Organspenden in Österreich neu geregelt

Organtransplantationsgesetz (OTPG)
Obwohl die Versorgungslage im Bereich der Organtransplantation in Österreich im internationalen Vergleich als gut einzustufen ist, werden zunehmend mehr Organe benötigt als verfügbar sind. 
Weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht, versterben bis zu 17 Prozent der Menschen, die auf Wartelisten eingetragen sind. Zunehmende Überalterung der Gesellschaft und der Anstieg chronisch Kranker verschärfen die Situation.
Nur jeder fünfte Österreicher über Rechtslage bei Organspenden informiert
Eine Umfrage von Eurobarometer „Organ Donation and Transplant“ ergab, dass in Österreich 77 Prozent uninformiert sind und lediglich 19 Prozent über Informationen zur Rechtslage bei Organtransplantationen verfügen.

Um Unklarheiten zu beseitigen bzw. Rechtssicherheit – auch im zuvor nicht geregelten Bereich der Lebendorganspenden – zu erreichen, wurde im November 2012 vom Nationalrat in Österreich ein eigenes, modernes Organtransplantationsgesetz (OTPG) beschlossen, das am 29.11.2012 auch den Bundesrat passierte.

Neues Organtransplantationsgesetz (OTPG ) in Kraft
Damit werden erstmals auch Lebendspenden von Organen gesetzlich erfasst und geregelt.

Für die rund 1.000 Menschen, die derzeit auf Spenderorgane warten, bedeutet das Gesetz, dass die höchsten Schutzmaßnahmen für LebendspenderInnen umgesetzt werden. „Durch das neue Gesetz kann Österreich seinen internationalen Spitzenplatz weiter ausbauen“, so Gesundheitsminister Alois Stöger.

Verbesserung des Organaufkommens
Begleitende organisatorische Maßnahmen sollen außerdem die Wartezeit für alle, die auf ein Spenderorgan warten, verkürzen. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang auch dem Organaustausch mit anderen Ländern zu, durch den die Verfügbarkeit geeigneter SpenderInnenorgane weiter erhöht wird.

Wesentliche Inhalte der OTPG

  • Festlegung der Grundsätze der Organspende: freiwillig und unentgeltlich, Werbeverbot, Verbot der Gewährung eines finanziellen Gewinns/Vorteils
  • explizite gesetzliche Regelung betreffend die Lebendspende
  • Verbot der Organspende von unter 18-Jährigen
  • Bestimmungen zum Schutz der SpenderInnen und EmpfängerInnen: Qualitäts- und Sicherheitsstandards, Kriterien für Auswahl und Beurteilung der SpenderInnen, besondere Aufklärungspflichten
  • Festlegung von Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen für Organentnahme und deren Transplantation: Beschränkung auf bewilligte Entnahmeeinheiten bzw. Transplantationszentren, Organ- und Spendercharakterisierung, Richtlinien/Verfahrensanweisungen im Zusammenhang mit der Organspende
  • Transportbestimmungen: Sicherstellung einer angemessenen Transportdauer sowie der Unversehrtheit der Organe während des Transportes
  • Bestimmungen zur Rückverfolgbarkeit und Organvigilanz: Sicherstellung einer lückenlosen Nachvollziehbarkeit der Transplantationskette, Informationsverpflichtungen der Entnahmeeinrichtungen und Transplantationszentren bei schwerwiegenden Zwischenfällen und unerwünschten Reaktionen; Aufzeichnungs- und Berichtspflichten
  • Regelungen für die Nachsorge von LebendspenderInnen
  • Festlegung von Voraussetzungen für einen Organaustausch mit Drittstaaten
  • Verwaltungsstrafbestimmungen

Quellen:
bmg.gv.at/organtransplantationsgesetz-O
Transplant-Jahresbericht 2011
Special Eurobarometer 333a (2010) Organ Donation and Transplant