Alles Zucker oder was?

Die Sommerferien sind vorüber

Während manche Kinder es gar nicht mehr erwarten können, nach der großen Sommerpause alle ihre Freunde wiederzusehen, freuen sich andere schon jetzt auf die Herbstferien. Die Eltern können sich mit Schulbeginn auf die Schultern klopfen, weil sie es (wieder) geschafft haben, die langen neun Wochen Ferienzeit mit Programm zu füllen und einen schönen Sommer für ihr(e) Kind(er) zu gestalten. Für Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes mellitus (T1DM) stehen bereits vor Kindergarten- oder Schulstart noch andere Gestaltungsaufgaben an: der Kontakt mit dem Kindergarten bzw. der Schule und die Vorbereitung der Kinder.

 

Kontaktaufbau mit dem Kindergarten bzw. der Schule

Eltern sind oftmals nervös, wenn ihr Kind mit T1DM mit dem Kindergarten oder der Schule beginnt. Beide Institutionen sind wichtige Partner in der Betreuung der Kinder und auch bei der Mithilfe im Diabetesmanagement. Es ist ratsam, möglichst früh mit diesen Einrichtungen in Kontakt zu treten und die Leitung sowie die betreuenden Personen über T1DM zu informieren und längerfristig eine gute Kooperation zwischen Elternhaus und Kindergarten/Schule aufzubauen. In Österreich stehen für diese Herausforderung unterstützend auch Selbsthilfevereine und mobile Kinderkrankenpflegedienste zur Verfügung. Diese können selbstständig bzw. über das betreuende Team im Diabeteszentrum angefragt werden. 

 

Vorbereitung Ihres Kindes

Es ist wichtig, dass die Kinder über ihren Diabetes Bescheid wissen und von ihren Eltern für diese Zeit mit Fremdbetreuung vorbereitet werden, möglichst ohne dabei die elterlichen Angst- oder Nervositätsgefühle weiterzugeben. Kinder sollten verstehen, welche Aufgaben sie im Rahmen des Diabetesmanagements selbst übernehmen können. Entwicklungsgemäß können manche Aufgaben schon sehr früh übernommen werden, andere dagegen werden erst von reiferen Kindern verstanden (siehe Tabelle Seite 12).

 

Spezielle Workshops zur Vorbereitung der Volksschulkinder

Manche Diabeteszentren bieten zur Vorbereitung auf den Schulstart eigens darauf ausgerichtete Workshops an. An der Kinderklinik des Wiener AKH wird in den Sommerferien seit 2011 „Fit für die Schule“, ein zweitägiger Workshop für max. 12 Schulanfänger und Wiedereinsteiger nach Neuerkrankung, angeboten. Begleitend dazu gibt es auch einen Elternworkshop mit dem Thema „Unsere Kooperation mit der Schule“.

 

Themen für Volksschulkinder und Eltern: 

  • Förderung der alters- und situationsangepassten Verantwortungsübernahme
  • Entlastung durch Kontakt mit Betroffenen im gleichen Alter
  • spielerische Unterstützung im Selbstmanagement
  • spielerische Vermittlung von Diabetesbezogenem Wissen
  • altersadäquate Informationen zu Ernährung
  • Vorbereitung auf typische schulische Situationen und Herausforderungen
  • Umgang mit eigenen Gefühlen zum Diabetes bzw. zur Diabetestherapie
  • altersgemäße und praktikable Definitionen zum Diabetes
  • Unterstützung, diabetesbezogene Sorgen, Ängste und Fragen zu formulieren und
  • Antworten darauf zu geben

 

Die wichtigsten Ziele sind der Aufbau neuer, der Krankheit angemessener Verhaltensweisen und die Förderung der alters- und situationsangepassten Verantwortungsübernahme. Mit diesen präventiven Maßnahmen sollen akute medizinische Notfälle und langfristig auch stationäre Krankenhausaufenthalte, versäumte Schultage und soziale Isolierung verhindert werden.

 

Spezielle Workshops für Jugendliche werden benötigt

Der Wechsel in die weiterführende Schule bringt sehr viele Veränderungen mit sich – neue Schule, neue Klassenkolleginnen/-kollegen, neue LehrerInnen, neue Unterrichtsgegenstände und Anforderungen seitens des Lehrstoffs. Die Kinder werden selbstständiger, und die Aufgaben der Diabetestherapie müssen in der Familie neu verteilt werden. Dieser neue Lebensabschnitt braucht gemeinsame Vorbereitung, und daher wäre es wünschenswert, dass speziell für diese Lebensphase ausgerichtete Gruppenprogramme etabliert werden.

 

Wichtiges für die Schul- und Freizeit

Die Kinder müssen wissen, an wen sie sich mit Problemen oder Fragen wenden können, ob in der Klasse bzw. auch der Schule oder auch dem Freizeitverein, z. B. Lehrperson, Schularzt/Schulärztin, Trainer/Trainerin.

 

Die kleinen Pausen und die Mittagspause sind wichtige Situationen, auf welche die Kinder gut vorbereitet sein sollten, z. B.: Wer hilft bei der Eingabe der Broteinheiten (BE) oder Gramm Kohlenhydrate (gKH) in die Pumpe?

Für mögliche Unterzuckerungen (Hypos) brauchen Kinder einen Vorrat an kleinen Snacks in der Schulklasse, z. B. Traubenzucker, Apfelsaft und Müsliriegel, damit sie schnell und einfach darauf reagieren können.

 

Der allerwichtigste Punkt ist die Vertrauensbeziehung zwischen Eltern und Kind. Ihr Kind sollte Sie über alle Probleme im Zusammenhang mit der Diabetesbehandlung in der Schule bzw. der Freizeiteinrichtung informieren. Es hilft manchmal, dem eigenen Kind von anderen Kindern in der Schule zu erzählen und was diese Kinder mit T1DM erlebt haben. So können sich manche Kinder leichter öffnen und ergänzen/erzählen gerne. 

 

Umgang mit T1DM: Was können Kinder tun?

T1DM ist eine chronische Erkrankung, die im Alltag viel Einsatz erfordert. Bei jungen Kindern mit T1DM übernehmen die Eltern den größten Teil des Diabetesmanagements. Ältere Kinder können sich schon mehr und mehr in die eigene Diabetestherapie einbringen.

 

Wie schnell Kinder beginnen, einige der täglichen Aufgaben im Umgang mit T1DM zu erledigen, hängt von vielen Faktoren ab, darunter:

  • Alter
  • Fähigkeiten/Fertigkeiten 
  • Selbstständigkeit
  • Diabetesdauer
  • Bereitschaft zur Übernahme von diabetesbezogenen Aufgaben

 

Bei der Diabetesversorgung liegt es an Eltern und Kindern, zu entscheiden, wer welche Aufgaben übernimmt. Insbesondere in den frühen Jahren kann die Bereitschaft eines Kindes, sich um seine Diabetestherapie zu kümmern, von Tag zu Tag und abhängig von den Umständen variieren.

 

Der Kindergarten/die Schule sollte darauf vorbereitet sein, Unterstützung und Betreuung anzubieten, die den Bedürfnissen und Fähigkeiten des Kindes entsprechen.

 

Alle Kinder und Jugendlichen mit T1DM – auch diejenigen, die einen Großteil ihrer Diabetestherapie selbst übernehmen können – brauchen Hilfe, wenn ihr Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist. Und sie brauchen jemanden, der von Zeit zu Zeit die Diabetesaufgaben mit ihnen teilt.

 

Es ist sehr hilfreich, wenn im individuellen Betreuungsplan des Kindes klar ist, wer die einzelnen Aufgaben im Kindergarten/in der Schule ausführt und wie viel Unterstützung das Kind benötigt.