Diabetiker vor Operation

FotoDer Salzburger Diabetes-Schulungsarzt Dr. Ernst Luchner beanwortet in MEIN LEBEN Ihre ganz persönlichen Fragen.

Frage: Ich werde in nächster Zeit an der Hüfte operiert. Ich bin Typ-1-Diabetiker. Wie muss ich mich vorbereiten? Was muss das Team um den Orthopäden wissen?“

Dr. Luchner:  Eine Operation bedeutet Stress und die Freisetzung von Entzündungszellen sowie Hormonen, deren Wirkung jener des Insulins entgegen gesetzt ist, somit besteht zu diesem Zeitpunkt immer die Möglichkeit der Verschlechterung der Stoffwechsellage bis hin zu einer Entgleisung. Das komplette Vorgehen um die geplante Operation ist auf Sie und Ihren Diabetes abzustimmen und wird vom Internisten, den Chirurgen und dem für die  Narkose zuständigen Arzt geplant. Sie als Diabetiker haben ein höheres Risiko für Begleiterkrankungen, dabei spielen Ihre Diabetesdauer, die bestehende Therapieform und eventuell bereits vorhandene Folgeerkrankungen wie die des Herz-Kreislaufsystems oder der Niere eine wesentlich Rolle für Ihre Operationsplanung. Es besteht bei Diabetikern ein  erhöhtes Infektionsrisiko, welches durch eine gute Blutzuckereinstellung während des stationären Aufenthalts  gesenkt wird. Auch vor der Operation sollte bei geplanten Operationen der Langzeitwert HbA1c durch gezielte intensive Therapie unter 7 Prozent, wenn dies nicht erreichbar ist, möglichst unter 8 Prozent gebracht werden.

Eine entsprechende Untersuchung vor der Operation mit Erhebung zahlreicher Blutbefunde (Blutbild, Zuckerwerte), die Durchführung eines Elektrokardiogrammes (EKG) sowie z. B. eines Lungenröntgenbefundes zur Einschätzung Ihrer Belastbarkeit wird routinemäßig  durchgeführt. Im Einzelfall wird die Routineuntersuchung  durch weitere Untersuchungen wie z. B. die der Schilddrüse oder auch der Lungenfunktion zur  Bewertung oder dem Ausschluss eines möglichen Risikos  ergänzt.

Wichtig ist auch die Festlegung,  welche oralen Medikamente Sie am Operationstag bzw. auch schon  vorher auslassen sollten,  z. B. sollte Metformin bereits 24 Stunden vor dem Termin abgesetzt  werden, die meisten anderen Tabletten werden am Operationstag ausgesetzt und frühestens am 1. Tag nach erfolgter Operation wieder verabreicht. Wenn Sie Basis-Bolus spritzen, sollten Sie die Basisinsulindosis – nach Absprache mit dem Narkosearzt -auch am Operationstag spritzen. Um schwere Unterzuckerungen aber auch Entgleisungen  durch zu hohen Zucker möglichst zu vermeiden, werden während des Spitalsaufenthaltes kurzwirksame Insuline aber auch die Gabe von Zuckerinfusionen therapeutisch eingesetzt um Sie in dieser Zeit optimal einzustellen. Dies bedingt natürlich auch engmaschige Blutzuckerkontrollen, denn Korrekturen müssen laufend, je nach gemessenen Werten erfolgen. Dadurch kommt es beispielsweise bei bisher 2- bis 3-mal täglicher Mischinsulintherapie zu einer Änderung Ihrer bis dahin durchgeführten Therapie. Falls erforderlich, erfolgt im Anschluss an die Operation eine Neueinstellung mit anderen Insulinen und eine Änderung des Spritzschemas.

Eine gezielte Operationsplanung und Absprache der zuständigen Ärzte mit Ihnen ist ein wesentlicher Beitrag um Risiken zu minimieren und Sie ohne zusätzliche Schädigung Ihrer Gesundheit durch diese auch für ihre Stoffwechseleinstellung schwierige Phase zu bringen damit Sie mit einer neuen Hüfte versorgt, weiterhin mobil bleiben können. Denn Bewegung gehört ja auch zu den wichtigsten Eckpfeilern der Diabetestherapie! Alles Gute!