Ist die Ernährungspyramide noch aktuell?

Es gibt unterschiedliche Darstellungen für die Veranschaulichung einer gesunden Ernährung. Die bekanntesten sind die Ernährungspyramide und der gesunde Teller. Sie zeigen, was eine gesunde Person essen sollte, und bieten ein Grundgerüst für die Mahlzeitenzusammenstellung. 

Die Österreichische Ernährungspyramide ist mittlerweile den meisten Menschen gut bekannt. Sie hängt als Plakat in Arztpraxen sowie in Schulen und wird für Vorträge und Schulungen genutzt. Doch obwohl die Ernährungspyramide seit 2010 empfohlen wird, nehmen Menschen immer mehr zu und leiden an Insulinresistenz oder Diabetes. Ist diese überhaupt noch aktuell, oder sind andere Darstellungen besser geeignet, um der Bevölkerung eine gesunde Ernährungsweise aufzuzeigen?

Die Pyramide zeigt, in welchen Mengen die verschiedenen Lebensmittel gegessen werden sollen. An der breiten Basis sind jene Lebensmittel, die am häufigsten gegessen werden, und an der Spitze jene, die nur selten verzehrt werden sollen. In diesem Modell sind auch weniger empfehlenswerte Lebensmittel, wie Süßigkeiten, enthalten. Denn grundsätzlich darf alles gegessen werden, es kommt nur auf die Menge an. Zucker-, fett- und salzhaltige Lebensmittel sollen möglichst selten verzehrt werden, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Getreide und Milchprodukte können mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen. Die empfohlenen Mengen für Fisch, Eier und Fleisch gelten für eine ganze Woche.

Die Pyramide verschafft einen guten Überblick über die richtige Lebensmittelauswahl. Durch den Verzehr von Lebensmitteln aus allen Ebenen wird unser Körper mit allen Nährstoffen versorgt, die er braucht. Mit der Ernährungspyramide allein die Ernährung zu verändern ist jedoch schwer. Dazu muss man sich schon genauer damit beschäftigen. Die Empfehlungen sind ungenau, und die persönliche Lebenssituation wird dabei nicht berücksichtigt.
Jeder Mensch bewegt sich unterschiedlich viel, daher sind keine allgemeinen Empfehlungen möglich. Je mehr man sich bewegt, desto mehr Kohlenhydrate kann man essen. 

LOGI-Pyramide

Die LOGI-Methode wurde von Dr. Nicolai Worm für Menschen mit Insulinresistenz entwickelt. Das Ziel dieser Ernährungsform ist, die Blutzuckerwerte durch das Einsparen von Kohlenhydraten und von Lebensmitteln mit einem hohen glykämischen Index (Wirkung eines Lebensmittels auf den Blutzucker) zu verbessern. Die LOGI-Pyramide unterscheidet sich daher in einigen Punkten von der klassischen Ernährungspyramide.

An der Basis befinden sich stärkearmes und -freies Gemüse, Salate und zuckerarmes Obst. In der zweiten Ebene Fisch, Fleisch, Eier, Milch und Milchprodukte. Zuckerreiche Obstsorten, fettreiche Käsesorten, Hülsenfrüchte und Nüsse sind in der dritten Stufe angesiedelt. Die Lebensmittel der ersten drei Ebenen sollen täglich verzehrt werden, die der obersten drei Stufen nur selten. Dazu gehören Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln, die erst in der vierten Stufe zu finden sind. In den beiden Ebenen an der Spitze sind Weißmehlprodukte, Mehlspeisen, Fertigprodukte, Zucker
und Honig angeführt.

Das Tellermodell

Zuletzt hat sich in Ernährungsberatungen das Tellermodell als sehr hilfreich erwiesen. Auch dieses gibt es in unterschiedlichen Versionen. Der gesunde Teller zeigt, wie eine Mahlzeit zusammengestellt sein soll. 

Die Hälfte des Tellers besteht aus Gemüse, Salat und Obst. Die zweite Hälfte des Tellers teilen sich kohlenhydratreiche und eiweißreiche Lebensmittel. Das heißt, ein Viertel der Mahlzeit soll eine Eiweißquelle (z. B. Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte) sein und das andere Viertel eine Kohlenhydratquelle (z. B. Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis, Getreideflocken). Neben dem Teller werden zuckerfreie Getränke und gesunde Fette empfohlen.

Das Tellermodell richtet sich wie die Österreichische Ernährungspyramide an gesunde Personen ohne spezielle Ernährungsbedürfnisse. Es ist praktischer für die Umsetzung einer gesunden Ernährung, jedoch werden nur gesunde Lebensmittel berücksichtigt. Bei manchen Darstellungen gibt es Zusatzinformationen über die geeigneten Portionsgrößen, wobei auch weniger gesunde Lebensmittelgruppen angeführt werden.  

Pyramide oder Teller?

Beide Modelle haben ihre Berechtigung zur Veranschaulichung einer gesunden Ernährung. Die Pyramide zeigt das Mengenverhältnis der Lebensmittel über den Tag beziehungsweise eine Woche, der Teller zeigt, wie eine gesunde Mahlzeit zusammengestellt wird. Wer sich ein wenig an der Pyramide orientiert und sich abwechslungsreich ernährt, ist auf einem guten Weg. Als Ergänzung ist der gesunde Teller ein gutes Hilfsmittel für die Zubereitung einzelner Mahlzeiten. Allerdings muss nicht jede Mahlzeit perfekt sein. Wenn man sich über eine Woche ausgewogen ernährt, darf man sich auch gelegentlich etwas gönnen.

Für viele Menschen sind der klassische Teller und die Ernährungspyramide allerdings nicht geeignet. Bei verschiedenen Erkrankungen oder speziellen Anforderungen an die Ernährung können sich die empfohlenen Mengen der Lebensmittel verändern. Es hat sich gezeigt, dass für Menschen mit Diabetes eine kohlenhydratarme Ernährung vorteilhafter ist. Durch diese Ernährungsweise verbessern sich der Blutzucker und andere Laborwerte. Daher ist es empfehlenswert, sich bei Insulinresistenz und erhöhten Blut-
zuckerwerten an der LOGI-Pyramide zu orientieren.