Kinder mit Diabetes und Sport

FotoDKKS Bettina Janke
Diabetesberaterin LKH Villach
Neonatologie und Kinderintensivstation

Sport tut gut! Entscheidend ist, dass die körperliche Bewegung auf die Insulinbehandlung abgestimmt ist!

Kindern und Jugendlichen tut es gut, wenn sie regelmäßig Sport betreiben, da sie belastbarer und leistungsfähiger werden und auch besser mit Stress umgehen können und somit seelisch ausgeglichener sind. Sport dient der Gemeinsamkeit mit Gleichaltrigen, man gewinnt Freunde und er dient der allgemeinen Lebensfreunde.

Das trifft natürlich auch auf Kinder und Jugendliche mit Diabetes zu, nur gilt es hier, gewisse Regeln zu beachten und einzuhalten. Körperliche Aktivitäten senken den Blutzuckerspiegel, woraus man aber nicht folgern kann, dass die Stoffwechseleinstellung durch intensives Training besser wird. Entscheidend ist, dass die körperliche Bewegung auf die Insulinbehandlung abgestimmt ist!

Denn sonst besteht absolute Hypoglykämiegefahr, da

  • die Wirkung des einmal gespritzten Insulins nicht gestoppt werden kann
  • die Glukosewirkung in der Leber durch das Insulin gebremst wird
  • der Glykogenabbau zu Glukose gehemmt wird
  • die Fettzellen weiterhin Glukose aufnehmen, die somit in der Muskulatur fehlen
  • auch die Muskelzellen wegen der erhöhten Insulinsensitivität vermehrt Glukose aufnehmen.

Somit kommt es durch diese biochemischen Prozesse zu einem Glukosemangel, der den Blutzuckerspiegel stark absenkt.

Was tun?
Kinder mit Diabetes keinen Sport machen lassen? Nein, das ist sicherlich der falsche Weg, denn Kinder mit Diabetes sollten keinesfalls überbehütet werden. Sie sind genauso leistungsfähig wie gesunde Kinder, was nicht vergessen werden sollte. Das wird auch bei der Erstmanifestation und den Folgeschulungen vom gesamten Kinderdiabetesteam immer wieder betont und die richtigen Verhaltensweisen ausreichend geschult.

Wichtig ist, dass das Kind/der Jugendliche erst einmal sicher ist in der Interpretation seiner ganz persönlichen Hypoglykämiezeichen, die natürlich durch die sportliche Anstrengung oft erst verspätet wahrgenommen werden können bzw. übersehen werden.

Ganz wichtig ist die regelmäßige Blutzuckerkontrolle beim Sport, die ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Zufuhr von zusätzlichen KHE (Kohlenhydrateinheit)/BE (Broteinheit). Als Faustregel gilt, dass pro 30 Minuten körperliche Aktivität eine zusätzliche KHE/BE zu sich genommen werden sollte, bestehend aus schnell- und langwirksamen KHE/BE. Nach dem Sport sind engmaschige BZ-Kontrollen durchzuführen, da die erhöhte Insulinsensitivität auch noch Stunden nachwirken kann.

ICT:
Bei langandauernden sportlichen Aktivitäten, die ja im Regelfall geplant werden, wird von uns empfohlen, das Basisinsulin am Morgen um 30 bis70 Prozent zu reduzieren. Auch das Bolusinsulin muss unbedingt reduziert werden. Es wird auch geraten, das abendliche Basisinsulin um 20 bis 50 Prozent zu reduzieren, da der Körper seine Glykogenreserven wieder auffüllt und das Kind somit einen deutlich reduzierten Insulinbedarf hat.

Bei allen sportlichen Aktivitäten sollten ausreichend schnell- und langwirksamer KHE/BE wie Traubenzucker, Flüssigzucker, Saft etc. mitgeführt werden, um eine Hypoglykämie schnell abfangen zu können. Natürlich wäre es gut, wenn Freunde und Trainer wissen, wie im Falle eines Hypos beim Kind vorzugehen ist! Deshalb ist die Information an Trainer, Betreuer und Freunde durch das Kind, seine Eltern und das Kinderdiabetesteam immens wichtig!

CSII:
Unter CSII ist eine Basalratenreduktion in der temporären Basalrate um ca. 20 Prozent am Anfang angedacht, das Kind und die Eltern müssen sich jedoch genau wie unter ICT an die Werte herantasten, da es leider kein gültiges Rezept für alle gibt. Der Bolus wird um 30 Prozent gesenkt. Diese Werte sind Erfahrungswerte, sind aber für jedes Kind individuell abzutesten, was sicherlich am Anfang recht mühsam ist, aber wichtig ist, um zu wissen, wie das Kind mit seinem Blutzucker bei welchen Sportarten reagiert!

Was tun beim Schifahren?
Jetzt im Winter steht bei sehr vielen Kindern mit Diabetes natürlich das Skifahren als Sportart Nummer 1 auf dem Programm. Wichtig hierbei ist, dass das Insulin in diesem Fall eng am Körper getragen wird, damit es nicht „einfriert“ und somit wirkungslos wird! Auch das Blutzuckermessgerät und die Streifen sollten körperwarm aufbewahrt werden, um präzise Ergebnisse zu liefern. Beim Frühstück ist der Insulinbolus unverändert zu belassen, die Basis um 20 Prozent zu reduzieren. Langanhaltende Bewegung wie Skifahren führt längerfristig zu einer Blutzuckerabsenkung. Vor allem am Abend darf nicht vergessen werden sowohl Basis- als auch Bolusinsulin um mindestens 10 Prozent zu senken. Damit sollen nächtliche Hypoglykämien durch den Muskelauffülleffekt und die erhöhte Insulinresistenz vermieden werden. Es gibt Kinder und Jugendliche, die so intensiv auf den Skiern unterwegs sind, dass es zu einer Basisreduktion von 30 bis 50 Prozent kommen kann.

Kinder mit Pumpe beginnen mit einer Basisreduktion von 20 Prozent und passen die Basalrate dann sukzessiv an. Nur durch häufigere BZ-Messungen findet man den individuellen Weg für jedes Kind und jeden Jugendlichen. Unbedingt mitzunehmen auf die Piste sind Trauben- oder Flüssigzucker, auch Müsli- oder Fruchtriegel erfüllen da ihren Zweck!

Selbst Leistungssport ist mit Diabetes möglich, wie man zum Beispiel an Anja Renfordt (Weltmeisterin im Kickboxen) oder Matthias Steiner (Europameister und Olympiasieger im Gewichtheben) sieht. Allerdings ist dafür eine optimale Stoffwechseleinstellung notwendig, mit Blutzuckerwerten im Normbereich, damit maximale Leistungen erbracht werden können.

Wichtig für das Kind mit Diabetes ist, dass Sport und körperliche Aktivität Spaß machen und in den Alltag integriert werden können, damit das Kind gesund und ausgeglichen bleibt.

Bettina Janke, DKKS, Diabetesberaterin
LKH Villach, Neonatologie und Kinderintensivstation