Entwicklung der medizinischen Diabetesversorgung

Foto Prof. Drexel HeinzBeim Österreichischen Diabetikertag übermittelte ÖDG-Präsident Prof. Dr. Heinz Drexel im Rahmen seines Vortrages drei Botschaften:

1. Herzkrankheit und Diabetes
2. Erfolgreiche Therapie und
3. Therapieziele.
Aus unserer eigenen Arbeitsgruppe konnte zum ersten Thema berichtet werden, dass wir im Jahr 2012 eindeutiges Wissen haben, dass Diabetes weit bessere Aussichten hat als eine bereits bestehende Herzkrankheit. Dies wurde 1998 heimlich behauptet. Es ist jetzt eine sehr gute Nachricht für Menschen mit Diabetes, dass bei guter Diabetestherapie auch über viele Jahre sehr gut gelebt werden kann und dass die Lebensdauer nicht mehr wesentlich eingeschränkt ist.

Allerdings muss gesagt werden, wenn bereits eine Herzerkrankung besteht und diese mit Diabetes zusammentrifft, dass dann eine sehr intensive Therapie notwendig ist, um weitere Komplikationen zu verhindern. Insgesamt kann nämlich gesagt werden, dass Diabetes eine Herzkreislauferkrankung darstellt: über viele Jahre werden Herzgefäßkrankheiten immer häufiger. Aber das erste Fazit ist, dass Diabetes viel weniger gefährlich ist als die koronare Herzkrankheit.

Die zweite Botschaft betrifft die erfolgreiche Therapie: hier wird das Beispiel einer Badewanne angeführt. Der Zufluss von Wasser in die Badewanne könnte mit Neuerkrankungen gleichgesetzt werden, der Abfluss des Wassers aus der Badewanne mit der Sterberate. Wenn nun weniger Menschen mit Diabetes sterben weil die Therapie deutliche Fortschritte gemacht hat, dann ist die Sterberate erniedrigt und in der Badewanne würde der Flüssigkeitsspiegel ansteigen. Wir haben also die Situation, dass bei besserer Behandlung eine Krankheit häufiger wird. Dies klingt zuerst paradox und manchmal wird auch behauptet, dass die Medizin versagt, wenn eine Erkrankung häufiger wird. Dies ist völlig falsch – es ist ein Behandlungserfolg, wenn Menschen länger mit einer Erkrankung leben. Das umgekehrte Beispiel wäre die Ebola-Viruserkrankung, für die wir leider keine Therapie haben und an der praktisch alle erkrankten Menschen sehr rasch sterben, wodurch die Erkrankung äußerst selten ist. Das zweite Fazit ist also ein Naturgesetz, eine Krankheit wird häufig, wenn die Todesrate klein ist und eine Krankheit wird selten, wenn die Todesrate groß ist.

Drittes Thema waren die Therapieziele und hier ist auf den Blutzucker und das HbA1c von 7 Prozent und auf den Blutdruck von 130/80 mmHg als Richtlinie eingegangen worden. Zusätzlich ergibt sich die neue Richtlinie der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG), dass das schlechte LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl sein sollte. Dies ist durch die Erkenntnisse bestärkt, dass man damit noch lange nicht ein zu niedriges Cholesterin hat. Das natürliche LDL-Cholesterin ist nämlich z. B. beim Neugeborenen um 40 mg/dl.

Aktuelle Trends in der medizinischen Diabetesversorgung sind daher erstens, dass Diabetes zwar eine Blutzuckerbehandlung braucht aber ebenso wichtig Cholesterinsenkung, Blutdrucktherapie, Rauchstopp und Lebensstil sind. Es ist heute ganz klar, dass eine effiziente Diabetestherapie möglich ist und für Arzt und Patient eine Herausforderung darstellt. Wenn diese Herausforderung gemeistert wird, kann man mit Diabetes gut und lange leben.

Die diesjährige wissenschaftliche Jahrestagung der ÖDG beschäftigt sich daher mit dem Thema Langzeitperspektiven in der Diabetologie. Der beste Trend ist natürlich Diabetes überhaupt zu verhindern, nämlich durch Bewegung und gesunde Ernährung und dazu empfiehlt die ÖDG das Disease Management Programm  „Therapie Aktiv- Diabetes im Griff“.

Es ist also vieles erreicht worden und es bleibt vieles zu tun damit die Gesundheit der Menschen mit Diabetes weiter verbessert wird.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Heinz Drexel