Junge Liebe, Romanze und Sex

Schmetterlinge im Bauch

Erwachsene können sich nur allzu gut an ihre ersten „Schmetterlinge im Bauch“ erinnern und an die Schwärmerei für eine ganz bestimmte Person. Begleitet werden diese aufregenden Gefühle zumeist von kreisenden Gedanken wie: „Ruft er/sie mich an, mag er/sie mich auch?“ Um Gewissheit zu haben, werden dann während der Schulstunden vielleicht Zettelchen zugesteckt mit Auswahlalternativen zum Ankreuzen: „Magst du mein Freund/meine Freundin sein?“ oder „Willst du mit mir gehen?“ O Ja O Nein – bzw. verschickt die nun digital aufwachsende Generation vielleicht vergleichbare Nachrichten mit dem Handy …

 

Wo entsteht Schwärmerei und junge Liebe?

Daten für Liebesbeziehungen bei Erwachsenen weisen darauf hin, dass die meisten davon dort entstehen, wo sich die Menschen in Gemeinschaften länger aufhalten: in der Arbeit, im Freizeitverein, im Urlaub. Für Jugendliche und junge Erwachsene gilt das Gleiche: Schule, Uni, Freizeitverein, Ferien(-camp). Studienergebnisse belegen, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes genauso wie gesunde Gleichaltrige Liebesbeziehungen haben und eingehen.

 

Studienergebnisse zu Liebesbeziehungen mit Typ-1-Diabetes

Es ist wenig darüber bekannt, wie Diabetes in Liebesbeziehungen kommuniziert wird oder welchen Inhalt diese Kommunikation hat. Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes könnten sich Sorgen machen, wie potenzielle Partner auf ihre Krankheit und das damit verbundene Selbstmanagementverhalten reagieren werden. Des Weiteren ist auch die Entscheidung damit verbunden, inwieweit sie den Partner/die Partnerin in die Behandlung von Diabetes einbeziehen wollen. Die Partner müssen in jedem Fall genug über Diabetes wissen, um bei Symptomen von Hypoglykämie und Hyperglykämie helfen zu können. Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes können Sorge haben, potenzielle Partner mit dieser Verantwortung zu belasten und deswegen punkto Unterstützung beim Diabetesmanagement vorsichtig sein und wenig anvertrauen.

Konfliktreiche und unglückliche Liebesbeziehungen stellen eine große psychische Belastung für Menschen mit und ohne Typ-1-Diabetes dar und beeinflussen das Essverhalten von Menschen mit Typ-1-Diabetes negativ. Damit verbunden ist auch ein schlechteres Selbstfürsorgeverhalten. 

 

Rüstzeug für das Jugend- und junge Erwachsenenalter

Es ist wichtig, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit Vertrauten über ihre Gefühle sprechen können, sei es mit dem beste Freund/der besten Freundin, mit der Mama, dem Papa, der Oma, dem Opa (oder jemand ganz anderem). Da soll alles Platz haben dürfen: von Freude über Angst und Enttäuschung bis hin zu Ärger und Wut. In Gesprächen wie diesen lernen wir uns und unsere Bedürfnisse besser kennen, können Strategien für die beste Annäherung oder Abgrenzung entwickeln und nach dem nächsten Kontakt mit dem/der Angebeteten wieder weiterüberlegen. Zuhören und Ermutigung sind wesentliche Aspekte dieser emotionalen Unterstützung, die nicht gänzlich durch Surfen im Internet oder Chatforen ersetzt werden können oder sollten. Im Jugendalter gewinnen nicht nur die Gleichaltrigen an Bedeutung, sondern auch der eigene Körper. Das (Selbst-)Bewusstsein in Bezug auf den eigenen Körper entwickelt sich ab der Geburt eines Kindes laufend, und Eltern haben darauf großen Einfluss. Die Grundsteine für die selbstbestimmte Haltung „Mein Körper gehört mir“ werden in der Kindheit gelegt. Paradebeispiel ist hier das „Bussi für die Tante“ zum Abschied. Nein, niemand muss Bussis geben, Umarmungen oder andere Liebesbekundungen zulassen, wenn er/sie nicht will. Basta.

 

Die Studien, die es schon gibt, besagen, dass die meisten jungen Menschen mit T1DM keine speziellen Maßnahmen vor oder nach dem Sex ergreifen, wie etwa Reduzierung der Insulindosis, Vorbereitung von Snacks und Blutzucker-Messung. Keiner der Befragten erlebte beim Sex eine schwere Hypoglykämie, aber 40 Prozent berichteten von gelegentlichen leichten Unterzuckerungen. Die Angst vor Hypoglykämie während des Geschlechtsverkehrs wurde von 35 Prozent der StudienteilnehmerInnen gemeldet. Diejenigen, die über erhöhte Angst berichteten, erlebten in der Vergangenheit leichte Hypoglykämien, waren Singles und gaben bei der Fragebogenuntersuchung höhere Werte in Bezug auf Angst vor Hyperglykämien an.

 

Die medizinischen Teams in Krankenhäusern und Diabetesambulanzen für Jugendliche und junge Erwachsene sollten sich dieser Themen bewusst sein, sie berücksichtigen und aktiv danach fragen. 

 

Spezielle Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene werden benötigt

An Spitälern gibt es keine Workshops für Jugendliche und junge Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, in denen auf diese wichtigen Entwicklungsfragen im jungen Erwachsenenalter eingegangen werden könnte, wie z. B. die Übernahme der Verantwortung für die Diabetesversorgung, die Förderung eines gesunden Lebensstils und die Reduzierung von riskantem Verhalten (Stichwort: „Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll“), die Vermittlung von Stressbewältigungstechniken und positivem Selbstwert sowie Selbstfürsprache oder die Vorbereitung auf den Wechsel in die Erwachsenenmedizin.