Achtung: Neue Werte bei der HbA1c-Messung

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Das HbA1c, ist roter Blutfarbstoff, genannt Hämoglobin (Hb), jener Teil der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), der an Glukose gekoppelt ist. Die Bindung von Glukose (Zucker) an das Hämoglobin wird Glykierung genannt, das Hämoglobin ist also glykiert. Von Karin Herzele

Die roten Blutkörperchen leben – wenn keine schweren Erkrankungen vorliegen, die das Blut betreffen, ca. 4 Monate. Damit möglichst genaue Werte angegeben werden können, wird das HbA1c normalerweise alle 8 Wochen (in der Mitte der Erythrozyten-Lebenszeit) gemessen.

Die sich aus der Messung ergebenden Werte sind ein Maß für den durch-schnittlichen Blutzuckerwert in diesem Zeitraum. Der HbA1c-Messwert wird daher auch als Langzeit-Blutzucker bzw. Blutzuckergedächtnis bezeichnet. Das HbA1c wird seit mehr als vier Jahrzehnten gemessen und ist für jeden Arzt, jede Ärztin ein wichtiger Hinweis auf die Blutzuckereinstellung.

Der Anteil des HbA1c am gesamten im Blut vorhandenen roten Farbstoff (Hämoglobin) wird bei Diabetikern gemessen, um den Erfolg der Behandlung auf die Stoffwechseleinstellung überprüfen zu können. Gegebenenfalls müssen die Behandlungsstrategien angepasst werden. Der Arzt/die Ärztin wird eventuell andere Tabletten oder eine andere Insulintherapie verordnen und auf eine weitere Lebens-stiländerung hinweisen.

Neue Labor-Standards bei der Messung

Um international eine bessere Vergleichbarkeit der Werte zu ermöglichen, wurde mit Beginn dieses Jahres für Labors eine neue, einheitliche Referenzmethode für die HbA1c-Messung eingeführt.

Bisher wurde laut National Glucose Standardisation Program (NGSP) dieser Wert in Prozent (%) angegeben, entsprechend dem Anteil des glykierten Hämoglobins am Gesamt-Hämoglobin.

So unverzichtbar die HbA1c -Bestimmung für die Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus ist, so sehr haben sich vermehrt auch Nachteile der Methode gezeigt. Da es sich bei der Glykierung nicht um eine spezifische Reaktion handelt, entstehen verschiedene Glykierungsprodukte deren Konzentration nicht mit den Blutzuckerspiegeln in Zusammenhang stehen. Daher gab es bei der alten Messung manchmal Ungenauigkeiten. Außerdem wurden international unterschiedliche Referenzwerte zur Messung herangezogen.

Um die Messung weltweit zu standardisieren, hat eine Arbeitsgruppe der IFCC (International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine) daher das HbA1c neu definiert.

Referenzmaterial und Referenzmethode wurden einheitlich definiert, wobei nach der neuen Methode nur mehr jene Teile des glykierten Hämoglobins erfasst werden, die für den Diabetes relevant sind. Da die so ermittelten Werte um 1,5 bis zwei Prozent niedriger liegen als entsprechende bisherige Werte, war es nötig, auf eine neue Messeinheit zu wechseln: von Prozent auf die zehnfach höhere Angabe in Millimol pro Mol.

Die bisherige – im Auslaufen begriffene – Einheit war also Prozent (%), und wird auf Befunden derzeit als NSGP-Wert angegeben. Die nach Empfehlung der IFCC eingeführte, internationale Einheit ist Millimol pro Mol (mmol/mol), und wird auf Befunden derzeit als IFCC -Wert angegeben.

Der neue Normbereich soll zwischen 29 und 42 mmol/mol liegen.

„Auf Grund der deutlich unterschiedlichen Dimension soll gleich auf den ersten Blick klar sein, dass es sich um einen neuen Messwert nach IFCC handeln muss, Verwechslungen und Verwirrungen können so weitgehend verhindert werden“, betonte Prim. Föger beim Diabetes Forum: Diagnostik anlässlich der 27. Frühjahrstagung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft in Linz im Mai 2011.

Als Beispiel brachte Prim. Föger einen HbA1c -Wert von 7 %. „Dies entspricht einem IFFC-Wert von 54 mmol/mol. Insgesamt wird es eine wichtige Aufgabe für die nächsten Jahre werden, die „neuen“ HbA1c -Werte so im Alltag zu etablieren, dass jeder weiß, was genau mit welchem Wert gemeint ist.“

Der neue Referenzstandard ist seit Beginn dieses Jahres gültig und verpflichtet Laboratorien, Kliniken und niedergelassene Praxen, die Werte für das glykierte Hämoglobin in der neuen Messeinheit anzugeben. Zurzeit – und das wird auch noch länger so sein – sollte daher auf den Labor-befunden zusätzlich zum „alten“ NGSP-Wert in Prozent auch der neue IFCC-Werte in mmol/mol angegeben werden. Für die meisten Geräte bzw. Laborinformationssysteme ist die Angabe beider Werte durch Anwendung einer Umrechnungsgleichung kein Problem.

Quellen: Wikipedia und Medical Tribune Nr. 20.

  • Mol: 1 Mol ist die Maßeinheit für die Teilchenmenge eines Stoffes
  • Millimol: 1 Millimol ist das Tausendstel von 1 Mol
  • Referenzmaterial ist ein Stoff mit genau definierten (bekannten) Eigenschaften für den Einsatz als Maß oder Vergleichsgröße in einem Messverfahren.
  • Referenzmethode ist die genau definierte (festgelegte) Art und Weise eine Laboranalyse durchzuführen.