichtige Barrierefunktion hat.

Kohl:
Der Kohl, früher als Arme-Leute-Essen ver-
pönt, gilt als heimisches Superfood schlechthin. Er steckt voller Mineralstoffe wie zum Beispiel Kalzium, Kalium und Eisen und enthält jede Menge Vitamine. Durch seinen hohen Gehalt an Vitamin C stärkt der Kohl das Immunsystem. Außerdem liefert er fast alle Vitamine aus der B-Gruppe, sowie Vitamin A. Zudem punktet der entzündungshemmend wirkende Kohl mit verdauungsfördernden Ballaststoffen sowie krebsvorbeugenden Antioxidanzien.

Hagebutten:
Den Hagebutten werden verschiedene Heilwirkungen zugeschrieben – sie sind reich an Vitamin C und enthalten Antioxidanzien wie Lyxopine und Flavonoide sowie Mineralstoffe und Vitamin A, B und E.

Knoblauch:
Auch der Knoblauch gilt aufgrund seiner wertvollen Inhaltsstoffe als Heilmittel. Neben den Mineralstoffen Kalzium, Magnesium, Kalium enthält er nennenswerte Mengen an Vitaminen der B-Gruppe sowie Vitamin C. Der für Knoblauch typische Geruch und Geschmack kommt durch ätherische Öle zustande. Die wichtigste dieser schwefeligen Verbindungen ist das Allicin, das gegen Bakterien und Pilze wirken kann.

Ein Lebensmittel gilt dann als qualitativ besonders hochwertig, wenn der Nährstoffgehalt in Bezug auf die Kalorienmenge hoch ist. Obst, Nüsse, Samen, Gemüse, Getreideprodukte, Milch und Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Eier, pflanzliche Öle und Kräuter sind demnach die wahren Superhelden unter den Lebensmitteln. Die österreichische Landwirtschaft produziert all diese Produkte, die wir brauchen, um unseren Körper gesund zu erhalten. Somit sollten nicht die teuren Superfoods aus fernen Ländern unseren Speiseplan ergänzen, sondern die von unseren Bauern mit hohen Qualitätsstandards ausgezeichneten heimisch produzierten Lebensmittel.

Autorin:

Manuela Cashmore, Diätologin