Zähne + Diabetes

Worauf müssen Diabetiker besonders achten?
Foto Corinna BruckmannSie haben Diabetes und versuchen, Ihre Erkrankung gut im Griff zu haben. Wissen Sie Bescheid über den Einfluss einer schlechten Blutzuckereinstellung auf Zähne und Zahnfleisch? Schon eine harmlos erscheinende Zahnfleischentzündung kann eine gute Blutzuckereinstellung gefährden. 

In diesem Artikel sollen folgende Fragen sollen beantwortet werden:

  1. Wie beeinflusst Diabetes die Beschaffenheit von Zähnen und Zahnfleisch?
  2. Was bedeutet Gingivitis bzw. Parodontitis?
  3. Was können Sie selbst tun?
  4. Wann sollten Sie zum Zahnarzt gehen?

Wie beeinflusst Diabetes die Beschaffenheit von Zähnen und Zahnfleisch?
Bei hohem Blutzuckerspiegel ist die Speichelproduktion herabgesetzt und vermehrt Zucker im Speichel anzutreffen. Bei Mundtrockenheit bleibt mehr bakterieller Zahnbelag (Plaque) an den Zähnen haften und es funktioniert die Reparatur des Zahnschmelzes durch die Speichelmineralien nicht. Daher kann der bakterielle Angriff aus der Plaque schneller zu Karies führen. Bei schlecht eingestelltem Diabetes ist aber auch die Blutversorgung, auch im Bereich des Zahnfleisches, herabgesetzt. Dadurch kommt es zur Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen und einer Schwächung der Immunabwehr.

Was bedeutet Gingivitis bzw. Parodontitis?
Ursache für eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates) ist immer die Ansammlung von Bakterien in Form von Plaque. Gingivitis kann sich bei jedem Menschen entwickeln, wenn durch unzureichende Zahnreinigung die Menge der Bakterien zunimmt oder die Zusammensetzung sich ändert.
Aber zwischen Diabetes und Parodontitis gibt es Wechselwirkungen:
Bei beiden Krankheiten handelt es sich um chronische systemische Krankheiten. Bei schlecht eingestelltem Diabetes erhöht sich das Risiko für Parodontitis ums 3-fache. Parodontitis wiederum verschlechtert die Einstellung des Blutzuckerspiegels. Durch die chronische Entzündung wird der zahntragende Kieferknochen zerstört und es kommt zu Zahnverlust. Unbehandelte Parodontitis kann außerdem ein Risiko für Schwangerschaftskomplikationen und Herz-Kreislauferkrankungen sein. Parodontitis muss also rechtzeitig erkannt und vom Zahnarzt durch systematische Parodontitistherapie (Reinigung der Zahnfleischtaschen, ev. unterstützt durch ein Antibiotikum, regelmäßige Nachbetreuung) behandelt werden.

Was können Sie selbst tun?
Zeit nehmen für die Zahnpflege: mindestens 2-mal täglich mindestens 2 Minuten mit einer fluoridierten Zahnpaste putzen, nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen. Herausnehmbaren Zahnersatz am besten mit Zahnbürste, Wasser und Kernseife reinigen.

Elektrische Zahnbürsten haben sich als vorteilhaft erwiesen. Entscheidend ist jedenfalls die richtige Putztechnik –  fragen Sie Ihren Zahnarzt!

Tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit speziellen Zahnzwischenraumbürsten (in diversen Größen und Stärken in Apotheken oder Drogeriemärkten erhältlich).

Bei erhöhtem Kariesrisiko: hochdosiertes Fluoridgel (in Apotheken erhältlich) oder tägliche fluoridhaltige Mundspüllösung. Fragen Sie den Zahnarzt oder Apotheker!

Desinfizierende Mundspüllösungen können helfen, schädliche Bakterien zu bekämpfen, sollten aber nur nach Rücksprache angewendet werden.

Mundduschen sind kein Ersatz für die mechanische Reinigung mit der Zahnbürste! Sie entfernen aus schwer zugänglichen Stellen grobe Speisereste, können aber den normalen Zahnbelag nicht abspülen.

Zahnpflegekaugummi  (vorzugsweise mit Xylit): Neutralisiert nach Zwischenmahlzeiten schädliche Säuren und regt den Speichelfluss an. Achten Sie auf das „Zahnmännchen“.

Gesunde Ernährung: wenig Süßes, vor allem nichts Klebriges, zuckerfreie Getränke (Wasser oder ungesüßter Tee)

Wann sollten Sie zum Zahnarzt gehen?
(siehe auch unten „Parodontitis-Selbsttest“)

Bei Vorliegen einer Zahnfleischentzündung, am besten sofort! Aber auch falls Sie keine Beschwerden haben, sollten Sie zweimal pro Jahr zur Kontrolle gehen! Weisen Sie unbedingt darauf hin, dass Sie Diabetiker sind und teilen Sie Ihre Blutzuckereinstellung (am besten den aktuellen HbA1c Wert) sowie etwaige Medikation mit. Da Sie selbst Parodontitis erst in einem fortgeschrittenen Stadium bemerken können, fragen nach einer „Parodontalen Grunduntersuchung“. Dies ist eine rasche, beinahe schmerzfreie Screeninguntersuchung, die innerhalb weniger Minuten das Vorliegen einer Parodontitis ausschließen oder bestätigen kann. Wenn keine Parodontitis vorliegt, fragen Sie nach einer „professionellen Zahnreinigung“. Hierbei werden nicht nur der Zahnstein, sondern auch Ablagerungen in den Zahnzwischenräumen und unterhalb des Zahnfleischrandes schonend beseitigt. Eine abschließende Politur und Fluoridierung schafft die Voraussetzung für eine optimale häusliche Mundhygiene.

Aus den gleichen Gründen, die zu einem erhöhten Karies- und Parodontitis-Risiko führen, kommt es bei schlechter Einstellung oft zu einer gestörten Wundheilung. In Zusammenarbeit mit Ihrem Hausarzt/Internisten kann Ihr Zahnarzt bei erforderlichen chirurgischen Eingriffen dafür sorgen, dass solche Störungen von vornherein weitestgehend vermieden werden. Die Einnahme eines Antibiotikums vor oder nach dem Eingriff kann sinnvoll sein, um einer Wundinfektion vorzubeugen.

„Parodontitis-Selbsttest“ © www.oegp.at

  • Blutet Ihr Zahnfleisch beim Zähneputzen, bei Berührungen oder beim Essen harter Nahrung?
  • Fühlt sich Ihr Zahnfleisch geschwollen oder empfindlich an?
  • Hat sich Ihr Zahnfleisch zurückgezogen? Sind  Ihre Zähne „länger“ geworden?
  • Stellen Sie manchmal Eiteraustritt zwischen Zahn und Zahnfleisch fest?
  • Hat sich die Stellung Ihrer Zähne verändert?
  • Haben sich Lücken zwischen den Zähnen gebildet?
  • Haben Sie immer wieder Probleme mit Mundgeruch?

Bei der Beantwortung einer oder mehrerer Fragen mit “Ja”, informieren Sie bitte Ihren Zahnarzt. Dieser kann durch die parodontale Grunduntersuchung (PGU) feststellen, ob Sie eine Parodontitis-Behandlung brauchen.

Abb.: schwere unbehandelte Parodontitis: deutlich zu sehen sind Plaque, Schwellung und Rötung des Zahnfleisches, Zahnfleischrückgang, Blutung nach zarter Berührung.