Pumpen-Ausfall im Ausland!

FotoWie soll ich reagieren, wenn meine Pumpe im Ausland nicht mehr funktioniert und kein Arzt mit Fachwissen zur Verfügung steht? Ich habe aber nur Kurzzeitinsulin und einen Pen mit!?

Dr. Luchner: Ob im Ausland oder zu Hause Sie müssen jedenfalls auf diese Situation geschult sein und alternativ zur Pumpe Pen(s )bzw. auch Spritzen und eine der zeitlichen Situation entsprechende Menge an Insulin verfügbar haben. Als insulinabhängiger Diabetiker führen Sie letztendlich immer die Therapie selbst durch, egal ob mit Pen oder Pumpe und ich gehe davon aus, dass Sie sich als Pumpenträger ja bereits eine Menge an Wissen im Umgang mit Ihrem Insulin bei erhöhten Blutzuckerwerten angeeignet haben. Da Sie bei Pumpenausfall keine Basalrate mehr zuführen können, bleibt Ihnen in dieser Situation nur übrig regelmäßig und öfter zu messen und mit ausreichender Dosis zu korrigieren.

Jede Technik ist prinzipiell störanfällig, egal ob Pumpe, Blutzuckermessgerät oder Pen. Bei der Reiseplanung kann – abhängig von Reiseziel und Dauer – überlegt werden, ob es Sinn macht Ersatz mitzuführen. Einen Überblick über die im Notfall nächstgelegene Anlaufstellen (Krankenhaus, Arzt, Apotheke) zu haben ist für jede Reise sinnvoll. Ihr Pumpenhersteller gibt Ihnen sicher auch Auskunft, ob es am Reiseziel eine Vertretung/Ansprechpartner bei Problemen für ihren Pumpentyp gibt. Alternativ wäre dann nur die zusätzliche Mitnahme Ihres Langzeitinsulins notwendig um die vor der „Pumpenzeit“ durchgeführte Therapie wieder starten zu können. Offene Fragen klären Sie bitte auch mit Ihrem Pumpenzentrum, welches Sie sicher kompetent beraten kann.

Wie erkennt man erste Anzeichen von Neuropathie?

Dr. Luchner: Die ersten Anzeichen von Nervenschäden in der Körperperipherie (außen am Körper) hängen davon ab, welche Nervenfasertypen bei Ihnen als erste geschädigt werden. Da Nervenfasern einerseits Empfindungsimpulse von der Haut leiten, kommt es bei Störung dieser Fasern zu „Pelzigkeit“ bzw. Taubheitsgefühlen (von „Gehen wie auf Watte“ bis zur kompletten Gefühllosigkeit), aber auch Kribbeln, oder „Ameisen-laufen“ sind möglich, ebenso Schmerzempfindungen wie Brennen oder Druck.

Die Symptome finden sich meist beidseitig an den Zehen und Füßen aber auch an den Händen und entwickeln sich häufig langsam. Wenn andere Nervenfasern geschädigt werden, kann es auch zu Störungen der Erregung der Muskulatur kommen wodurch eine Verringerung der Muskelkraft mit Muskelschwäche ent-stehen kann bis zur Lähmung einzelner Muskel. Ist die Temperatur und Schmerz-empfindung der Beine gestört, sind diese besonders gefährdet, da Verbrennungen und Verletzungen nicht mehr wahrgenommen werden können und es dadurch zu den schweren Folgen eines Diabetischen Fußsyndroms ebenso kommen kann wie die Entwicklung von Geschwüren (Ulcera).

Ein diabetischer Nervenschaden kann sich aber auch sehr vielfältig in anderen Körperregionen zeigen: unter anderem etwa durch Verdauungsbeschwerden, Störungen der Harnentleerung aber auch durch Schwindelanfälle nach dem Auf-stehen durch Störung der Nerven der Gefäßregulation.

Falls Sie Symptome haben, würde ich Ihnen eine Abklärung beim Neurologen anraten. der durch Messung der Nervenleitgeschwindigkeit diesen Verdacht entweder bestätigen oder ausschließen kann. Wichtig für die Vorbeugung und auch die Verhinderung des Fortschreitens eines diabetischen Nervenschadens ist Ihr optimal eingestellter Blutzucker, dies gerade deshalb, da es keine eigentliche Therapie und Heilung bei bereits erfolgtem Nervenschäden gibt.

Diabetes und Krebs: Diabetes zu steuern ist nicht immer leicht! Ich bin Typ-1-Diabetikerin, 45 Jahre alt. Womit muss man bei Chemo- oder Strahlen-therapie rechnen? Wie stark können Hormongaben nach Brustkrebs den Blutzucker beeinflussen?

Dr. Luchner: Die Nebenwirkungen, welche im Rahmen einer Chemotherapie auftreten können, sind vielgestaltig und hängen sehr von der Art der verwendeten Stoffe, des Therapieschemas und der individuellen Verträglichkeit ab. Da Zytostatika nicht nur auf den Tumor wirken sondern auch das schnell regenerierende Gewebe schädigen können, sind u. a. Störungen der Verdauungsschleimhäute (Mund, Speiseröhre, Darm) häufig, beides kann die orale Nahrungsaufnahme einschränken. Zusätzlich besteht oft Übelkeit. Ebenso möglich sind Störungen der Infektions-abwehr, es kommt zu Fieber, der Insulinbedarf kann steigen. Im Rahmen der Strahlentherapie werden abhängig von der Art und Dosis der Bestrahlung auch die
der Brust nahen Gewebe mitbestrahlt und das Gewebe kann mit einer Entzündung reagieren.

Hormongaben nach Brustkrebs beeinflussen andere Hormone und können deshalb, je nach verwendeter Substanz und Dosierung, auch den Blutzucker beeinflussen, dies hängt aber sehr davon ab, was Sie einnehmen. Ihr Krebstherapeut informiert Sie sicher über die für Sie möglichen Nebenwirkungen und wird auch eventuell notwendige Laborkontrollen anderer Hormone vornehmen.

Typ-2-Diabetiker, 80 Jahre alt, übergewichtig, HbA1c-Wert 11: Mein Arzt meint, dass dieser HbA1c-Wert nicht toleriert werden kann. Mir ging es aber gar nicht so schlecht und ich spüre nichts! Jetzt soll ich auf Insulin umgestellt werden. Das hat mich sehr erschreckt! Ich esse zurzeit fast keine Kohlenhydrate mehr, trotzdem bleiben meine Werte um 200. Ich bin total verzweifelt!

Dr. Luchner: Es ist immer schwierig etwas zu verändern. Gerade wenn Sie sich im Augenblick nicht schlecht fühlen und auch nichts spüren, aber Ihre hohen Blut-zuckerwerte bei geringer Kohlehydratzufuhr zeigen nun, dass Sie selbst eben nicht mehr in der Lage sind ausreichend Insulin zu produzieren, und nun Insulin zuführen müssen .Ein HbA1c Wert über 11 ist sicher ein Wert, bei dem Sie selbst einen Handlungsbedarf haben, da die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Folge-krankheiten wie z. B. ein Herzinfarkt stark erhöht wird. Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, welches uns zum Glück als Therapiemöglichkeit zur Verfügung steht .Es ist – dank der modernen Technik – auch in Ihrem Alter möglich ohne große Einschränkung und Aufwand diese Therapieform zu erlernen und selbst durchzuführen um Ihre Lebensqualität weiter zu erhalten.

Ich rate Ihnen daher: Verzweifeln Sie nicht! Sie befinden sich sicher in einer schwierigen Situation, aber wie Sie in Ihrem Leben sicher bereits bemerkt haben, nichts zu unternehmen bringt einem nichts! Bedenken Sie: je besser Sie Ihren Zucker im Griff haben desto weniger kann er Ihnen antun – vielleicht hilft Ihnen auch der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe weiter und gibt Ihnen Mut!