Was sind SGLT2-Hemmer?

Eine neue Wirkstoffgruppe zur Behandlung erhöhter Blutzuckerspiegel ist die Gruppe der sogenannten SGLT2-Hemmer. Die Abkürzung aus dem Englischen bedeutet Sodium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitor bzw. Natrium-Glukose-Cotransporter-2-Hemmer. Diese wirken durch eine vermehrte Ausscheidung von Glukose mit dem Harn über die Nieren. Durch die Hemmung des verantwortlichen Glukosetransporters in der Niere wird die Glukose nicht mehr ins Blut rückabsorbiert und folglich in größerer Menge mit dem Harn ausgeschieden. 

 

Im Unterschied zu allen anderen oral eingenommenen Antidiabetika wirken SGLT2-Hemmer insulinunabhängig. Dadurch eignen sie sich sowohl für Typ-1-Diabetiker als auch für Typ-2-Diabetiker. Zusätzlich haben SGLT2-Hemmer einen gewichtsreduzierenden Effekt aufgrund der erhöhten Zuckerausscheidung. Als erster Wirkstoff dieser neuen Substanzklasse wurde Dapagliflozin im Jahr 2012 in der EU erstmals zugelassen. Neben Dapagliflozin sind in Österreich zurzeit noch Empagliflozin, Canagliflozin und Ertugliflozin im Handel.

 

Die häufigsten Nebenwirkungen erklären sich durch die erhöhte Zuckerkonzentration im Harn. Bei Frauen treten deshalb gehäuft Vaginalmykosen (Scheidenpilz) und bei Männern Entzündungen im Bereich der Eichel des Penis auf. Weiters kommt es vermehrt zu Harnwegsinfekten, einer erhöhten Urinausscheidung und Durstgefühl. Durch das häufigere Wasserlassen besteht die Gefahr der Austrocknung (Dehydrierung) mit Symptomen wie niedrigem Blutdruck, Ohrensausen und Schwindel. In Kombination mit anderen oralen Antidiabetika (zB.: Sulfonylharnstoffe) ist eine Hypoglykämie theoretisch möglich, tritt aber eher selten auf. Patienten mit Nierenerkrankungen dürfen SGLT2-Hemmer nicht einnehmen, da die Wirkung von einer ausreichend funktionierenden Niere abhängig ist. Aufgrund der meist schwächeren Nierenfunktion und des erhöhten Austrocknungsrisikos ist bislang keiner der Wirkstoffe für Patienten über 75 Jahre empfohlen.

 

Je nach Wirkstoff kann die Einnahme zu oder unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen. Bei Fragen zu den einzelnen Präparaten, Nebenwirkungen oder Einnahmeintervallen beraten Sie Ihre Apothekerinnen und Apotheker gerne!