Erstdiagnose Diabetes Typ 2

Ein Leitfaden für PatientInnen
Holub IndiraDie Diagnose „Diabetes mellitus“ bedeutet eine mehr oder weniger große Lebensumstellung. Eine intensive und individuelle Schulung ist also die Grundlage für …ein gesundes Leben mit Diabetes. Leider kann nicht jede Einrichtung Schulungen anbieten. In diesem Fall müssen die PatientInnen an geeignete Einrichtungen überwiesen werden. Dies benötigt jedoch Zeit. Zeit, in der PatientInnen aber bereits selbstständig mit der Erkrankung leben müssen. Eine erste Schulung mit den notwendigen Informationen muss also in jeder Einrichtung gewährleistet werden können.

Das individuelle Eingehen auf die einzelnen Bedürfnisse der PatientInnen bildet eine Herausforderung, der sich Schulende stellen müssen. Der Leitfaden soll einerseits das Schulungsgespräch für Schulende strukturieren und andererseits den PatientInnen mit nach Hause gegeben werden. Sie sollen so die Möglichkeit erhalten, das gesamte Schulungsgespräch zu Hause nachlesen beziehungsweise bei Bedarf etwas nachschlagen zu können. Gleich zu Beginn der Schulung, ist die Erklärung der Krankheit an sich sinnvoll. Zu wissen, was im Körper nicht mehr so funktioniert wie beim Gesunden, ist eine grundlegende Information und umfasst im Leitfaden folgende Punkte:

Was bedeutet Diabetes:

  • Der Stoffwechsel (Wie funktioniert er bei Gesunden?)
  • Diabetesarten (Was führt bei mir zum Diabetes?)

Blutzuckerwerte: (Wie entsteht ein Blutzuckeranstieg?)

  • die Blutzuckermessung (Wie messe ich richtig?)
  • Blutzuckernormwerte (Wie sollte mein Blutzucker sein?)
  • Überzuckerung (Welche Anzeichen gibt es? Was muss ich tun?)
  • Unterzuckerung (Welche Anzeichen gibt es? Was muss ich tun?)

Weiters wird auf die Therapieformen eingegangen:

  • Blutzuckermedikamente (Wirkung, Handelsnamen, Nebenwirkungen)
  • Insulin (Arten, Wirksamkeit, Handelsnamen)
  • Die Insulinverabreichung (Wie verabreiche ich es richtig?)
  • Therapiestrategien (Welche gibt es?)

Die Anführung von allen Blutzuckermedikamenten und Insulinarten sowie die Erläuterung der Therapiestrategien werden nur kurz beschrieben und sollen den PatientInnen vor Allem zu Hause als Nachschlagewerk dienen. Sie sollen die Möglichkeit haben, selbst mitzudenken und zu verstehen, warum ihnen welche Therapie verordnet wurde. Im Schulungsgespräch können die Punkte besprochen werden, die die jeweiligen PatientInnen betreffen.

Ein sehr wichtiges Thema sind die Selbstkontrollen und die Kontrollen beim Arzt, die wiederum ausführlicher besprochen werden sollten:

  • Selbstkontrollen: Blutzuckerwert, Blutdruckwert, Gewichtskontrolle, Harnzucker, Ketonmessung, Zahnpflege, Fußpflege
  • Kontrollen beim Arzt: Blutzuckerwert, HbA1c-Wert, Blutwerte, Harneiweiß, Ketonmessung, Augenkontrolle, Fußkontrolle, EKG

Auch das „Leben mit Diabetes“ im Alltag wird angesprochen:

  • Ernährung (Wird kurzgefasst, weil DiätologInnen die Aufklärung übernehmen)
  • Bewegung (Welche Art eignet sich für mich? Was muss ich beachten?)

Die Wichtigkeit von Ernährung und Bewegung muss hervorgehoben werden, da sie einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit haben. Die Punkte

  • Verhalten bei Krankheit
  • Verhalten im Straßenverkehr
  • Verhalten auf Reisen
  • Diabetes und Rauchen
  • Diabetes und Alkohol

werden je nach PatientIn mehr oder weniger ausführlich besprochen. Folgeschäden werden nur der Vollständigkeit halber angeführt und sollten, wenn überhaupt, nur kurz erläutert werden. PatientInnen haben ein Recht, darüber aufgeklärt zu werden. Die Abschreckung durch Folgeschäden zum Zeitpunkt der Manifestation ist wahrscheinlich aber nicht Ziel führend. „Warum ist Schulung so wichtig?“ wird als eigenes Thema angesprochen, weil die gute Aufklärung und die Vorbereitung auf den Alltag, für die Lebensqualität und auch die Gesundheit des Patienten ausschlaggebend sind. PatientInnen sollen darauf hingewiesen werden, ihr Recht auf Schulung nutzen!

DGKS Indira Holub
Diabetesberatung St. Josef Krankenhaus Wien
indira.holub@sjk-wien.at