Wissenswertes zur Blutzuckerselbstkontrolle

Prein MariaBlutzuckermessgeräte werden immer komfortabler. Fehler beim Blutzuckermessen können aber das Ergebnis beeinflussen. Nur wer die Fehler kennt, kann sie vermeiden.

Seit mehr als 35 Jahren stehen Verfahren für die Blutzuckerselbstkontrolle zur Verfügung. Damit besteht für Menschen mit Diabetes die Möglichkeit, maßgeblich und eigenverantwortlich für eine gute Stoffwechsellage zu sorgen. Allerdings ist dafür eine intensive strukturierte Diabetesschulung sowie die Einweisung in die Praxis der Blutzuckermessung inklusive Handling des Blutzuckermessgerätes und des Zubehörs unbedingt erforderlich. Vor allem, um auf Basis der gemessenen Blutzuckerwerte, die dokumentiert werden sollten (schriftlich, elektronisch), dementsprechende Konsequenzen ziehen zu können. Diese Dokumentation dient auch als Grundlage für Therapieoptimierungen und -umstellungen.

Die Gerätetechnik und Gerätefunktionen befinden sich allerdings in einem ständigen Optimierungsprozess. Wissenswertes dahingehend ist im Folgenden zusammengefasst (Stand April 2014).

Messmethoden und Geräteeigenschaften

Moderne Blutzuckermessgeräte liefern mit einem kleinen Blutstropfen (An-/Aufsaugen zwischen 0,3 und 1,2 µl Blut) relativ rasch einen zuverlässigen Messwert, der bei korrekter Durchführung mit einem Laborgerät vergleichbar aber nicht identisch ist. Deshalb ist auch eine Vergleichsmessung mit zwei verschiedenen Blutzuckermessgeräten nicht ratsam.

Die Messung der Blutzuckerkonzentration im Kapillarblut (im kleinsten Blutgefäß gemessen) aus der Fingerbeere erfolgt auf einer elektrochemischen Basis mit bestimmten Enzymen.

Messergebnis

Es wird mit den heutigen Blutzuckermessgeräten fast ausschließlich aus dem flüssigen Bestandteil des Blutes (Blutplasma) ermittelt und ergibt ein um 11 % höheres Ergebnis als bei Blutzuckermessgeräten der älteren Generation, die den Zuckergehalt im Vollblut (flüssige und feste Bestandteile des Blutes) gemessen haben.

Codierung

Sie ist heute bei den meisten Blutzuckermessgeräten nicht mehr notwendig.

Messdauer

Die Messdauer liegt gerätespezifisch zwischen 4 und 10 Sekunden.

Konzentrationsangaben (Maßeinheit)

In Österreich ist die Konzentrationsangabe (Maßeinheit) mg/dl. In anderen Ländern kann die Konzentrationsangabe mmol/l sein.

Messbereich

Der Bereich der messbaren Glukosewerte wird gerätespezifisch zwischen 10 mg/dl und 600 mg/dl angegeben.

Temperaturbereich

Die Teststreifen wie auch die Blutzuckermessgeräte sind temperaturempfindlich. Der vom Hersteller empfohlene Temperaturbereich sollte daher beachtet werden.

Speichersystem

Die Blutzuckermessgeräte speichern zumindest 400 Werte mit Datum und Uhrzeit. Dazu können gerätespezifisch Blutzuckerwerte als prä- (vor der Mahlzeit) bzw. postprandial (nach der Mahlzeit) markiert und/oder Mittelwerte aus 7, 14, 30 und 90 Tagen abgefragt werden. Es gibt inzwischen Messgeräte, bei denen auch die jeweilige Insulinmenge dazu dokumentiert werden kann. Die im Speicher befindlichen Daten können mittels einer eigenen Software elektronisch ausgewertet werden.

Messgeräte mit Zusatzfunktionen

Diese Zusatzfunktionen umfassen z. B. die Möglichkeit einer Sprachausgabe des Ergebnisses oder die Messung weiterer Blutwerte (z. B. Ketonkörper).

Sicherheit und Genauigkeit

Messgeräte zur Blutzuckerselbstkontrolle sind Medizinprodukte nach § 3 Abs. 4 Medizinproduktgesetz. Sie müssen mindestens die EU-Norm der Produktsicherheit er-
füllen (CE-Kennzeichnung).

Messgenauigkeit

Für Messgeräte liegen aktuelle Qualitätskriterien vor. Diese sind in der DIN-EN-ISO-Norm 15197 geregelt. Die Blutzuckermessgeräte sollen dem Menschen mit Diabetes als Verlaufskontrolle und zur Orientierung über die momentane Stoffwechsellage dienen. Sie sind aber nicht zur Diagnose eines Diabetes geeignet und zugelassen. Ab Mai 2013 mit einer Übergangsfrist bis Mai 2016 gelten strengere Kriterien in Bezug auf die Messgenauigkeit. Insgesamt müssen 95 % der Werte innerhalb der vorgegebenen Grenzen liegen.

Ab 2013  (Übergangsfrist bis Mai 2016)

Blutzucker ≥ 100 mg/dl ± 15 %

Blutzucker < 100 mg/dl ± 15 mg/dl

Zulässige Abweichungen bei 95 % der Messwerte pro Messgerät nach der DIN-EN-ISO-Norm 15197 (Vergleich 2003–2013)

Kontrolllösungen

Diese liegen in verschiedenen Konzentrationen vor. Gerätehersteller empfehlen, damit regelmäßige Kontrollen durchzuführen. Die Kosten dafür werden allerdings von den Krankenkassen nicht übernommen.

Fehlerhaft messende Blutzuckermessgeräte sollen unbedingt ausgetauscht werden!

Stechhilfen und Lanzetten

Die Einstechtiefe an den Stechhilfen ist individuell einstellbar und über Symbole oder Ziffern kenntlich gemacht. Sie soll je nach Hautbeschaffenheit individuell gewählt werden.

Durch die fein und exakt geschliffene Lanzette ist bei einmaliger Verwendung eine sanfte Blutentnahme möglich. Bei mehrmaliger Verwendung wird sie stumpf und kann die Haut zusätzlich verletzten. Im schlimmsten Fall kann das zur Infektionen führen. Die Lanzette soll sicher entsorgt werden (Problemstoff). Bei Stechhilfen mit Lanzettenkassetten wird durch Drehung eine neue Nadel zur Verfügung gestellt. Nach vollständiger Benutzung kann diese über den Restmüll entsorgt werden.

Blutstropfengewinnung

Eine Blutprobe kann durch Anregen der Durchblutung (z. B. Hände warm waschen, massieren des Fingers, Fingergymnastik …) und Stechen in die seitliche Fingerbeere (Daumen und Zeigefinger eher sparsamer verwenden) gewonnen werden.

Messfrequenz

Sie soll strukturiert je nach Therapie, Stoffwechsellage, Therapieoptimierung bzw. -umstellung erfolgen (mit dem behandelnden Arzt besprechen).

Vorgehensweise bei der Blutzuckermessung (kurz zusammengefasst):

  • Vorbereitung des Materials
  • auf saubere und trockene Hände (Finger) achten
  • Stechen in die seitliche Fingerbeere
  • Blutstropfen gewinnen (ohne zu quetschen bzw. stark zu pressen)
  • Blutstropfen einsaugen lassen
  • Ergebnis ablesen und dokumentieren
  • Lanzette und Blutzuckerteststreifen sicher entsorgen

Da es einige Fehlerquellen bei der Blutzuckermessung gibt, die den Blutzuckerwert maßgeblich verfälschen können, soll die Einweisung in die Praxis der Blutzuckermessung inklusive Handling des Blutzuckermessgerätes und des Zubehörs unbedingt in einer strukturierten Diabetesschulung erlernt werden. Die Praxis zeigt, dass sich auch eine Wiederholungsschulung diesbezüglich lohnt, da sich über Jahre Fehlerquellen einschleichen können. Wenden Sie sich dazu und auch bei sonstigen Fragen vertraulich an Ihren Diabetesberater bzw. Ihre Diabetesberaterin.

Autorin: DGKS Maria Prein, Diabetesberaterin, LKH Villach