Smarter Shoppen!

Matthias H. schaut auf die Uhr – der Supermarkt hat noch 20 Minuten geöffnet. Das muss sich doch ausgehen! Er hat länger gearbeitet als geplant, weil wieder einmal soviel zu tun war, und der Kühlschrank hat schon gestern nichts Brauchbares mehr hergegeben …

 

Als er auf den Parkplatz fährt, sind es noch 17 Minuten bis Ladenschluss.

Matthias hetzt durch die automatische Tür und eilt durch den ersten Gang. Hier braucht er eigentlich nichts, trotzdem bremsen ihn die Aktionsplakate und -aufsteller – und geht zuhause der Kaffee nicht gerade zur Neige? Er bleibt stehen und überlegt. Eine Packung Kaffee schadet sicher nicht, die hält ja längere Zeit. Was er dringender braucht, befindet sich an verschiedenen Punkten im Supermarkt: Milch, Joghurt, Brot, Käse, Obst und Gemüse hat er sich während der Autofahrt ins Gedächtnis gerufen. Dabei ist er in Gedanken systematisch sein Vorratsregal und den Kühlschrank durchgegangen.

 

Jetzt steht er in der Bäckereiabteilung und hat trotz der späten Stunde noch eine große Auswahl. Wie gut es hier riecht! Eine Mitarbeiterin holt gerade ein Blech frischer Käsecroissants aus dem Backofen. Matthias bemerkt seinen Magen. Seit dem Mittagessen sind viele Stunden vergangen, und er hat durchgearbeitet. Er ist hin- und hergerissen: Der Hunger ist groß, aber dieser Snack ist sicher nicht das richtige für seine Blutzuckerwerte – und Abnehmen sollte ja laut seinem Arzt ebenfalls ein Ziel der Therapie sein. Wenn er dann noch an seine Blutfette denkt …

 

Und nur noch 11 Minuten bis Ladenschluss!

Außer einer Packung Kaffee und einem Roggensauerteigbrot hat Matthias noch nichts in der Hand. Er ist gestresst. Her mit dem Croissant! Einmal wird’s schon nicht schaden, und immerhin hat er heute kaum etwas gegessen. Er isst es, während er weitergeht.

 

In der Molkereiabteilung greift er automatisch zu seinem üblichen Käse, der Bio-Milch und den kleinen Diätfruchtjoghurts, die er immer kauft. Da muss er nicht viel nachdenken, das ist Routine. Allmählich tut er sich beim Tragen der vielen einzelnen Lebensmittel schwer. Gab es da nicht auch irgendwo Einkaufskörbe, die der Supermarkt für kleinere Einkäufe zur Verfügung stellt?

 

Noch 8 Minuten bis Ladenschluss.

 

Matthias irrt durch die Gänge und sucht die Einkaufskörbe. Jetzt wird er ärgerlich. Ständig fällt ihm das leere Sackerl vom Käsecroissant von seinem Lebensmittelstapel herunter, und die Körbe sind nirgendwo zu sehen.

Ein Mitarbeiter hilft ihm weiter. Die Körbe stehen gleich am Eingang. Also wieder zurück!

 

Endlich hat Matthias wieder eine Hand frei, der Supermarkt hat noch 6 Minuten geöffnet, und der Großteil seines Einkaufs fehlt noch. Jetzt muss es schnell gehen.

In den letzten Minuten hetzt er noch durch einige Gänge, die zur Kassa führen.Einwegrasierer und Zahnpasta sind in Aktion – das kann man immer brauchen. Auch weitere Angebotsprodukte landen im Einkaufskörbchen.

 

Als Matthias bei der Kassa ankommt, ist es 1 Minute vor Ladenschluss.

Mit einer gewissen Genugtuung legt er die Waren aufs Förderband. Er hat es tatsächlich geschafft. Bereits beim Auflegen kommt ihm der Einkauf doch deutlich größer vor als geplant. Wie soll er das transportieren? Das vorbereitete Stoffsackerl liegt am Schreibtisch im Büro. Also kauft er jetzt eine Tragtasche und ärgert sich ein bisschen über sich selbst.

 

Zuhause angekommen packt Matthias seinen Einkauf aus. Das Käsecroissant war zwar gut, hat aber nicht lange angehalten. Er hat sich beim Kauf im Stillen vorgenommen, heute nichts mehr zu essen. Und jetzt ist der Hunger stärker als davor. Beim Verstauen der Vorräte sieht er, dass von den letzten Einkäufen noch mehrere Packungen Nudeln und Reis da sind – und heute hat er wieder bei einer Aktion zugeschlagen … Zwei Packungen von ganz hinten im Regal sind sogar schon abgelaufen. Matthias ist vergrämt, eigentlich mag er keine Lebensmittelverschwendung.

 

Als er die Milchprodukte in den Kühlschrank räumt, fällt ihm ein, dass er komplett auf Gemüse und Obst vergessen hat. Die Abteilung war vorne im Supermarkt, und er ist einfach durchgelaufen. Jetzt hat er wieder nur Nudeln, Reis, Konserven, Brot und Käse zuhause. Dabei wüsste er ja als langjähriger Diabetes-Betroffener, wie seine Mahlzeiten zusammengestellt werden sollten.

 

Matthias ärgert sich sehr. Er hatte gute Vorsätze, aber wieder einmal ist er in die Einkaufsfalle gegangen. Vor lauter Ärger und in Ermangelung von Alternativen macht er sich ein paar Käsebrote und setzt sich nach dem langen, mühsamen Tag vor den Fernseher. Ihm fällt die Eispackung ein, die sich von einem der vorigen Einkäufe noch im Tiefkühler befindet. Die wird er sich dann holen, immerhin ist es heute schon egal. Die Blutzuckermessung nach dem Abendessen wird er sich sparen, weil ihm bereits schwant, wie sie ausfallen würde.

Voller Groll geht Matthias schließlich ins Bett. Dass Einkaufen so schwierig sein muss!

 

Vielleicht ist es Ihnen auch schon wie Matthias ergangen. 

Theoretisch sind Sie ein Profi, was ausgewogene, diabetesgerechte Ernährung betrifft, aber trotzdem will es in der Praxis häufig nicht so recht klappen. 

 

Das Lebensmittelangebot ist der Schlüssel zur Umsetzung zuhause. Deshalb sollte gerade dem Einkauf viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wenn Sie jetzt denken, dass Sie jedes Mal viel Zeit investieren müssen, kann ich Sie beruhigen. Es geht viel mehr darum, bestimmte Rituale rund um den Einkauf einzuführen, die ziemlich schnell zur Routine werden und dann ganz automatisch ablaufen. In der Checkbox finden Sie einige Tipps, wie Sie Ihre Einkaufsroutine gestalten können. Viel Erfolg!

 

  • Machen Sie sich einen Orientierungsplan!

Stellen Sie sich in Gedanken vor, wie Ihr Supermarkt aufgebaut ist, und machen Sie sich einen Plan, wie Sie ihn durchqueren. Welche Abteilung folgt auf die andere? Gehen Sie ab sofort immer auf demselben Weg!

 

  • Planen Sie Ihren Einkauf!

Machen Sie IMMER eine Einkaufsliste, auch wenn Sie nur „ein paar Dinge“ brauchen. Sie sehen, hören und riechen auf dem Weg durch den Markt so viel Verschiedenes, dass Sie unweigerlich etwas vergessen oder anderes in den Einkaufswagen wandert. Schreiben Sie die Lebensmittel in der Reihenfolge auf, die Ihrem Weg durch den Supermarkt folgt. Das spart Zeit. Die moderne Variante sind Apps für Ihr Smartphone, die es ermöglichen, Listen mit anderen Familienmitgliedern zu teilen, damit nichts doppelt eingekauft wird.

 

  • Verwenden Sie das richtige Transportmittel.

Körbchen oder Einkaufswagen, je nach Länge der Liste.

 

  • Richtige Vorratshaltung spart Geld!

Auch wenn „nichts“ da ist, sind in den allermeisten Fällen Lebensmittel in Kühlschrank, Gefriertruhe oder Vorratsschränken vorhanden. Sehen Sie zumindest einmal im Monat Ihre Vorräte durch, und überlegen Sie, was nachgekauft werden sollte.

 

  • Kaufen Sie nur so viel, wie Sie lagern können!

Erdäpfel sind im Angebot, aber leider nur im 10-kg-Sack? Wenn Sie einen Keller oder Erdkeller haben, ist das eine tolle Option. Sie wohnen in einer Wohnung? Greifen Sie trotzdem zu kleineren Verpackungseinheiten.

 

  • Machen Sie eine Grobplanung.

Sehen Sie einmal in der Woche Ihre Vorräte durch, und planen Sie grob, was in den kommenden Tagen verbraucht werden sollte und welche Lebensmittel fehlen. Sie planen, auf Urlaub zu fahren oder häufig auswärts zu essen? Schließen Sie auch diese Information in Ihre Planung mit ein!

 

  • Legen Sie nicht zu große Vorratslager an!

Sie verlieren leichter den Überblick und müssen verdorbene Lebensmittel wegwerfen.

 

  • Man muss nicht täglich einkaufen gehen!

Wenn es Ihnen Freude macht und Sie Ihre Einkäufe überblicken, sei Ihnen der Spaß natürlich vergönnt. Falls Sie nicht so viel Zeit in den Einkauf investieren möchten, reicht es aus, 1–2-mal pro Woche Frischwaren und alle paar Wochen Lagerware einzukaufen.