Schlafen Diabetiker schlechter?

Jeder weiß, dass Schlaf notwendig ist, damit wir uns ausgeruht und auch geistig frisch fühlen. Was aber genau im Körper während des Schlafes passiert, beschäftigt die Schlafforschung seit Langem. Ein erholsamer Schlaf gehört, so OA Dr. Bodo Kirchner, UKH Salzburg, Facharzt für Innere Medizin und psychosomatische Medizin sowie Psychotherapeut „…zu den menschlichen Grundbedürfnissen und ist ebenso wichtig wie Essen und Trinken. Unausgeschlafen zu sein belastet jeden persönlich und auch das soziale Umfeld.“

Gefahren durch Schlafmangel oder Schlafstörungen
Gefährlich können Konzentrationsmängel infolge von Schlafmangel im Autoverkehr und in der Arbeit werden! Auch Herz- und Kreislauf-Erkrankungen können einen Zusammenhang mit schlechten Schlafgewohnheiten haben, wie die Forschung seit Längerem weiß. Sieben und mehr Stunden Schlaf pro Nacht verbessern die Vorteile eines gesunden Lebensstils für das Herz deutlich. Die bekannten Ratschläge wie Sport, gesunde Ernährung, nur mäßiger Alkoholkonsum und nicht Rauchen haben die Anzahl der Todesfälle durch Herzerkrankungen oder Schlaganfälle verringert. Der Rat, ausreichend zu schlafen, könnte jedoch eine weitere entscheidende Auswirkung auf die Gesundheit der Menschen haben. Details einer groß angelegten Studie des National Institute for Public Health and Enviroment und der Universität Wageningen wurden vor Kurzem im European Journal of Preventive Cardiology http://cpr.sagepub.comveröffentlicht. Diese aktuelle Studie ist die erste, die untersucht hat, ob Schlaf in Kombination mit den vier vorgenannten Faktoren (Sport, Ernährung, Alkohol, Rauchen) das Risiko weiter verringern kann: „Hätten sich alle Teilnehmer an alle fünf Empfehlungen gehalten, hätten theoretisch 36 Prozent der Herzerkrankungen oder Schlaganfälle und 57 Prozent der tödlichen Erkrankungen verhindert oder verzögert werden können.“

Schlechte Schlafqualität bei Diabetes
Wenn nun gerade Diabetiker sehr häufig über Schlafstörungen klagen, muss uns das besonders bedenklich erscheinen! Dabei scheint das Problem weniger in zu kurzem Nachtschlaf zu liegen als vielmehr in schlechter Schlafqualität. Diabetiker schlafen normalerweise ebenso lange wie Gesunde, aber sie erholen sich dabei nicht so gut und fühlen sich deshalb tagsüber oft schläfrig. Insbesondere bei schlechter Stoffwechsellage müssen sie nachts „häufiger raus“ – Nykturien (nächtliches Harnlassen) treten bei einem HbA1c über 8% laut Dr. Igor Harsch, Leitender Oberarzt der Endokrinologie, Thüringen-Kliniken Gregorius Agricola, bei der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung Schlafmedizin, bei fast jedem zweiten Patienten auf.

Auch schmerzhafte Neuropathien, die je nach Diabetesdauer bei bis zu 20% der Patienten vorliegen, rauben Diabetikern den Schlaf. Eine optimierte Zuckereinstellung kann auch hier helfen.

Schlafapnoe – schlafbezogene Atemstörungen
scheint ein wichtiger Aspekt zu sein. In einer Studie mit 280 Typ-2-Diabetikern mit ausgeprägter Adipositas (BMI im Schnitt 33,5) wies die Hälfte der Männer und jede fünfte Frau ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) auf. Die Internationale Diabetes Federation IDF rät jedem Diabetiker, mindestens einmal ein Schlaflabor zu konsultieren! Schlaflabore gibt es inzwischen in sehr vielen österreichischen Krankenhäusern.

Refluxerkrankungen und nächtliche Hypoglykämien
Refluxerkrankungen treten bei Diabetikern ebenfalls überdurchschnittlich oft als potentielle Schlafstörer auf. Hingegen ist zum Einfluss der Hypoglykämien die Datenlage noch spärlich.

Das Immunsystem regeneriert sich im Schlaf, Blutbildung und Wundheilung werden u.a. angeregt. Im Schlaf wird der körpereigene Appetitzügler Leptin ausgestoßen. Wenn man dauerhaft zu wenig schläft, kann der Leptin-Spiegel absinken und es kann zu nächtlichen Hungerattacken kommen.

Die Schlafforschung wird noch Vieles zu Tage fördern – fest steht jedenfalls, dass eine gute Zuckereinstellung bei Diabetikern auch die Schlafqualität fördert. Die Aussage von Prof. Dr. Jürgen Zulley, Schlafmedizinisches Zentrum Universität Regensburg, wirft ein weiteres Licht auf die Bedeutung des Schlafes und muss uns bedenklich stimmen:
„Nach 24 Stunden ohne Schlaf verhalten wir uns wie mit einem Promille Alkohol im Blut.“

Gegen Schlafstörungen kann man etwas tun. Reden Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie nicht mehr gut ein- oder durchschlafen können!

Patientenratgeber bei Schlafstörungen:
download unter www.charitee.de/dgsm/dgsm/patienteninformationen

VORSICHT: Hypoglykämie – nächtliche Unterzuckerung
Um nächtlichen Hypos vorzubeugen, sollten Sie vor dem Zubettgehen den Blutzucker messen. Treten nachts Zeichen einer Hypoglykämie auf, muss sofort der Blutzucker kontrolliert und gegebenenfalls mit Traubenzucker oder einem Glas Fruchtsaft gegengesteuert werden.

Hypo-Anzeichen sind: Schweißausbrüche, Heißhunger, Herzklopfen, Unruhe, Agressivität, Verwirrtheit.
Bei häufigen nächtlichen Hypoglykämien unbedingt mit Ihrem Arzt reden!

KLEINES LEXIKON

Adipositas Fettleibigkeit
Hypoglykämie Unterzuckerung („Hypo“)
Nykturie nächtliches Harnlassen, mehrmalige Schlafunterbrechung
Refluxerkrankung Rückfluss vom Magen in die Speiseröhre, Sodbrennen
Schlafapnoe Atemstillstand während des Schlafes


Quellen: http://cpr.sagepub.com, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung DSGM, MT, SN, pte