Schwangerschaftsdiabetes Spätfolgen

Foto Kautzky WillerEs ist niemals zu früh Diabetes vorzubeugen!
Neue Informationskampagne der ÖDG zu
Spätfolgen des Schwangerschaftsdiabetes.
Von Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer

Schwangerschaftsdiabetes ist die häufigste Schwangerschaftskomplikation. Die HAPOStudie hat gezeigt, dass jede fünfte Schwangere gefährdet ist, einen Gestationsdiabetes mellitus (GDM) zu entwickeln.

Das neue Plakat und der neue Folder der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) soll Frauen und deren Familien auf die Notwendigkeit regelmäßiger NachsorgeUntersuchungen und die Erhaltung oder Umstellung auf eine gesunde Lebensweise bei Mutter und Kind hinweisen.

„Gesunde Ernährung, Gewichtskontrollen und bei Bedarf eine Gewichtsreduktion sowie regelmäßige körperliche Belastung sollen in den Alltag der gesamten Familie integriert werden. So kann das Risiko der Mutter, einen Diabetes bei neuer Schwangerschaft oder im späteren Leben zu entwickeln, um die Hälfte reduziert werden“, betont Prof.inDr.in Alexandra KautzkyWiller, Vorsitzende des Ausschusses Gender & MigrantInnen der ÖDG.

Durch strikte StoffwechselKontrolle der Mutter in der Schwangerschaft und Überwachung der kindlichen Entwicklung soll auch das spätere Risiko für metabolische Erkrankungen im jugendlichen Alter vermindert werden. Der Gestationsdiabetes ist für Mutter und Kind sowohl unmittelbar in der Schwangerschaft als auch langfristig mit Gesundheitsproblemen verbunden. Zu den häufigsten Schwangerschaftskomplikationen zählen die Entwicklung eines hohen Blutdrucks in der Schwangerschaft bis zur Schwangerschaftsvergiftung, Frühgeburten, ein starkes asymmetrisches Wachstum des Kindes mit operativen Entbindungen und Auftreten von Unterzuckerungen beim Neugeborenen nach der Geburt. Auch Atemnotsyndrom, Anpassungsbeschwerden und Trinkschwäche treten bei den Babys häufiger auf.

„Eine frühzeitige Entdeckung der Stoffwechselstörung und rechtzeitige Behandlung können diese Komplikationen deutlich vermindern“, erklärt KautzkyWiller. Dazu gehören Diät, Bewegung, Blutzuckerselbstkontrolle und gegebenenfalls eine Insulintherapie. Deshalb ist die Durchführung des oralen Glukosetoleranztests in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche unter Beachtung der neuen international vorgeschlagenen Diagnosekriterien notwendig. Diese Untersuchung ist seit 2010 im MutterKindPass in Österreich als erstem Land im deutschsprachigen Raum vorgegeben. Idealerweise und vor allem bei hohem mütterlichem Risiko soll bereits in der Frühschwangerschaft ein vorbestehender Diabetes (durch Nüchternblutzucker, Spontanblutzuckermessung oder HbA1cBestimmung) ausgeschlossen werden.

Auch nach der Geburt ist eine Kontrolle von Mutter und Kind notwendig, um spätere Stoffwechselverschlechterungen frühzeitig zu erkennen bzw. durch Präventionsmaßnahmen zu vermeiden.

Dazu fordert die ÖDG die Zusammenarbeit von InternistInnen, HausärztInnen, KinderärztInnen und GynäkologInnen. Prof. KautzkyWiller arbeitet auch an neuen Scores, um das Risiko der Mutter noch besser einschätzen zu können. Ein höheres Alter, ein niedriges HDL und eine gestörte Glukosetoleranz bei der ersten Nachuntersuchung sind ebenso wie Zeichen einer erhöhten Fetteinlagerung in die Leber wichtige Risikofaktoren für die Diabetesentwicklung.

Für 2012 plant der Ausschuss Gender & MigrantInnen der ÖDG unter Leitung von Prof.in Dr.in Alexandra KautzkyWiller ein neues Gestationsdiabetesregister, mit dem die Prävalenz und Komplikationsraten beim GDM, aber auch Ergebnisse bei Schwangeren mit DM1 und DM2 in Österreich erfasst und die Maßnahmen evaluiert werden sollen.

Folder und Plakat finden Sie unter www.oedg.org zum Downloaden. Beide können kostenlos unter office@oedg.at bestellt werden.

DieÖsterreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die ärztlichwissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen DiabetesExpertInnen. Ihre zentrale Aufgabe ist die Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Austausches aller auf dem Gebiet der Diabetologie tätigen ForscherInnen und ÄrztInnen sowie die Sicherstellung einer der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechenden Betreuung der DiabetikerInnen in Österreich.

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