Risikomanagement für Herz und Gefäße

Was sollte man wissen?
FotoNach wie vor sind Herz-Kreislauferkrankungen die führende Todesursache in Österreich. Menschen, die an Diabetes mellitus leiden – sowohl an Typ-1- wie auch Typ-2-Diabetes – sind davon meist deutlich früher und stärker betroffen. Grund dafür ist, dass bei diesen Personen die Entstehung der Atherosklerose deutlich schneller verläuft.

Was ist Atherosklerose?
Eigentlich handelt es sich dabei um einen entzündlichen Alterungsvorgang unserer Blutgefäße. An besonders empfindlichen Stellen in der Gefäßwand unserer Arterien lagern sich Fette und Kalk ein, es kommt zu mehr oder weniger ausgeprägten Verengungen und letztendlich kann ein solcher “atherosklerotischer Plaque“ auch aufplatzen. Das dann entstehende Blutgerinnsel kann die betroffene Arterie verstopfen.

Die Folgen der Atherosklerose sind Symptome der Blutunterversorgung einerseits – Herzschmerzen/Angina pectoris oder Schaufensterkrankheit/Claudicatio. Andererseits bei Verstopfung eines Gefäßes auf Basis eines geplatzten Plaques – Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Bei Menschen mit Diabetes schnellere Entstehung von Atherosklerose
Wie kommt es dazu, dass sich Atherosklerose bei Menschen mit Diabetes so viel schneller bildet? Grundsätzlich entstehen diese Veränderungen ja aus der Interaktion zwischen einer individuellen, persönlichen genetischen Veranlagung sowie der Ausprägung verschiedenster Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Die genetische Veranlagung ist dabei natürlich nicht beeinflussbar.

Die wichtigsten behandelbaren bzw. veränderbaren Risikofaktoren sind:
LDL-Cholesterin, Blutdruck, Blutzucker, Rauchen, Bewegungsmangel (bzw. Untrainiertheit).

Einige Worte zum Blutzucker: … „Ein bisschen zuckerkrank“ gibt es nicht!
Am Beginn der Erkrankung kommt es auf die gute Einstellung an:

  • Unsere Blutgefäße haben ein „Zuckergedächtnis“
  • Eine gute Einstellung in den ersten 6-10 Jahren verhindert Gefäßschäden besonders gut

Der Blutzuckerlangzeitwert:

  • HbA1c (= roter Blutfarbstoff auf dem Zucker klebt) zeigt die Einstellung der letzten 4-6 Wochen an

Kontrollieren Sie Ihren Blutzucker selbst!

  • Wer weiß wie sein Körper reagiert, kann den Blutzucker besser kontrollieren!

Einige Worte zu den Blutfetten … „Cholesterin“ alleine sagt zu wenig

Es gibt „schlechtes“ Cholesterin  (LDL Cholesterin):

  • Messwert sollte weniger als 70 mg/dl betragen (je weniger desto besser)
  • Wird von den gängigen Medikamenten primär beeinfluss

Es gibt „gutes“ Cholesterin (HDL Cholesterin):

  • Messwert sollte mehr als 50 mg/dl betragen (je mehr desto besser)
  • Wird von den gängigen Medikamenten kaum beeinflusst

Es gibt Triglyceride („Neutralfette“):

  • Messwert sollte weniger als 150 mg/dl betragen (je weniger desto besser)
  • Muss seltener zusätzlich behandelt werden
  • Wird besonders gut durch Ernährung und Bewegung beeinflusst

Einige Worte zum Blutdruck …Jeder Diabetiker sollte seinen Blutdruck selbst messen

  • So können Werte im Alltag ermittelt werden
  • „Weisskittelhypertonie“ kann erkannt werden

Investieren Sie in ein gutes Gerät

  • Handgelenksgeräte messen oft nicht korrekt
  • Bei bekannten Herzrhythmusstörungen sprechen Sie mit Ihrem Arzt welche Geräte in Frage kommen

Selbst gemessene Werte sollten unter 135 / 85 mmHg liegen

  • Liegen mehr als 7 von 30 Werten darüber, so ist der Blutdruck nicht optimal, egal welcher Wert zu hoch ist

Was können Sie selbst tun? – Haben Sie Interesse an Ihren Messwerten!

Ernährung

  • Möglichst wenig Salz (Blutdruck)
  • Nicht zu viel tierisches Fett (Blutfette)
  • Hochwertige Öle (Olivenöl, Rapsöl, Distelöl, …)
  • Vollkornprodukte (Blutzucker)

Bewegung

  • Ausdauerbewegung (z. B. Nordic Walking)
  • Krafttraining (z. B. Theraband)

Medikamente

  • Helfen nur, wenn sie auch genommen werden!
  • Sind meistens eine Dauertherapie

Für Menschen mit Typ-2-Diabetes ist vor allem wichtig zu beachten, dass eine gute Blutzuckereinstellung in den ersten Jahren nach der Diagnosestellung in der Lage ist, möglichen Gefäßschäden besonders gut vorzubeugen.

Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher
Hanuschkrankenhaus 1. Medizinische Abteilung
Präsident der ÖDG