Polyneuropathie - wenn Ameisen laufen

Was können Diabetiker selbst zur Linderung beitragen?

Foto Triebnig


Polyneuropathie ist die Erkrankung vieler (poly-) Nerven und ihrer Hüllen. Diese Erkrankung betrifft das sensorische, motorische und autonome Nervensystem.
Die Ursachen sind vielfältig, wie Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen, Übergewicht, Übersäuerung, Niereninsuffizienz, Lebererkrankung, Medikamentennebenwirkungen, Rauchen.

Bei der diabetischen Neuropathie, die auch schon in einem frühen Stadium des Diabetes auftreten kann, kommen viele dieser Faktoren zusammen:
Oft beginnt es mit Ameisenlaufen oder Kribbeln an den Füßen, bis hin zu Schmerzempfindungen. Auch Muskelzucken und Krämpfe können auftreten, oder die sogenannten „restless legs“, die sehr störend sind.

Die sensorischen Nerven sind verantwortlich für den Tastsinn, für Schmerzen oder Gefühllosigkeit, das Spüren allgemein ist verändert. Hitze, Kälte oder Druckstellen werden schlechter wahrgenommen. Das Vibrationsempfinden ist eingeschränkt (Stimmgabeltest durch den Arzt).
Beim diabetischen Fußsyndrom bemerken z.B. Patienten Verletzung an den Füßen nicht. Es können Entzündungen übersehen werden, was letztendlich zu Amputationen führen kann. Ein weiteres Merkmal ist Kältegefühl in den Füßen, obwohl die Füße warm sind.

Bei der motorischen Neuropathie kommt es zu Muskelstörungen, Gangunsicherheit, auch Lähmungserscheinungen. Die Patienten berichten von einem Gefühl, wie auf Watte zu gehen, klagen über Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, Ataxien (d.h. der Gang wird schwankend, wie bei Betrunkenen, was für den Betroffenen sehr unangenehm ist). Bedingt durch Muskelschwäche können sich Fehlstellungen der Füße bilden.

Das autonome Nervensystem betrifft die inneren Organe und ist u.a. zuständig für die Schweißabsonderung, für trockene, schuppige und rissige Haut. Die Wundheilung ist gestört bzw. verzögert. Hyperkeratosen sind beim Diabetiker häufiger, unter den abgestorbenen Hornschichten können sich Bakterien ansiedeln und zu Entzündungen führen. Zu den autonomen Störungen gehören auch Neuropathie-Symptome wie Obstipation, Durchfall, Impotenz.

Wie nun vorbeugen? Gibt es eine Heilung?

Vorrangig ist jedenfalls die exakte Einstellung des Diabetes. Eine Heilung der Polyneuropathie ist nicht möglich, wesentlich ist daher die frühe Feststellung einer beginnenden Polyneuropathie. Umso eher kann dann eine Verbesserung durch Linderung der Beschwerden erreicht werden.

Wesentlich ist eine intensive Pflege der Haut, speziell an den Füßen. Basenbäder gegen die Übersäuerung und Einreibungen mit Hanföl sind sehr zu empfehlen. Vorsichtige Bürstenmassagen (mit Naturborsten!) erzeugen einen leichten mechanischen Reiz zur Anregung der Nerven. Zu bevorzugen ist Körperpflege mit milden Produkten, die man zur Baby-Pflege nimmt. Bei sehr starker Schweißabsonderung können Salbeibäder helfen. Es wurde auch beobachtet, dass Brennnesselbäder den unangenehmen Schweißgeruch nehmen.

Bewegung ist wesentlich, um die Durchblutung anzuregen, die Muskelpumpe  zu aktivieren und damit auch den Lymphfluss und die Venen zu unterstützen.

Im Winter sollte man Handschuhe tragen, um die Hände vor Kälte und Nässe zu schützen.

In Anbetracht der Gefühlsstörungen ist unbedingt auf gutes und nicht drückendes Schuhwerk zu achten.

Ernährungstipps bei Polyneuropathie:

gesunde biologische Ernährung, wenig Fleisch, mehr Gemüse. Entschlackung mit dem, was uns die Natur schenkt, wie z.B. die sehr stark chlorophyllhaltigen Brennnesseln, auch Löwenzahn und viele andere Pflanzen und Kräuter. Die in unserer, durch Umweltverschmutzung geplagten Zeit besonders wichtigen Detoxprodukte, wie z.B. Zeolith, Basensuppen, Chlorophyll,  können das Fortschreiten der Polyneuropathie bremsen.

Gegen die Schmerzen werden auch Akupunktur, Vierzellenbäder, physikalische und Elektro-Therapie, Kneipp‘sche Güsse sowie Senfmehlbäder empfohlen. Fußreflexzonenmassagen oder auch Schröpfkopfmassagen lindern und beruhigen rastlose Füße. Das Gehen auf leichte temperierten Linsen, Erbsen oder Reis, sowie Igelbälle, auf denen man geht oder die Fußsohlen damit bearbeitet, sind ein sehr hilfreiches sensomotorisches Training.

In diesem Zusammenhang sei auch die Neuraltherapie nicht vergessen. Natürlich helfen auch Medikamente, da der neuropathische Schmerz sehr heftig sein kann und zu Schlafstörung führt.

Jeder Betroffene sollte zusammen mit seinem Therapeuten den für sich besten Weg suchen und keineswegs resignieren! Wenn man sucht, findet man meist auch den persönlichen, positiven Weg. 

Dr. Ilse Triebnig, Fachärztin für Chirurgie und Allgemeinmedizin, Villach

Drei Viertel der Betroffenen wissen nichts

Nervenerkrankungen entwickeln sich bei mehr als jedem dritten Diabetiker und verursachen vielfältige, z.T. sehr unangenehme und schwerwiegende Beschwerden. Studien ergeben einen Nervenfaserverlust von 20 Prozent bereits wenige Jahre nach Diagnose eine Typ-2-Diabetes. Man kann also nicht von einer „Spätkomplikation“ reden!

Drei Viertel der Betroffenen wissen nicht, dass sie eine Neuropathie haben.

Quelle: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2015