CGM - kontinuierliches Glukose-Monitoring

Technischer Fortschritt für Diagnostik und Therapie
Foto Cvach SarahWas kann CGM? Was ersetzt es nicht? 

Was ist CGM?
Kontinuierliche Glukosesensoren messen die Gewebsglukosespiegel im Körper (den interstitiellen Glukosegehalt der Zwischenzellflüssigkeit) über 24 Stunden. Damit können Menschen mit Diabetes und Betreuungspersonen verstehen, wie Essen, Alltag, Aktivität, Bewegung und Therapie den Blutzuckerverlauf beeinflussen. Sie können Trends frühzeitig einschätzen und somit der nahe-normoglykämischen Einstellung näher kommen. Je nach Modell wird alle 1 bis 5 Minuten (ca. 288mal in 24 Stunden) ein aktueller interstitieller Glukosewert angezeigt und gespeichert. Diese „kontinuierliche“ Messung gibt den Glukoseverlauf des Tages und der Nacht wieder.

Wie funktionieren die CGM Systeme?
Der Glukosesensor wird ins Unterhautfettgewebe am Bauch oder Oberarm gesetzt. Auf dem Sensor wird der Sender (Transmitter) aufgebracht, der das Ergebnis der Glukosemessdaten an ein Empfangsgerät (Receiver) funkt.

Wichtig ist, dass eine Verzögerung zwischen dem Gewebsglukosewert und dem Blutglukosewert von ca. 10 bis 20 Minuten besteht. Die Verzögerung kann sich verlängern, wenn sich der Blutzucker sehr rasch ändert. Trends bei der interstitiellen Glukosemessung sind für die Änderung der Blutglukosewerte repräsentativ, aber die  absoluten interstitiellen Werte stimmen nicht immer mit den Blutglukosewerten überein.

Was kann CGM?
1) CGM bietet Betroffenen die Möglichkeit, unmittelbar den Einfluss verschiedener Aspekte (wie Ernährung, sportliche Aktivität oder dergleichen) auf ihren Glukosespiegel zu bewerten. Basierend auf diesen Erkenntnissen kann in Folge auch besser mit Schwankungen der Glukosewerte umgegangen werden. Mit wachsender Erfahrung kann hier bereits vor Eintreten einer Schwankung richtig agiert werden. Dadurch können Fluktuationen der Werte vorab vermieden werden. Durch die Nutzung dieser Daten und der wachsenden Vertrautheit mit diesen Zusammenhängen können die Glukosewerte positiv beeinflusst werden.

2) Die kombinierte Nutzung einer Insulinpumpe mit CGM (= Sensor-unterstützte Pumpentherapie) hat bei einer Vielzahl an Studien ihre Überlegenheit gegenüber der Verwendung von CGM mit Injektionstherapie bewiesen. Eine Reduktion des HbA1c-Wertes mit Sensor-unterstützter Pumpentherapie um bis zu mehr als 1% innerhalb einiger Monate wurde nachgewiesen. Eine vergleichbare Reduktion konnte mit Injektionstherapie, auch mit Nutzung von CGM, nicht erreicht werden.

3) Nächtliche Hypoglykämien und deren Folgen sind für PatientInnen mit Diabetes ein wichtiges Thema. Die Sorge, diese Unterzuckerungen zu vermeiden, führt oft zu einer suboptimalen Einstellung und zu mangelhaften Ergebnissen. Die Nutzung der automatischen Hypoabschaltung ermöglicht der Insulinpumpe mit Hilfe der vom CGM übermittelten Werte, selbstständig die Insulinzufuhr zu unterbrechen und damit der Unterzuckerung entgegen zu wirken. Die mit dieser Technologie durchgeführten Studien haben gezeigt, dass durch die Nutzung der Hypoabschaltung die Häufigkeit, Dauer und Schwere der Unterzuckerungen deutlich reduziert werden können.

Was kann CGM nicht?

  •  Ersetzt nicht die vereinbarte Blutzuckermessung
  • Zeigt nicht identische Werte mit dem Blutzucker an
  • Schützt nicht automatisch vor zu hohen oder zu tiefen Blutzuckerwerten

Von der Anwendung der CGM profitieren Menschen mit

  • stark variierenden Blutzuckerspiegeln
  • Hypowahrnehmungsstörungen (häufigen schweren Hypoglykämien mit der Notwendigkeit von Fremdhilfe)
  • schweren nächtlichen Hypoglykämien
  • Frauen mit Kinderwunsch, vor/während der Schwangerschaft, mit unbefriedigender Stoffwechselkontrolle unter Einsatz konventioneller Therapieformen

Zwei mögliche Anwendungsbereiche:

1. Diagnostische Anwendung
Die Systeme werden zeitweise angewendet, um spezifische Glukose Exkursionen zu identifizieren1. Mit diesem Wissen wird die bestehende Therapie optimiert, ohne dass ein Sensorsystem auf Dauer eingesetzt wird. Z.B. bei einem Verdacht auf nächtliche Hypoglykämien oder Hyperglykämien in den frühen Morgenstunden.

2. Therapeutische Anwendung
CGM kann kontinuierlich angewendet werden

  • bei funktioneller Insulintherapie mit der Insulinpumpe oder mit dem Pen, wenn auch nach Therapieoptimierung eine HbA1c-Senkung auf Dauer unter 7,5 % (Leitlinien der ÖDG/Version 2009) nicht möglich ist
  • bei schweren und/oder nächtlichen Hypoglykämien, sowie bei Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen
  • bei moderaten Hyperglykämien in speziellen Situationen z.B. in der Schwangerschaft
  • bei Kleinkindern, welche eine schlechtere Hypoglykämie-Wahrnehmung aufweisen, sehr sensibel auf Nahrung und Bewegung reagieren und sich oft noch nicht artikulieren können

Folgende Systeme sind in Österreich auf dem Markt

A. CGM als stand-alone (Personal CGM als Monosystem eingesetzt)

B. Sensor-unterstützte Pumpentherapie (SuP)Real-Time CGM eingesetzt gemeinsam mit einer Insulinpumpe

Wichtige Voraussetzungen für die Nutzung von CGM-Systemen (Therapeutische Anwendung)

  • die Auswahl der Patienten durch das Diabetes-Team (behandelnder Diabetologe)
  • gute Compliance
  • Teilnahme an CGM-Schulung und Training und gegebenenfalls eine individuelle Erprobungsphase des CGM über einige Woche mit erfolgreichem Wirkungsnachweis
  • Betreuung durch einen geschulten und CGM-erfahrenen Diabetologen mit Behandlungsteam2

Zusammenfassung:
Die im Display des Empfängers (Receiver) angezeigten Gewebeglukosewerte geben wichtige Informationen zum Glukoseverlauf zwischen den nach wie vor notwendigen Blutzuckermessungen.

Das kontinuierliche Glukosemonitoring ersetzt nicht die Blutzuckermessung, sondern ergänzt sie auf eine sehr sinnvolle und hilfreiche Weise.

Die Informationen von der kontinuierlichen Glukosemessung sollen die mittels herkömmlicher Blutzuckermessgeräte bestimmten Informationen zum Blutzuckerspiegel ergänzen, keineswegs jedoch ersetzen. Die unter der bisherigen Diabetestherapie empfohlene Anzahl von Blutzuckermessungen wird weiterhin durchgeführt. Das System zur kontinuierlichen Glukosemessung benötigt rein technisch mindestens einmal in 12 Stunden eine Kalibrierung (Eichung) mittels einer herkömmlichen Blutzuckermessung. Die Anzahl der tatsächlich notwendigen Blutzuckermessungen für den Diabetiker (unabhängig von den Kalibrierungen) richtet sich nach dem medizinischen Bedarf.

Literatur bei der Verfasserin
Zitate:
1) http://www.oedg.org/1102_positionspapier.html
2) http://www.diabetesde.org/fileadmin/users/Patientenseite/PDFs_und_TEXTE/Infomaterial/Leitfaden_CGM_diabetesDE_F.pdf

Autorin:
DGKS Sarah Cvach, Diabetesberaterin
KH Hietzing, Wien