Fettleibigkeit und ihre Komplizen

Morbide Adipositas
Als Fettleibigkeit wird eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper bezeichnet. Zu einer Adipositas kommt es vor allem durch fettreiche Ernährung, die den Energieverbrauch dauerhaft übersteigt.

Die morbide Adipositas wird definiert als Body-Mass-Index (BMI) von > 40 kg/m². Es handelt sich hierbei um eine ernstzunehmende Erkrankung mit erhöhtem Risiko für eine Reihe von Komorbiditäten beziehungsweise Komplizen wie arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, zunehmende orthopädische Probleme der unteren Extremitäten usw.

Nicht zu unterschätzen sind für die Betroffenen auch die psychosozialen und sozioökonomischen Auswirkungen der morbiden Adipositas.

Von Normalgewicht spricht man bei einem BMI zwischen 19 und 25 kg/m², von Übergewicht und leichter Adipositas zwischen 26 und 30 kg/m², von Fettleibigkeit spricht man ab einem BMI von 31 kg/m² und von krankhafter Fettleibigkeit ab einem BMI 40 kg/m². Der Body-Mass-Index (BMI) wird berechnet, indem man das Gewicht durch das Quadrat der Größe (in Meter) teilt (kg/m²).

In Hinblick auf die Fettverteilung des Körperfettes unterscheidet man den weiblichen Fettverteilungstyp (Betonung auf Hüfte und Oberschenkel, die Birnenform) und den männlichen Fettverteilungstyp (stamm- und bauchbetont, die Apfelform), welcher bei der Bauchfettsucht ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt.

Eine Änderung des Lebensstils wird bereits ab einem Body-Mass-Index von 25 kg/m² angeraten, zum Beispiel durch forcierte Bewegung.

Durch Fettleibigkeit leiden die Patienten an Atemnot, an Schlafapnoe-Syndrom, Obesitas-Hypoventilationssyndrom, vermehrtem Schnarchen, orthopädischen Problemen (insbesondere des Rückens und der großen Gelenke im Bereich der unteren Extremitäten – Hüfte, Knie), weiters an Stoffwechselstörungen wie erhöhten Blutfettwerten und erhöhtem Blutzucker – im speziellen Diabetes mellitus Typ 2, der meist schleichend beginnt und oft auch spät erkannt wird. Als Folge dieser Erkrankung finden sich bei schlecht eingestellten Blutzuckerwerten bereits Schäden im Bereich der koronaren Herzkrankgefäße, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall.

In der Regel haben Typ-2-Diabetiker zu Beginn der Erkrankung keine Beschwerden. Die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 2 ist häufig ein Zufallsbefund im Rahmen einer Folgeerkrankung (zum Beispiel eines Herzinfarkts).

Bei der Therapie der morbiden Adipositas gilt es, das Morbiditäts- und Mortalitätsrisikos zu senken, sowie die Lebensqualität zu verbessern.

Eine dauerhafte Gewichtsreduktion auf einen BMI von < 30 kg/m² soll angestrebt werden. In der Mehrzahl aller Fälle kann dieses Ziel jedoch mit konservativen Maßnahmen allein nicht erreicht werden.

Angeboten werden diätetische Begleitungen über Hausärzte, forcierte Trainingseinheiten unter ärztlichen Kontrollen sowie natürlich eigenes persönliches Engagement. Sollten jedoch diese Maßnahmen frustran verlaufen und es zu keiner Gewichtsreduktion kommen, kann man noch auf bariatrisch-chirurgische Verfahren zurückgreifen. Bei diesem Eingriff handelt es sich um eine Verkleinerung des Magens unter Anlage eines Schlauchmagens, eine weitere Option ist die Verkleinerung des Magens und eine Umgehung im Bereich des Dünndarms als Omega-Loop- oder Y-Roux-Bypass. Die Eingriffe können mit der Knopfloch-Methode durchgeführt werden, so dass sie als minimal-invasive chirurgische Eingriffe durchgeführt werden.

Der chirurgische Weg soll erst dann eingeschlagen werden, wenn sämtliche konservativen Maßnahmen fehlgeschlagen haben.

Zu allererst findet ein Erstgespräch an unserer Adipositas-Ambulanz (die einmal wöchentlich abgehalten wird) statt. Hier kommt es zum Erstkontakt und zu ausführlichen Gesprächen über Ernährungsgewohnheiten und Lebensstil, so dass sich der Chirurg ein Bild über den Patienten machen kann. Auf der anderen Seite kann der Patient erstmals seine Problematik „seinem Chirurgen“ anvertrauen – meist ein 4- bis 6-Augen-Gespräch. Es soll in diesen Gesprächen evaluiert werden, welcher chirurgische Eingriff für den Patienten der passende bzw. der beste ist.

Auffallend in unserem Patientengut ist, dass von den 100 % der Patienten, die wir in den letzten 5 Jahren operiert haben, 25 % an Diabetes mellitus und Hypertonie gelitten haben.

Im Rahmen der Nachkontrollen nach 3 und 6 Monaten kann man mit Erstaunen feststellen, dass der Diabetes mellitus Typ 2 komplett reversibel gemacht werden kann, so dass die Patienten keine Antidiabetika mehr brauchen. Ebenso können Antihypertensiva deutlich reduziert werden, teilweise sogar auch abgesetzt werden.

Dies zeigt uns, dass eine forcierte Reduktion des Körpergewichtes bei Konstellation Diabetes mellitus Typ 2 und morbider Adipositas ein sehr erfolgreicher Weg für die Patienten ist, dass parallel zur Reduktion des Körpergewichtes der Diabetes mellitus heilbar ist und mit der Abnahme des Gewichtes eine Zunahme der Lebensqualität verzeichnet werden kann.

Dies bekommen wir wöchentlich in der Adipositas-Ambulanz bestätigt. Die Patienten erscheinen zu den Nachkontrollen mit einem neuen Selbstwertgefühl und mit einem Selbstvertrauen, das sie zuvor nicht gekannt haben.

Prim. Dr. Hubert Wiesinger, EOA Dr. Heimo Himmel
OÄ Dr. Christa Druml, OA Dr. Armin Lassnig, OA Dr. Ulf Kornherr
Landeskrankenhaus Villach, Abteilung für Allgemein- und Gefäßchirurgie