Wie erkennt man erste Anzeichen von Neuropathie?

FotoHier beantwortet unser MEIN LEBEN-Doc, der Salzburger Diabetes-Schulungsarzt Dr. Ernst Luchner, Ihre ganz persönlichen Fragen:

Dr. Luchner: Die ersten Anzeichen von Nervenschäden in der Körperperipherie (außen am Körper) hängen davon ab, welche Nervenfasertypen bei Ihnen als erste geschädigt werden.

Da Nervenfasern einerseits Empfindungsimpulse von der Haut leiten, kommt es bei Störung dieser Fasern zu „Pelzigkeit“ bzw. Taubheitsgefühlen (von „Gehen wie auf Watte“ bis zur kompletten Gefühllosigkeit), aber auch Kribbeln, oder „Ameisenlaufen“ sind möglich, ebenso Schmerzempfindungen wie Brennen oder Druck.

Die Symptome finden sich meist beidseitig an den Zehen und Füßen aber auch an den Händen und entwickeln sich häufig langsam. Wenn andere Nervenfasern geschädigt werden, kann es auch zu Störungen der Erregung der Muskulatur kommen wodurch eine Verringerung der Muskelkraft mit Muskelschwäche ent-stehen kann bis zur Lähmung einzelner Muskel. Ist die Temperatur und Schmerz-empfindung der Beine gestört, sind diese besonders gefährdet, da Verbrennungen und Verletzungen nicht mehr wahrgenommen werden können und es dadurch zu den schweren Folgen eines Diabetischen Fußsyndroms ebenso kommen kann wie die Entwicklung von Geschwüren (Ulcera).

Ein diabetischer Nervenschaden kann sich aber auch sehr vielfältig in anderen Körperregionen zeigen: unter anderem etwa durch Verdauungsbeschwerden, Störungen der Harnentleerung aber auch durch Schwindelanfälle nach dem Auf-stehen durch Störung der Nerven der Gefäßregulation.

Falls Sie Symptome haben, würde ich Ihnen eine Abklärung beim Neurologen anraten. der durch Messung der Nervenleitgeschwindigkeit diesen Verdacht entweder bestätigen oder ausschließen kann. Wichtig für die Vorbeugung und auch die Verhinderung des Fortschreitens eines diabetischen Nervenschadens ist Ihr optimal eingestellter Blutzucker, dies gerade deshalb, da es keine eigentliche Therapie und Heilung bei bereits erfolgtem Nervenschäden gibt.