Hallo Doc! Schlaganfall erkennen

FotoDr. Ernst Luchner, Diabetes-Schulungsarzt in Salzburg, beantwortet in MEIN LEBEN persönliche Fragen der Leser:

Frage: Wie erkennt man einen leichten Schlaganfall? 
Opa konnte in der Früh plötzlich nur ganz schlecht sprechen und mit einer Hand die Kaffeetasse nicht halten.
 
Beim Schlaganfall handelt es sich um eine für den Menschen  bedrohliche  Durchblutungsstörung unseres Gehirns. Da das Gehirn die „oberste Schaltzentrale“ darstellt, in der sehr komplexe  Impulse gebildet werden, die u.a. zu allen Muskeln geleitet werden, und es gleichzeitig auch für unsere Wahrnehmung – „ Abbildung der Umwelt“ – das wesentlichste Organ darstellt, können bei Störungen der Durchblutung ganz unterschiedliche  Symptome auftreten.

Unterschiedliche Symptome
Die Symptome hängen eng damit zusammen, welches Versorgungsgebiet der Gehirngefäße in welchem Ausmaß betroffen ist. Häufig sind plötzlich einsetzende Lähmungen von Arm oder Bein (isoliert oder in Kombination) oder einer Körperseite. Sprachstörungen (Sprachbildung / Sprachverständnis) und Sehstörungen aller Art sind möglich. Es kann zur kompletten Lähmung einer Körperhälfte, oder auch nur zu Lähmungen im Gesicht kommen, die komplexe Vorgänge wie Kauen, Sprechen  oder Schlucken beeinträchtigen, ebenso Schwindel oder psychiatrische Symptome.
Aufgrund der Vielfalt der insgesamt möglichen Symptome ist es – wenn die eher klassischen  Symptome fehlen – oft gar nicht einfach, einen Schlaganfall immer sofort  zu erkennen.
Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich die Symptome – Ausfallserscheinungen -innerhalb von 24 Stunden (oder oft schon nach kurzer Zeit) komplett rückbilden,damit von der Umgebung gar nicht wahrgenommen und auch nicht als gefährlich erachtet werden. Auch bestehenbleibende Ausfälle werden von manchen Schlaganfallpatienten gar nicht wahrgenommen.

Aus medizinischer Sicht gibt es keinen leichten Schlaganfall!
Auch eine vorübergehende  Durchblutungsstörung des Gehirns muss  abgeklärt und  die Ursache behandelt werden. Wenn verengte Halsschlagadern bestehen,  kann diese Ursache eventuell durch eine Operation beseitigt, oder durch Medikamente das Risiko zumindest gemindert werden. Wenn sich durch die irreguläre Bewegung der Herzvorhofe (sog. Vorhofflimmern) im Herzen Blutgerinnsel bilden, die dann über die Gefäße ins Gehirn gelangen und Gehirngefäße verstopfen,  kann dies durch die Einnahme von gerinnungshemmenden Tabletten unterbunden werden.

Menschen, die eine kurzfristige Durchblutungsstörung mit Rückbildung der Symptome hatten, erleiden sehr häufig in den folgenden Jahren einen Schlaganfall, bei dem dann neurologische Ausfälle, wie Lähmungen etc., bestehen bleiben. Dies kann zu einer hohen Pflegebedürftigkeit führen, d.h. der Betroffene benötigt für Alltagshandlungen wie z.B. Körperpflege, Essen, Fortbewegung, Ankleiden usw. Hilfeleistung und wird zum „Pflegefall“. Dies bedeutet nicht nur  körperliches und emotionales Leiden, auch die Organisation einer entsprechenden, oft kostenintensiven Pflege wird dann erforderlich.

Der „große“ Schlaganfall mit bleibenden Ausfällen zählt zu den drei häufigsten Todesursachen in den Industrienationen!
Sehr empfehlenswert ist daher die Schlaganfallvorsorgeuntersuchung, bei der durch Ultraschall der Gehirngefäße ein mögliches Gefäßrisiko erfasst werden kann. Ebenso können durch Blutuntersuchungen mögliche Risikofaktoren für eine Gefäßverkalkung, wie u.a. ein erhöhter Blutzucker, erhöhtes Cholesterin oder erhöhte Harnsäure, erkannt werden. Ein optimal eingestellter Blutdruck gilt als ganz wesentlich, um einen Schlaganfall zu vermeiden, da dieser sehr stark mit dem Schlaganfallrisiko korreliert!  Ebenso wichtig ist der konsequente Verzicht auf Nikotin (Rauchen)!

Durchblutungsstörungen in spezialisiertem Krankenhaus abklären!
Jede Durchblutungsstörung des Gehirns ist sehr ernst zu nehmen und sollte zu einer raschen diagnostischen Abklärung in einem dafür spezialisierten Krankenhaus führen. Eine frühzeitige Intervention mittels verschiedenster moderner Methoden  kann  – wenn sie innerhalb der ersten Stunden (!) nach Symptomenbeginn durchgeführt wird – auch zu einer deutlichen Reduktion der Schlaganfallschäden führen bzw. auch das Ausbleiben von Folgeschäden bewirken.

Für Diabetiker gilt: Ihre gute konsequente Stoffwechseleinstellung und die Berücksichtigung der oben angeführten Faktoren, wie Blutdruck, Blutfettwerte, Nichtrauchen, können Ihr durch den Diabetes erhöhtes Schlaganfallrisiko reduzieren! Nützen Sie jedenfalls die Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchungen!