Diabetes und Schwangerschaft

Diabetes in der Schwangerschaft kann in 2 Formen vorkommen: als klassischer Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes, GDM) oder als manifester Diabetes mellitus (Typ 1 oder Typ 2) in der Schwangerschaft. 

Der Gestationsdiabetes tritt als Folge der physiologischen Insulinresistenz meist in der 2. Hälfte der Schwangerschaft auf. Was heißt das? Jede Frau entwickelt ab der 22. Schwangerschaftswoche eine Insulinresistenz, d. h., die Wirkung des Insulins ist deutlich herabgesetzt. Eine vergleichbare Insulinresistenz besteht auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, wobei sich die auslösenden Ursachen unterscheiden. Stoffwechselgesunde Frauen kompensieren diese Insulinresistenz mit einer Steigerung der Insulinproduktion und -ausschüttung um das 2–3-Fache, wodurch Schwangere eher niedrige Blutzuckerwerte aufweisen. Gelingt dies nicht, steigt der Blutzucker – und man spricht von einem Schwangerschaftsdiabetes.

Der hohe mütterliche Blutzucker kann über die Plazenta zum Fetus gelangen, der dann beginnt, vermehrt Insulin zu produzieren, wodurch sämtliche Komplikationen des Gestationsdiabetes erklärbar sind: Makrosomie (Geburtsgewicht > 4,5 kg), Geburtsprobleme aufgrund der fetalen Größe, Unterzuckerung des Neugeborenen nach der Geburt und langfristig Neigung zu Übergewicht und Diabetes. Das Risiko für diese Komplikationen steigt linear mit der Höhe des mütterlichen Blutzuckers, d. h., es ist ganz essenziell, den Gestationsdiabetes rechtzeitig festzustellen und zu therapieren.schwanger

Wie wird Gestationsdiabetes festgestellt?

Der GDM wird meistens über den Zuckerbelastungstest (oGTT) festgestellt, der laut Mutter-Kind-Pass zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden soll. Wichtig ist, dass dieser Test nüchtern
(8 Stunden vorher nichts gegessen, nur Wasser/Tee getrunken) und mittels Blutzuckerbestimmungen über die Vene (nicht über einen Fingerstich) durchgeführt wird. Bei Frauen, die schon in einer vorigen Schwangerschaft einen GDM hatten oder einen weiteren Risikofaktor für einen GDM (Ihr Arzt sollte dies bemerken) aufweisen, sollte der oGTT bereits am Ende des ersten Drittels der Schwangerschaft gemacht werden bzw. sollte bereits beim ersten medizinischen Kontakt in der Schwangerschaft (das kann der Haus-, aber auch der Frauenarzt sein) ein einfacher Test zum Ausschluss eines manifesten Diabetes gemacht werden. 

Eine GDM wird diagnostiziert, sobald einer dieser Blutzuckerwerte erreicht bzw. überschritten ist: Nüchtern-Blutzucker 92 mg/dl, Blutzuckerwert nach
1 Stunde im oGTT 180 mg/dl und 153 mg/dl nach
2 Stunden. Grenzwertige Befunde gibt es nicht, sobald einer dieser Werte erreicht/überschritten wird, ist die Diagnose fix!

Diagnose GDM: was nun?

Sobald die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes gestellt wurde, ist es ganz wichtig, dass darauf geschaut wird, dass der Blutzucker die gesamte Schwangerschaft über im Zielbereich ist. Zu Beginn erhalten die Frauen ein Blutzuckermessgerät und sollen ihren Blutzucker 4-mal täglich mittels Fingerstich messen und notieren: nüchtern sowie 1 Stunde nach jeder Hauptmahlzeit. Zudem erhalten sie eine Diätberatung, in der sie erfahren, wie sie sich ausreichend (man soll nicht hungern!) und bewusst ernähren können. Dann wird nach 1–2 Wochen wieder kontrolliert, ob die Blutzuckerwerte mittels Diät im Ziel sind: Ziel sind ein Nüchtern-Blutzucker < 95 mg/dl und ein Blutzucker 1 Stunde nach dem Essen < 140 mg/dl. Dies ist wichtig, da jede Steigerung der Blutzuckerwerte das Risiko für Komplikationen deutlich erhöht.

Gelingt es trotz Diät und Bewegung nicht, den Blutzucker unter diesen Werten zu erhalten, soll mit einer Insulintherapie begonnen werden. Das ist deshalb sinnvoll, da Insulin in der Schwangerschaft sicher ist und – wie bereits erwähnt – die körpereigene Insulin-Produktion der Schwangeren zu wenig ist, um den Fetus vor hohen Blutzuckerwerten zu schützen. 

Verschwindet der GDM nach der Schwangerschaft?

In den meisten Fällen ja! Trotzdem: Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes haben ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem die ersten 5–10 Jahre nach einer GDM-Schwangerschaft wurden als vulnerable Jahre für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes identifiziert. Deshalb sollten Frauen nach einem GDM alle 2 Jahre ihre Glukosetoleranz mittels eines oGTT überprüfen lassen, beginnend 2–3 Monate nach der Entbindung. 

Welche präventiven Maßnahmen werden Frauen nach GDM empfohlen?

Wie auch bei allen anderen Menschen, ist die beste Diabetes-Prävention ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung. Wichtig ist, dass Frauen nach der Schwangerschaft ein Normalgewicht anstreben und versuchen, dieses so rasch wie möglich – zumindest in 12 Monaten – zu erreichen. Stillen kann dabei helfen und hat sämtliche positive Auswirkungen – auch auf den kindlichen Stoffwechsel. Da auch für die Kinder regelmäßige Bewegung und eine gesunde Ernährung ganz wichtig sind, um normalgewichtig zu bleiben und sich gut zu entwickeln, sollte eine gesunde Lebensweise die ganze Familie beschäftigen und am besten von Beginn an zur Gewohnheit werden!

 

Ass. Prof. Priv.-Doz. Dr. Yvonne Winhofer-Stöckl